Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Geforderter Impf-Vorrang für Fußballprofis: Ein Eigentor

Markige Worte: Bayernboss Karl-Heinz Rummenigge.
Markige Worte: Bayernboss Karl-Heinz Rummenigge.

Ein Impf-Vorrang für Fußballprofis hat keine Vorbildfunktion, sondern wäre Eigennutz.

Karl-Heinz Rummenigge muss auf dem extralangen („Skandal“-)Flug von Berlin nach Katar ziemlich gut geschlafen und noch besser geträumt haben. Anschließend erzählte der Vorstandsboss des FC Bayern München nämlich eine lustige Geschichte, die sich leicht ins Reich der Fantasien verorten lässt und so klingt: Würden Fußballprofis früher als geplant gegen das Coronavirus geimpft werden, könnten sie als Vorbilder für die Gesellschaft dienen. Vielleicht stellte sich Rummenigge (Foto) dabei noch ein paar öffentlichkeitswirksame Bilder vor: breit grinsende Spieler mit der Nadel im muskulösen Oberarm in sämtlichen sozialen Netzwerken. Haha.

Vorbild für wen?

Der Vorstoß Rummenigges hat dabei wenig bis nichts mit Vorbildfunktion zu tun, sondern mehr mit Doppelmoral und Eigennutz, damit nicht mehr ständig Spieler wegen positiver Tests in Quarantäne ausharren müssen und der Betrieb nicht zusammenbricht. Denn für wen sollten die Fußballer Vorbild sein? Wo doch die Impfbereitschaft in der Bevölkerung gerade stetig steigt und derzeit bei 64 Prozent liegt. Viele Menschen wollen sich ja impfen lassen – sind aber noch längst nicht an der Reihe. Außerdem fehlt der Impfstoff. Es ist daher in mehrfacher Hinsicht unangemessen, unüberlegt, unmoralisch und unsozial, dem kickenden Personal der besten deutschen Fußballvereine einen Vorrang zu gewähren. Es würde weiter das Bild von den privilegierten Profis untermalen. Die mit der Extrawurst. Die, die schon seit Monaten inmitten härtester Pandemie-Beschränkungen einen Sonderstatus genießen, der vielen anderen verwehrt bleibt.

Die Reihenfolge der Impfpriorität ist nicht von Sportfunktionären infrage zu stellen. Gewisse Regeln gelten einfach für alle – auch den FC Bayern. Das müssen Teile der herrschaftlichen Führungsriege in München noch lernen. Es geht darum, eine Pandemie zu bekämpfen und nicht um Vorzüge für Einzelpersonen. Es geht um Realitäten und nicht um Träumereien.

Glaubwürdiger wären andere Ideen aus der Bundesligablase: zum Beispiel Banden- und Trikotwerbung fürs Impfen oder Geldspenden für die Forschung.

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