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Abpfiff! Bayern-Macher Uli Hoeneß tritt ab
Am Freitag zieht sich Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München zurück. Das ist ein epochaler Einschnitt.
Der 67-Jährige hat die Bayern einem der bedeutendesten Verein der Welt gemacht. Von Udo Schöpfer
München. Wer ruft denn nun künftig sonntags beim „Doppelpass“ in Sport 1 an, wenn ihm etwas nicht passt? Wer beruft nun denkwürdige Pressekonferenzen ein, vorzugsweise mit dem Schwerpunkt Grundgesetz, Artikel 1, wenn der FC Bayern sich ungerecht kritisiert fühlt? Wer sitzt denn ab jetzt neben Teresa Enke in Hannover auf dem Podium, wenn es um das Thema Depression geht?
Der Wächter
Uli Hoeneß hat kein Präsidenten-Amt mehr, und er hat sich auch als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgezogen, wenn er am späten Freitagabend aus der Olympia-Halle geht, aber natürlich wird er sich weiter einmischen. „Ich werde den Verein wie eine Glucke bewachen“, kündigte der Weltmeister von 1974 an.
Und doch: Uli Hoeneß wird fehlen, die Einwürfe aus der Abteilung Attacke werden weniger werden. Wer Uli Hoeneß am Samstagabend in der Allianz-Arena betrachtete, sah einen Macher, der mit sich im Reinen ist, einen Macher, bei dem die Mitgliederversammlung bereits da heftige Gefühle auslöste. Hoeneß an jenem Samstag, beschwingt vom 4:0 gegen Borussia Dortmund, war emotional, wehmütig und stolz. „Schauen sie da nach draußen, die Arena, alles bezahlt“, sagte der 67-Jährige. Er erklärte. „Ich habe den Verein als kleinen Fußballverein übernommen. Wir hatten damals 8.000 Mitglieder. Ich übergebe jetzt einen Weltklub mit einem unglaublichen Stadion. Jetzt haben wir 300.000 Mitglieder. Wir hatten 12 Millionen Mark Umsatz, jetzt haben wir 750 Millionen Euro. Wir hatten 20 Mitarbeiter, jetzt haben wir über 1.000. Da habe ich schon großen Anteil.“
Fabelhafte Karriere
Der Sohn des Ulmer Metzgermeisters Erwin Hoeneß und dessen Ehefrau Paula legte eine fabelhafte Karriere hin, wie sie es so in der Bundesliga vermutlich nicht mehr geben wird. Hoeneß war ein flinker Stürmer, holte als Spieler schon mit dem FC Bayern Titel um Titel. Eine Knieverletzung stoppte ihn früh. Er wechselte mit 27 Jahren ins Management des Vereins, die ersten Tage und Wochen waren abenteuerlich bei dem verschuldeten Klub. Mit Karl-Heinz Rummenigge an seiner Seite machte er die Bayern zu einem der größten Fußball-Klubs der Welt, Jahr für Jahr vermeldet die Pressestelle neue Umsatzrekorde. Dass er leicht verletzt 1982 einen Flugzeugabsturz als einziger überlebte, brachte ihm den Ruf eines Sonntagskindes ein. Legendär war, wie er dereinst die Kokain-Affäre mit Christoph Daum ins Rollen brachte. Ebenfalls legendär, wie er im Sportstudio seinen Trainer Jupp Heynckes gegen den Kölner Coach Christoph Daum verteidigte.
Versöhnt mit Daum
Christoph Daum, der frühere Bremer Manager Willi Lemke, der zuweilen seltsame Louis van Gaal, der bei Bayern unglücklich operierende Jürgen Klinsmann und Dortmunds Hans-Joachim Watzke gelten als die großen Widersacher und Gegenspieler von Hoeneß. Welch tolle Idee: Im jüngsten Bayern-Magazin zum Spiel gegen Borussia Dortmund kamen sie alle noch einmal zu Wort. Auch mit Daum hat er seinen Frieden gemacht, Daum dankt ihm für ein „sehr persönliches“ Gespräch. „Du warst nie artig, aber stets einzigartig“, schrieb Daum.
Hoeneß büßte „den größten Fehler meines Lebens“ mit einer Gefängnisstrafe. Die Strafkammer des Münchner Landgerichts sprach Hoeneß der Steuerhinterziehung in sieben Fällen in Höhe von 28,5 Millionen Euro für schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Am 2. Juni 2014 trat er seine Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg an. Am 18. Januar 2016 wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. 5500 Briefe bekam er ins Gefängnis ...
Er liebt den Tegernsee
Nach dem Motto „Das war es noch nicht“ trat er wieder als Präsidentschaftskandidat an – und wurde im November 2016 erneut gewählt. Die Jahreshauptversammlung 2018 mit Kritik und Buhrufen der Fans war der Anstoß für seinen Rückzug. Herbert Hainer übernimmt.
Und nun? In New York war Hoeneß kürzlich, eine Reise nach Neuseeland und Australien würde ihn reizen, Asien reizt. Am schönsten ist es für ihn am Tegernsee. Seien wir sicher: Aus der Abteilung Ruhestand wird das eine oder andere zu hören sein, wenn sein FC Bayern in die Bredouille gerät.