FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Betze-Krimi-Autor Udo Röbel: „Dritte Liga tut mir in der Seele weh“

Journalist und Autor Udo Röbel.
Journalist und Autor Udo Röbel.

Der Autor und Journalist Udo Röbel schreibt in „Abpfiff - der Betzenberg-Krimi“ über einen Journalisten, der dem Tod eines Schiedsrichters nachgeht. Im Interview spricht der 70-jährige ehemalige BILD-Chef über abergläubische Fußballfans und die Anziehungskraft des FCK.

Herr Röbel, Sie wohnen mittlerweile in Hamburg. Wie kommt man denn an der Waterkant auf die Idee, ausgerechnet einen Betze-Krimi zu schreiben?
Wie das halt so ist, gehe ich mit der Idee eigentlich schon seit ein paar Jahren schwanger. Meine letzten drei Bücher waren ja eher Thriller und ich wollte mal was anderes schreiben. Aber dann dauert es natürlich immer noch eine Weile, bis man etwas zu Papier bringt.

Und warum über den FCK?
Die spielen in der dritten Liga, das tut mir als Pfälzer schon in der Seele weh. Aber gleichzeitig gibt es da diese unglaubliche Leidenschaft bei den Fans. Die fahren mit 2000 Leuten zum Auswärtsspiel nach Meppen. Und irgendwie berührt das mein Herz. Diese Leidenschaft wollte ich ein bisschen zum Leser transportieren.

Der FCK hat auch bundesweit hohe Sympathiewerte. Wie erklären Sie sich das?
Das hat bestimmt viele Gründe, am präsentesten ist außerhalb der Pfalz wohl die Geschichte vom Aufsteiger, der die Bayern vom Platz fegt und dann Meister wird. Ich denke, das finden viele Menschen sympathischer als einen Verein, der alle dominiert.

Ihre Geschichte handelt von Feldkamp, einem alternden Journalisten, der seine Pfälzer Heimat besucht und dabei auf eine Geschichte stößt. Waren die autobiografischen Züge von Anfang an geplant?
Ja, das war relativ schnell klar. Auch, dass es so ein bisschen eine Hommage an diese bekloppt abergläubischen Fans wie mich sein soll. Schwieriger war es eher, die richtige Erzählform zu finden. Das Buch ist ja nicht in der Ich-Form geschrieben, sondern es gibt einen Erzähler, der auch den Feldkamp interpretiert und einordnet oder die Pfälzer Besonderheiten erklärt.

Für den abergläubischen Feldkamp kann selbst die Auswahl des richtigen Urinals ein Orakel für Sieg und Niederlage des FCK sein. Wie viel Udo Röbel steckt da in der Figur?
Der ist, was das betrifft, eins zu eins Röbel. Da ist nichts erfunden. Und das hat sich genauso entwickelt, wie im Buch beschrieben. Ein kopfbedingter Reflex, würden Psychologen wohl dazu sagen.

Feldkamp zweifelt nach einer Rechtsgüterabwägung immer wieder, ob er die Geschichte des toten Schiedsrichters in die Zeitung bringen soll. Warum war es Ihnen wichtig, auch diese Seite des Berufs zu zeigen?
Weil es der Realität entspricht. Er findet ja bei seiner Recherche unheimlich viel heraus, kann es aber nicht schreiben. Erstens, weil der Beteiligte tot ist und zweitens, weil er es nicht beweisen kann. Und ich fand wichtig, dem Leser diesen Aspekt des Berufes zu erklären.

Ist dieses Erklären eine Berufskrankheit, wenn man als Journalist Bücher schreibt?
Es ist schwer sich da von seinem journalistischen Denken zu verabschieden. Für meinen letzten Thriller, der in der NS-Zeit spielt, habe ich drei Jahre recherchiert. Und da habe ich mich zum Beispiel mit so Detailfragen aufgehalten wie: „Waren die Sitzpolster in Himmlers Salonwagen nun grün oder braun?“ Mit dem Ergebnis, dass ich dann eine kleine Bibliothek über diese Zeit in meinen Bücherregalen stehen hatte, was meine Frau nicht mehr so witzig fand. Aber da hatte ich einfach den Ehrgeiz, dass mir als ehemaligem Bild-Chef niemand nachsagen kann, ich hätte hier oder da geschludert.

Ihre Hauptfigur sorgt sich um den Schutz der Privatsphäre eines Toten. Waren das Dinge, über die man sich in Ihren ersten Jahren als Journalist Gedanken gemacht hat?
Eher weniger, wir sind ja auch ganz anders sozialisiert worden. Damals war auch die Medienlandschaft in Deutschland noch eine andere. Immer möglichst nah ran an die Geschichte, das war unser Ziel. Da wurden ja auch noch Bilder gedruckt, etwa verhaftete RAF-Terroristen in Unterhose, die würde man heute gar nicht mehr zeigen.

Ihr Verhalten während der Geiselnahme von Gladbeck hat ein Umdenken im deutschen Journalismus eingeleitet, bis vor kurzem waren Sie noch in der Branche tätig. Sind wir als Medien in Deutschland auf einem guten Weg?
Ich denke schon, so eine Situation wie damals in Köln ist heute undenkbar. Und bis auf wenige Ausnahmen halten sich heute auch alle an die Spielregeln, was zum Beispiel Unkenntlichmachung angeht. Wenn der Leser mit zwei Klicks das unbearbeitete Foto oder Video irgendwo im Internet finden kann, ist der Sache allerdings auch nicht geholfen.

Heute leben Sie in Hamburg, haben aber Familie in der Region. Was ist für Sie eigentlich typisch Pfälzisch? Sie dürfen nicht Schorle oder Saumagen sagen.
Na dann das Lewwerworschdebrod natürlich! (lacht) Nein, es ist die märchenhafte Landschaft, der Menschenschlag – und der Dialekt, der vieles einfach viel besser und menschlicher auf den Punkt bringt als das Schriftdeutsche. Wenn ich in die Pfalz komme, fange ich deshalb automatisch an zu babbeln. Und ja: Als ich jung war, war mir das alles zu eng und provinziell hier. Aber jetzt bin ich 70. Und vielleicht braucht es auch ein gewisses Alter, in dem man sich seiner Wurzeln bewusst wird. Die Pfalz ist, wo ich herkomme und geprägt wurde. Sie ist Teil meiner Identität.

Den Betze-Krimi „Abpfiff“ finden Sie hier.

Zur Person

Udo Röbel, geboren 1950 in Neustadt an der Weinstraße, ist Journalist und Autor. Der ehemalige RHEINPFALZ-Volontär wurde später in die Chefredaktion des Kölner „Express“ und an die Spitze der BILD-Zeitung berufen. Für seine Rolle in der sogenannten Kießling-Affäre wurde er mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse ausgezeichnet. 1988 stieg er bei der Geiselnahme von Gladbeck zu Entführern und Geiseln ins Auto. Das Verhalten der Medien während der Geiselnahme führte zu einer Erweiterung der Richtlinien im Pressekodex. Heute lebt Röbel in Hamburg und Berlin.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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