Kommentar
Debatte um Rückkehr von DFB-Altstars: Es bringt nichts
Es gibt noch immer kein längeres Interview mit dem Bundestrainer, bei dem Joachim Löw nicht zu Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller Stellung nehmen muss. Reporter wollen wissen, ob es denn eine Möglichkeit für die Rückkehr der Weltmeister gibt, denn die Drei sind derzeit in bestechender Form. Boateng war als Innenverteidiger auf dem Weg zum Champions-League-Titel des FC Bayern überragend, Mats Hummels ist auch bei Borussia Dortmund der beste Abwehrspieler der Bundesliga, und Thomas Müller ist unberechenbar wie eh und je. Deswegen taucht die Frage nach dem Comeback immer wieder auf, zumal die verjüngte deutsche Elf seit September selten überzeugte. Anfang März 2019 beendete Löw die Nationalmannschaftskarriere der erfolgreichen Haudegen bei einem Besuch in München.
Entscheidung nach schwacher WM
Er tat dies vor dem Hintergrund der schwachen Leistungen bei der WM 2018 und dem enttäuschenden 2:2 nach 2:0-Führung gegen die Niederlande im November. Er ließ sich dreieinhalb Monate Zeit. Das sorgte auch beim FC Bayern für Irritationen. Die Bayern waren damals in einer entscheidenden Phase der Saison, hatten unter anderem das Champions-League-Rückspiel gegen Liverpool vor sich und befürchteten Unruhe. Mehr als 50 Prozent der Bürger fanden bei einer Umfrage den Schritt damals richtig.
Löw wollte Verjüngungskur
Der Löw’sche Absolutismus war diskutabel. Sein Thema hieß: mehr Geschwindigkeit im Spiel. Und sein übergreifendes Ziel war erkennbar. Er wollte eine Verjüngungskur, er wollte den Neuaufbau vorantreiben, den jungen Spielern mehr Raum geben. Auch außerhalb des Platzes. Er wollte eine neue Hierarchie ausbauen. Die nächste Generation sollte Verantwortung übernehmen. Die drei Weltmeister waren sehr dominant in ihrem Auftreten.
Bundestrainer kann nicht mehr zurück
Jetzt kann der Bundestrainer nicht mehr zurück. Er würde sein Gesicht verlieren. Er würde unglaubwürdig werden. Er würde einen Teil seiner Mannschaft verlieren. Er würde gerade die Spieler verlieren, für deren Entwicklung er sich seit zwei Jahren stark macht. Er würde der Mannschaft zeigen: Wir vertrauen euch nicht, wir glauben, es reicht so nicht bei der Europameisterschaft. Diese Rolle rückwärts kann sich Löw ein halbes Jahr vor dem Turnier nicht erlauben. Die junge Elf verdient Rückendeckung. Die Diskussion muss aufhören. Und Robin Koch hat es doch prima gemacht am Mittwoch gegen Tschechien.