Fußball
1. FC Kaiserslautern stimmt vor Ligastart leise Töne an
Die Wünsche beim 1. FC Kaiserslautern sind bescheiden. An diesem Sonntag beginnt für den FCK die neue Saison in der Zweiten Fußball-Bundesliga mit dem Spiel am Sonntag beim SSV Ulm (13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). Es ist die dritte Spielzeit nach dem Aufstieg aus der Dritten Liga. Nach einer sorgenfreien ersten Zweitliga-Saison unter Trainer Dirk Schuster folgte eine turbulente zweite Saison. Erst am vorletzten Spieltag war sicher, dass der FCK nicht absteigen wird. Wochen und Monate zuvor zitterte der Klub um den Klassenverbleib. Die Angst ging um, es herrschte etwas Panik. Trainer Dirk Schuster und Assistent Sascha Franz wurden gefeuert. Die Suche nach einem Nachfolger entpuppte sich als schwierig. Die Wahl fiel auf Dimitrios Grammozis. Bis heute ist nicht geklärt, ob der Grieche tatsächlich die Wunschlösung war. Wochen später sollte sich herausstellen, dass Grammozis ein Fehlgriff war. Nach der Niederlage zu Hause gegen den SC Paderborn kochte das Fritz-Walter-Stadion und brüllte „Grammozis-raus“.
Der FCK stand vor der Klippe und blickte in den Abgrund namens Dritte Liga. Doch dann kam Friedhelm Funkel. Er war Wunschkandidat diverser Mitglieder aus den Gremien. Funkel war erfahren und gestählt, was den Abstiegskampf angeht. Der Grandseigneur des deutschen Fußballs rettete den FCK vor dem Abstieg und führte den Klub ins Pokalfinale.
Kritik zwischen den Zeilen
Es war keine glanzvolle Saison, obwohl beim FCK der eine oder andere Funktionsträger von einer guten Runde spricht. Der Einzug ins DFB-Pokalfinale und der damit verbundene Geldregen ließen die verkorkste Zweitliga-Saison etwas erfolgreicher aussehen. Die Missstände in der Mannschaft aber verdeckte das Pokalmärchen nicht. Friedhelm Funkel hatte seinen Vertrauten im Verein schonungslos offenbart, was alles schiefgelaufen war und behoben werden müsse, wolle der FCK wieder erfolgreichere Zeiten erleben. Öffentlich äußerte sich Funkel diplomatischer. Beim Empfang auf dem Kaiserslauterer Stiftsplatz nach dem DFB-Pokalfinale versteckte sich die Kritik zwischen den Zeilen.
Aber Thomas Hengen, der Geschäftsführer des FCK, hatte die Unruhe im Klub mitbekommen. Mit aller Besonnenheit hatte er Markus Anfang als neuen Trainer verpflichtet. Anfang ist ein Coach, der eine klare Linie verfolgt, der seinen Weg geht. Der 50 Jahre alte Anfang ist ein Verfechter jener Spielidee, die Hengen gerne auf dem Betzenberg sehen will: Ballbesitz-Fußball, agieren statt reagieren. Das hat Anfang seit seinem Amtsantritt immer wieder trainieren lassen. Er will, dass die Mannschaft Fußball spielt, Lösungen erarbeitet. „Die Jungs sollen auf dem Platz laut sein, viel reden“, sagt Anfang.
Kommunikation gefragt
Das ist für einige Spieler neu. „Unsere Teamstruktur ist so, dass es nicht den einen Lautsprecher gibt, den es früher gab und der alles kommentierte“, sagt der neue Kapitän Marlon Ritter in einem Interview: „Wir haben aber trotzdem eine Mannschaft, die reden kann, wenn es darauf ankommt, die sich gegenseitig Kommandos gibt oder die sich gegenseitig aufrichtet, wenn mal ein Fehler passiert ist. In der Vorbereitung ist es sowieso immer noch mal ein Stück weit etwas anderes, aber wenn es dann wieder in den Ligaspielbetrieb geht, wird sich zeigen, dass wir genügend Spieler auf dem Feld haben, die auch mal etwas sagen.“
Am Sonntag in Ulm wird viel Kommunikation gefragt sein. Denn Markus Anfang erwartet einen Aufsteiger, der nur so vor Selbstvertrauen strotzt. Für den FCK sei es jedenfalls keine leichte Aufgabe, zum Saisonstart beim SSV Ulm in die Saison zu starten, sagt der Coach.
Bescheidenheit ist Trumpf
Dabei ist ein guter Start wichtig. Der FCK hat gleich in der ersten Zweitliga-Saison mit Dirk Schuster gezeigt, was ein guter Beginn bewirkt. Der 2:1-Auftaktsieg gegen Hannover 96 gab dem FCK den Glauben, in dieser neuen Liga mithalten zu können. Nach der Vorrunde war der FCK Vierter. Markus Anfang gibt sich bescheiden, gar demütig. Er hat kein Saisonziel formuliert, sagte er am Freitag. „Wir wollen uns weiterentwickeln und besser werden“, betont Anfang. Allerdings wisse er auch, dass Profifußball ein ergebnisorientierter Sport sei. Anfang wird früher oder später daher an Resultaten gemessen, weniger an den einzelnen Fortschritten bei seinem kickenden Personal.
Marlon Ritter sagte noch nach dem Testspielsieg gegen 1860 München vor einer Woche, dass er als neuer Kapitän sich mit der Mannschaft zusammensetzen werde, um ein Saisonziel zu formulieren. Nun sagte Ritter: „Wir haben uns als Mannschaft noch kein Ziel gesetzt. Aber wenn ich sage, dass wir uns alle eine sorgenfreie Saison mit dem Minimalziel Klassenerhalt wünschen, dann verrate ich wohl nicht zu viel.“ Beim FCK sind die Wünsche bescheidener geworden.
