Eishockey
Adler Mannheim: Gute und schlechte Nachrichten
Es gibt ja viele Menschen, die lieber gute als schlechte Nachrichten lesen oder hören möchten. Und den Adler-Fans dürfte es gerade in dieser Phase ähnlich gehen. Also, beginnen wir mit dem für sie Erfreulichen.
Erstens: Angesichts der vielen Verletzungsausfälle war der Zähler gegen die aufstrebenden Düsseldorfer sogar ein eher gewonnener Punkt. „Ich bin von meinem Team beeindruckt“, unterstrich Trainer Bill Stewart. Zweitens: In Tyler Gaudet betrat ein notgedrungen bisher kaum aufgetretener Neuzugang die große Bühne SAP-Arena, die mit 12.557 Zuschauern wieder mal prall gefüllt war. Drittens: Markus Eisenschmid besiegte mit einem Tor seine Ladehemmung, „das war davor teilweise schon wie verhext“, bekannte er. Und viertens: Der ebenfalls langzeitverletzte Joonas Lehtivuori steht tatsächlich vor der Rückkehr und damit seinem Saisondebüt.
Gaudet ist zurück
Doch letzteres ist noch Zukunftsmusik, ein Vorschauthema für die kommende Heimpartie am Freitag gegen Köln. Am Sonntag bereits Realität war nach über dreimonatiger Verletzungspause das bereits zweite Comeback Tyler Gaudets, der den Saisonstart verpasst hatte und dann nach gerade mal zwei Saisonpartien noch länger aussetzen musste. „Es war eine harte Zeit, es war schwer, geduldig zu bleiben“, gestand der Kanadier, den sein Knie so lange ausgebremst hatte.
Dawes fällt lange aus
So, und nun dann doch zu den schlechten Nachrichten. Die gab’s bereits vor der Partie, denn zu den ohnehin schon vielen Ausfällen – inzwischen neun – gesellten sich kurzfristig auch noch zwei Topstars: Matthias Plachta (angeschlagen) und Nigel Dawes, der am Freitag in Straubing einen harten Check einstecken musste und im sogar noch günstigsten Heilungsfall wegen einer Beinblessur rund zehn Wochen ausfallen dürfte. Aber Bill Stewart betonte: „Entschuldigungen sind für Verlierer. Im Team redet niemand über die Verletzungen.“ Lieber redet er über seine fitten Führungsspieler, die noch mehr Verantwortung übernehmen müssen und dies auch täten. Und über junge Ergänzungen wie den umtriebigen Moritz Elias sowie Jungadler Paul Mayer, der mit zarten 17 Jahren sein Debüt in der deutschen Eliteliga gab.
Eisenschmids kluge Entscheidung
Bei so viel verbalem Balsam auf die Wunden schien der in der Verlängerung verlorene Zusatzpunkt tatsächlich verschmerzbar. Zumal die Adler ja nach zwei Rückständen zurückgekommen waren, durch Markus Eisenschmid und den seit Wochen starken Matt Donovan die jeweiligen DEG-Führungen (Gogulla und MacAulay, der auch den Siegtreffer besorgte) ausgeglichen hatten. Für Eisenschmid ein besonderer Moment, es war erst sein vierter Saisontreffer – aber ein umso schönerer und cleverer. Denn nach einem Gewühl vor dem Kasten von DEG-Goalie Henrik Haukeland reagierte der Mannheimer Flügelstürmer blitzschnell – und vor allem intuitiv richtig. „Es gab zwei Optionen“, berichtete er, „den Torwart anschießen oder ihn umspielen“. Ersteres, nämlich auf den Abpraller zu hoffen, wäre reines Glücksspiel gewesen, so vertraute Eisenschmid instinktiv richtig seinen geschickten Händen.
Nach zuletzt acht Spielen in 16 Tagen freuen sich nun alle auf die erste „normale“ Woche seit langem. „Endlich kann jeder mal auf seinen eigenen Körper schauen“, stellte Eisenschmid fest – und tat es dann seinem Coach gleich. Über die vielen Verletzten zu reden, „ist Energieverschwendung“. Da geht es den Adlern derzeit wie allen Menschen: Das können sie sich nicht leisten.