Anstoss
Domenico Tedescos überraschende Berufung
Am Mittwoch war die Personalie dann perfekt. Domenico Tedesco (Bild) ist neuer Nationaltrainer der belgischen Fußball-Auswahl. Nach Stationen bei RB Leipzig, Spartak Moskau, Schalke 04 und am Anfang bei Erzgebirge Aue ist Belgien das erste Engagement für ihn als Nationaltrainer. Er folgt auf den Spanier Roberto Martinez. Ein bisschen überraschend ist das schon: Denn Tedesco geleitete RB Leipzig als Nachfolger von Jesse Marsch zwar aus dem Schlamassel, holte den DFB-Pokalsieg, aber eine richtige Weiterentwicklung war danach nicht zusehen. Im September kam für ihn dort der Schlusspfiff. Was in Leipzig möglich ist, demonstrierte Marco Rose. Aber das ist ein anderes Thema.
Belgien bleibt sich treu
Belgien blieb sich auf jeden Fall treu – und holte nach dem Spanier Martinez wieder einen Nicht-Belgier als Nationaltrainer. Obwohl Martinez es nicht schaffte, mit der Goldenen Generation der Belgier um Kevin De Bruyne, Eden Hazard, Thibaut Courtois und Romelu Lukaku einen Titel zu holen, in Katar sogar in der Gruppenphase ausschied, bekam er den Zuschlag als Coach von Portugal. Ist das nicht seltsam?
Eher die Ausnahme
Tedesco und Martinez – im europäischen Fußball ist nach wie vor eher die Ausnahme, dass ein Trainer nicht aus dem Land kommt, das er anleitet. Gut, deutsche Trainer versuchen sich in Österreich. Den größten Erfolg verbuchte Otto Rehhagel, als er Außenseiter Griechenland im Jahr 2004 zum EM-Titel lotste. Ein konträres Beispiel: Sven-Göran Eriksson war erster ausländischer Trainer der englischen Nationalelf – und kam mit dem Team bei drei Turnieren maximal bis zum Viertelfinale.
Beim DFB eher nicht vorstellbar
Hansi Flick macht trotz der enttäuschenden WM in Katar als Bundestrainer weiter. Ist ein ausländischer Coach hierzulande als wichtigster Trainer beim Deutschen Fußball-Bund in naher Zukunft vorstellbar? Ein Pep Guardiola? Ein Carlo Ancelotti? Eher nicht. Das passt so überhaupt nicht zum Selbstverständnis des DFB. Zumal es noch einen gewissen Jürgen Klopp gibt, der ja nicht abgeneigt scheint, irgendwann mal als Bundestrainer zu arbeiten.