Extremsport RHEINPFALZ Plus Artikel Achim Heukemes läuft allen davon, auch mit bald 72 Jahren noch

Zweimal hat Achim Heukemes die USA durchquert, pünktlich zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge kommt er am 11. September 201
Zweimal hat Achim Heukemes die USA durchquert, pünktlich zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge kommt er am 11. September 2011 in Manhattan an.

Alles begann im Jahr 1984 mit einem Zehn-Kilometer-Lauf in München. Heute, knapp 40 Jahre später, hält der Wahl-Hunsrücker Achim Heukemes vier Welt- und acht deutsche Rekorde. Doch wer ist der Mann hinter den Bestleistungen?

Er ist bereit zu leiden – das stellt Achim Heukemes, der am Montag 72 wird, immer wieder unter Beweis. Am 11. September 2011, dem zehnten Jahrestag der Terroranschläge von 2001, erreichte der 71-Jährige nach 11.000 Kilometern sein Ziel Manhattan. Ohne Ruhetag durchquerte der Hochleistungssportler sein „Lieblingsland“ Amerika gleich doppelt. Gestartet in New York legte er die ersten 6000 Kilometer nach San Diego mit dem Rad zurück. Zurück ging es für ihn auf einer anderen Route über 5000 Kilometer zu Fuß. Täglich musste der Extremsportler einen zweifachen Marathon bewältigen, um sein Ziel rechtzeitig zu erreichen. Doch warum das ganze Leid? Er habe die 3000 Opfer des Anschlages würdigen wollen, erklärt Heukemes.

Auf dem Motorrad ging’s los

Im „ersten Leben“ sei der gebürtige Wuppertaler Motorradfahrer gewesen. Durch einen schweren Unfall im Alter von 33 Jahren habe er den Bezug zu seiner Maschine verloren. „Ich muss mir was anderes suchen“, war sich Heukemes sicher. Es zog ihn ins oberbayerische Mittenwald, das er von früheren Skiurlauben kannte. Dort lernte er den international erfolgreichen Bergläufer Kurt König kennen.

Stets aktiv: Achim Heukemes.
Stets aktiv: Achim Heukemes.

„Du hast die ideale Lauffigur, wenn du ein bisschen was machst, kann aus dir was ganz Großes werden“, habe ihm König attestiert, erinnert sich Heukemes. Er forderte ihn auf, am Zehn-Kilometer-Lauf in München teilzunehmen. Ohne Training absolvierte Heukemes den Lauf. Nun war der gelernte Industriekaufmann angefixt. Nur neun Monate nach seinem ersten Lauf ging er beim 12. Berlin-Marathon an den Start und lief mit einer Zeit von 3:03 Stunden ins Ziel. Doch das reichte dem Läufer nicht, denn: „Ich bin so ein Typ, ich gebe mich nicht gerne mit Mittelmaß zufrieden.“ Er habe, so wie „die Guten“, eine Zeit von unter zweieinhalb Stunden laufen wollen.

Die erste Schallmauer

Sieben Jahre später unterbot der mittlerweile in Kirschweiler im Hunsrück lebende Läufer beim Zürich-Marathon die magische Schallmauer mit einer Zeit von 2:29:26 Stunden. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, wagte sich der damals 40-Jährige an ein- oder zweitägige Tag- und Nachtläufe. Daran reizte ihn, neben den Distanzen, vor allem das Laufen unter Schlafentzug. Hierbei sei der Körper nur das ausführende Organ, der Kopf jedoch bestimme, zu welchen Leistungen man im Stande sei, erklärt der Extremsportler. Der ehemalige Fernfahrer war bei Sechs- und Zehntagerennen erfolgreich und stellte zudem 1999 in seiner Altersklasse den deutschen Rekord im 48-Stunden-Lauf mit 389,6 Kilometer auf. Da diese Rennen meist in Stadien stattfanden, war für Heukemes gegen Ende der 1990er Jahre der nächste konsequente Schritt ein Übergang zu Sololäufen und Länderdurchquerungen.

Immer auf der Suche nach neuen, extremen Herausforderungen: Achim Heukemes
Immer auf der Suche nach neuen, extremen Herausforderungen: Achim Heukemes

5735 Kilometer am Stück

Es folgte viele Solo-Rekordläufe, wie eine Italiendurchquerung (1998) oder eine Mallorca-Umrundung (1999). 2000 lief der Ultraläufer in einer Weltbestzeit von 55 Tagen, 6 Stunden und 45 Minuten vom Nordkap bis nach Sizilien – eine Distanz von 5735 Kilometern. „Die mentale Stärke ist das, was man braucht, um immer wieder durchzuhalten“, weiß Heukemes. Dass der Ultraläufer im Besitz dieser mentalen Stärke ist, stellt er immer wieder unter Beweis. Nach Europa durchquerte er 2005 auch Australien in Rekordzeit.

Auf dem Weg durch die USA.
Auf dem Weg durch die USA.

2006 widmete sich Heukemes einer neuen Wettkampfform: Dem zehnfachen Ironman (38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren und 422 Kilometer Laufen). Während das Radfahren eine weitere Leidenschaft darstellte, sorgte das Schwimmen für größere Probleme. Heukemes nimmt es locker: „Das Schwimmen ist die kürzeste Distanz, das schafft man immer irgendwie.“ Ohne Pause legte der Profi die Distanzen der jeweiligen Disziplinen in neun Tagen zurück und erreichte damit Platz fünf.

Gezweifelt habe Heukemes an seinen Vorhaben nie. Sein Motto lautet: „Wer zweifelt, will nicht, und wer nicht will, zweifelt.“ Darüber hinaus sei für ihn entscheidend, sich nur an eigenen Grenzen zu orientieren und diese zu sprengen: „Ich mach das für mich und niemand anderen.“ Ans Aufhören denkt Heukemes noch lange nicht. Auch dieses Jahr nahm sich der Extremsportler wieder Großes vor, diesmal auf dem Rad. Da könne er sich noch, anders als beim Laufen, so richtig pushen, betont der bald 72-Jährige.

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