Entwicklung RHEINPFALZ Plus Artikel Tipps für einen guten Kita-Start

Beim Übergang in den Kindergarten sind Geduld, Zeit und eine klare Haltung gefragt.
Beim Übergang in den Kindergarten sind Geduld, Zeit und eine klare Haltung gefragt.

Aufregung, Unruhe und Angst. Eltern können viel dafür tun, dass sich ihr Kind gut und entspannt in der Kita eingewöhnt. Von Sigrid Schulze

Bald ist es so weit: erster Tag in der Kita. Völlig klar, dass da neben Neugierde auch ein bisschen Unsicherheit und Angst ins Spiel kommen. Schließlich können sich Kinder unter einer Kita noch wenig vorstellen. Diese Erfahrung haben die Autorin Fabienne Hesse und Herausgeberin Martina Zemp in ihrem Berufsalltag als Psychologinnen gemacht. In ihrem Buch „Mika und Asa gehen in die Kita“ haben sie deshalb zahlreiche Tipps gesammelt, die Eltern zeigen, wie sie den Eintritt in die Kita so feinfühlig wie möglich gestalten können.

Vor dem Eintritt

Bevor es losgeht, sollte man sich Zeit nehmen für die aufkommenden Fragen des Nachwuchses: Wie heißt meine Betreuerin? Kann ich dort auch Bananen essen? Wann holt Ihr mich wieder ab? Wann immer dem Kind solche Fragen auf der Seele brennen, braucht es kindgerechte Antworten. Eltern und Kind können sich auch zusammensetzen und Fragen sammeln, um sie in entspannter Atmosphäre zu klären.

Dann kann ein Glücksbringer eine gute Idee sein – etwa ein Kleidungsstück von Mama oder Papa oder ein Plüschtier. Hauptsache, es ist geeignet, dem Kind Geborgenheit zu vermitteln. Auch ein Mutbild, bei dem das Kind selbst zeichnet, was es stark macht, kann Sicherheit bieten.

Dann heißt es, Trennung üben: Gut, wenn das Kind bereits die Erfahrung gewonnen hat, dass es auch mal in anderer Umgebung ohne Mama und Papa zurechtkommt. Vielleicht lassen sich kleinere Trennungen und Übernachtungen im Verwandten- und Bekanntenkreis üben?

Beim Eingewöhnen

Wichtig ist, sich ein ausreichendes Zeitfenster für die Eingewöhnung frei zu halten: „Der Kita-Eintritt bringt große Veränderungen mit sich, die das Kind – und auch die Eltern – möglicherweise verunsichern“, sagt die Psychologin Fabienne Hesse. „Das ist völlig in Ordnung. Alle brauchen Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.“ Dabei helfen in der Kita die Eingewöhnungsprogramme wie das Berliner Modell, die in der Regel über mehrere Wochen laufen. Sie sind meist flexibel und richten sich nach den Bedürfnissen der Kinder. Das heißt konkret: Zunächst begleitet Mama oder Papa das Kind bei seinen Kita-Besuchen. Nach einem vorher abgesprochenen Zeitplan nehmen sich die Eltern nach und nach heraus. Falls das Kind zwischendurch unter Trennungsängsten leidet, geht es im Plan noch mal einen Schritt zurück. Fabienne Hesse: „Eltern sind Experten und Expertinnen für ihr Kind. Falls sie der Meinung sind, ihr Kind braucht mehr Zeit, sollen sie das auch auf jeden Fall ansprechen und gemeinsam mit dem Kita-Personal nach Lösungen suchen!“

Die Psychologin Fabienne Hesse hat sich auf die Förderung einer gesunden Entwicklung von Kindern spezialisiert.
Die Psychologin Fabienne Hesse hat sich auf die Förderung einer gesunden Entwicklung von Kindern spezialisiert.

Bei der Eingewöhnung vermittelt eine klare Haltung Sicherheit und Ruhe. Kinder spüren nämlich: Fühlt sich Mama oder Papa in der Kita wohl, dann brauche ich als Kind keine Angst haben und kann mich mit innerer Ruhe von meinen Eltern lösen. Allerdings haben Eltern nicht immer die Möglichkeit, zwischen mehreren Einrichtungen auszuwählen. „Auch eine nicht perfekte Lösung kann eine gute Lösung sein. Wichtig ist, dass Eltern darauf vertrauen können, dass es ihrem Kind in der Kita gut geht. Sie sollen dabei auch auf ihr Bauchgefühl hören“, erläutert die Buchautorin.

Eltern sollten Zuversicht haben und sie auch ausstrahlen: Optimismus stiftet Sinn. „Sogar bei einer schwierigen und langen Eingewöhnung kann ein Kind später ein begeistertes Kita-Kind werden!“, weiß Fabienne Hesse.

Nach dem Eingewöhnen

Im Alltag erleichtern Rituale den Start in den Kita-Tag: Wer den Tagesbeginn entspannt und strukturiert gestaltet, schenkt seinem Kind eine gute Portion Ruhe, von der es in der Kita zehren kann. Daher lautet die Empfehlung, früh genug aufzustehen, in Ruhe zu frühstücken, vielleicht noch eine kleine Geschichte zu lesen und für all das genügend Zeit einzuplanen! So wird das Kind positiv auf den Tag eingestimmt.

Und was kann man tun, wenn Probleme auftreten? Auch nach einer gelungenen Eingewöhnung können immer wieder kleine und große Schwierigkeiten aufkommen, für die es Lösungen zu finden gilt. „Für wichtige und große Themen wie zum Beispiel starke Trennungsängste sollten Eltern Tür-und-Angel-Gespräche vermeiden und um einen separaten Gesprächstermin bitten, um ausreichend Zeit für die Besprechung zu haben“, empfiehlt die Fachpsychologin.

Oft ist Verständnis seitens der Eltern gefragt: Ist der Zeitpunkt gekommen, das Kind aus der Kita abzuholen, reagiert es vielleicht emotional. So viele neue Eindrücke, die es zu verarbeiten gilt. Oft sind es Kleinigkeiten, die beim Kind, kaum ist der Kita-Ausgang erreicht, eine Schrei- oder Wut-Attacke auslösen. Eltern tun in diesen Fällen gut daran, geduldig zu bleiben und liebevoll auf das Kind einzugehen.

Nachgefragt: Was hilft, wenn ... ?

Frau Hesse, was hilft, wenn das Kind beim Abschied weint?Beim Abschied dürfen auch mal Tränen vorkommen, das ist völlig normal. Eltern sollen ruhig bleiben, Sicherheit ausstrahlen und die Verabschiedung liebevoll und kurz halten. Später haben sie die Möglichkeit, noch mal in der Kita nachzufragen, ob das Kind sich beruhigt hat. Wenn das Kind wiederholt stark emotional reagiert, soll im Gespräch mit den Betreuenden nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden.

... die zuständige Erzieherin oder der zuständige Erzieher nicht feinfühlig wirkt?Wenn Eltern vermuten, dass ihr Kind in der Kita von der Fachperson nicht gut aufgefangen wird, sollten sie sich ausreichend Zeit nehmen, um die Situation konkret zu beobachten. So haben sie Gelegenheit, zu einer umfassenden Einschätzung zu kommen. Mit welchem Verhalten reagiert die Fachperson auf die Bedürfnisse des Kindes? Gibt es vielleicht auch Situationen, in denen die Person wie gewünscht reagiert? In einem nächsten Schritt kann es sinnvoll sein, die Beobachtungen und auch die damit einhergehende Sorge anzusprechen. Eltern können nachfragen, aus welchen Gründen die Fachperson auf diese bestimmte Weise gehandelt hat, um das Verständnis zu vertiefen. Sie können ihre Wünsche und Anliegen formulieren, wie zukünftig in ähnlichen Situationen gehandelt werden soll. Manchmal hilft es auch, die Kita-Leitung miteinzubeziehen.

... das Kind Schwierigkeiten mit anderen Kindern hat?Das kann eine Chance für die soziale Entwicklung eines Kindes sein, zu lernen, kleinere Streitigkeiten aufzulösen. Es besteht die Möglichkeit, beispielsweise mit dem Kind zu Hause zu üben, mit Konflikten konstruktiv umzugehen. Im Rollenspiel lassen sich verschiedene Lösungsmöglichkeiten ausprobieren. Lösen sich die Probleme nicht, wiederholen sie sich häufig oder besteht ein hoher Leidensdruck, sollten Eltern in der Kita um ein Gespräch bitten.

Lektüre

Was lässt sich alles tun, um dem Kind den Übergang in die Kita leicht zu machen? Diese Frage beantworten die Fachpsychologin für Kinder und Jugendliche, Fabienne Hesse, und Martina Zemp, Professorin für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters in Wien. Nach dem Ratgeberteil für Erwachsene richtet sich eine reich bebilderte Vorlesegeschichte an die Kinder selbst. Darin lernen sie unter anderem das magische Bindungstierchen kennen, das in die Kita mitkommt und ihnen dort stets zur Seite steht! So kann sich Vorfreude entwickeln.
Fabienne Hesse und Martina Zemp: Mika und Asa gehen in die Kita, Hogrefe Verlag, 19,95 Euro.

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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