Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel 1. FC Köln feuert Sportchef Heldt – auf Jubel folgt weiterer Umbruch

Nach Relegationserfolg gefeuert: FC-Sportchef Horst Heldt.
Nach Relegationserfolg gefeuert: FC-Sportchef Horst Heldt.

Ungeachtet des 5:1 (4:1) im Relegationsrückspiel am Samstag bei Holstein Kiel hat der 1. FC Köln am Sonntag Sport-Geschäftsführer Horst Heldt (51) freigestellt. Es ist die Konsequenz aus einer Zittersaison.

Es sei, teilte die Vereinsspitze mit, „eine Neuausrichtung erforderlich“. „Wir wissen, wie sehr er unseren Verein im Herzen trägt – entsprechend ist uns der Schritt nicht leichtgefallen. Aber wir können mit der Zusammenstellung des Kaders und der sportlichen Entwicklung in der abgelaufenen Saison nicht zufrieden sein“, kommentierte FC-Präsident Werner Wolf die Trennung vom eigentlich bis 2023 gebundenen Heldt. Ganz unerwartet kam dieser Schritt nicht.

Heldt steht seit geraumer Zeit besonders in der Kritik. Unabhängig vom finalen Offensivfeuerwerk gegen die nach elf Spielen in 37 Tagen völlig ausgelaugten Kieler wird dem gebürtigen Rheinländer vor allem angelastet, nach dem ablösefreien Wechsel von Simon Terodde nach Hamburg und dem Verkauf von Jhon Cordoba an Hertha BSC im Angriff keine leistungsstarken Ergänzungen zu dem verletzungsanfälligen Schweden Sebastian Andersson an Land gezogen zu haben.

Funkels Belohnung

Derweil hatte Trainer Friedhelm Funkel von der Belohnung für seine erfolgreich abgeschlossene kurzzeitige Rettungsmission nach dem Sieg in Kiel klare Vorstellungen. „Ich werde wohl mit Freunden – draußen und mit genügend Abstand – eine oder zwei Flaschen Wein trinken, lecker essen und das genießen, was wir in Köln gerade zusammen erreicht haben“, kündigte der 67-Jährige coronakonform an.

Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad im Rheinland spielten dem bärtigen Übungsleiter bei seiner Rückkehr in den Ruhestand in die Karten. Das 5:1 zum Schluss irgendwie symbolisch für die Kölner Saison. „Immer wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen“, rekapitulierte Kapitän Jonas Hector, „haben wir solche Spiele abgeliefert wie heute.“

Tatendurstiger Nachfolger

Allerdings wird sich einiges ändern müssen. Die wegen der Corona-Pandemie fehlenden Zuschauer seien für den Effzeh ein größeres Handicap gewesen als für andere Klubs, präsentierte Horn eine Erklärung für die zurückliegende Zittersaison. Auch die langen Fehlzeiten wichtiger Akteure wie Hector, Florian Kainz oder des von Union Berlin geholten Andersson wogen schwer. Doch solche Verletzungsnöte sind kein Kölner Alleinstellungsmerkmal – und die Gründe, warum der emotionsbeladene Verein den siebten Bundesliga-Abstieg erst in der Relegation abwenden konnte, sind vielschichtig.

„Wir haben einige knifflige Aufgaben zu lösen, aber das ist ja auch der Reiz“, erklärt der von der zweiten in die erste Liga aufgestiegene Steffen Baumgart, Funkels Nachfolger, da erst mal tatendurstig. Bei der Sturmbesetzung etwa dürfte der künftige FC-Coach fest mit dem einstigen Kölner Torhelden Anthony Modeste planen, der zuletzt nach Saint-Étienne entliehen war, die Saison wegen einer Adduktorenoperation vorzeitig beenden musste.

Bangen um Leistungsträger

Schwierig bleibt auch die finanzielle Lage des Klubs. Die Corona-Krise bescherte dem FC einen Umsatzverlust von über 60 Millionen Euro. Leistungsträger wie Ellyes Skhiri oder Sebastiaan Bornauw dürften bei lukrativen Angeboten kaum zu halten sein.

Friedhelm Funkel verkniff sich Ratschläge an die Macher, sagte aber schon: „Es kann gut sein, dass ich mit den Leuten dort in Kontakt bleibe. Ich glaube, dass ich in den letzten sieben Wochen mit meiner Erfahrung doch einiges gesehen, erlebt und gespürt habe, was möglicherweise anders gemacht werden muss.“

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