Haustiere
Hundeglück zum Schlecken: Wenn Vierbeiner auf Eis stehen
Montags ist in der Eisdiele Crema Gelato da Giacomo in München Ruhetag. Doch das begreift einer der Stammkunden von Giacomo Apadula und seiner Frau Diana nicht – es ist ein Vierbeiner. „Der große Hund, der wie ein Collie aussieht, bleibt dann vor unserer Eisdiele sitzen, wenn sein Frauchen bei uns vorbeilaufen will“, erzählt Diana Apadula. Sie wohnt mit ihrer Familie über der Eisdiele. Seit sechs Jahren verkaufen sie und ihr Mann Hundeeis zusätzlich zu ihrem Speiseeis.
Auf die Idee kam das Ehepaar durch einen Beitrag in einer monatlich erscheinenden Fachzeitschrift für Eis. Zunächst bestellten die Apadulas BelloEis aus dem Allgäu bei Christian Scaletta. Er bietet ausschließlich die Sorte Milchreis an – vegan, gluten- und zuckerfrei, wie er sagt. Es ist der Favorit ihrer vierbeinigen Kunden, erzählt Diana Apadula – noch vor dem Lachs- und Leberwursteis von Dog Gelato, einer Eismanufaktur aus Rheinland-Pfalz. Inhaber Marco Vazzola hat das 1968 gegründete Familienunternehmen im Jahr 2008 übernommen. Neben Speiseeis stellt er seit 2014 auch Hundeeis her. Auf seiner Homepage wirbt er damit, keine Saccharose, keine Laktose und keine Konservierungsstoffe zu verwenden.
Bloß nicht schlingen!
Doch wie bekömmlich ist Hundeeis? „Aus Tierschutzsicht spricht grundsätzlich nichts dagegen, Hunden gelegentlich ein Eis zu geben – solange es für Hunde verträgliche Zutaten enthält“, sagt Lisa Hoth-Zimak, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund in der Akademie für Tierschutz im bayerischen Neubiberg. Dazu zählen beispielsweise einige Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Bananen, Zucchini und Karotten. „Grundsätzlich sollte das Obst keine Kerne enthalten. Auch Sojajoghurt und -quark oder Öle wie Olivenöl eignen sich, ebenso wie Haferflocken“, meint die Fachfrau.
60 Gramm Eis beziehungsweise 90 ml sind in einem Becher bei BelloEis, 130 ml bei Dog Gelato. „Hundeeis sollte Hunden immer nur in kleinen Mengen und unter Beobachtung gegeben werden“, erklärt Hoth-Zimak. Wichtig sei, dass das Tier das Eis nicht zu hastig frisst oder gar hinunterschlingt. Das könne zu Bauchschmerzen führen. Um das zu verhindern, könne die gefrorene Masse in ein Hundespielzeug wie einen Kong gefüllt werden. Dann ist der Vierbeiner auch längere Zeit beschäftigt.
Rezepte für das Hundeeis verbreiten sich
„Alle Hunde essen gerne Eis“, meint Diana Apadula. Ihr Angebot habe sich herumgesprochen, auch wenn an diesem Tag bislang kein Hundebesitzer vorbeigekommen ist. Carolina Lins, die in der Nachbarschaft wohnt und sich ein Eis kauft, hätte es ihrem mittlerweile verstorbenen Yorkshire auch gegeben. „Es wurde damals noch nicht angeboten“, sagt sie.
Seit wann der Trend zum Hundeeis geht, weiß Lisa Hoth-Zimak zwar nicht, doch manche Eisdielen bieten es bereits seit Mitte der 2010er-Jahre an, sagt sie. Besonders in heißen Sommern sei das Thema verstärkt aufgegriffen worden – auch durch soziale Medien, in denen Hundehalterinnen und Hundehalter Rezepte teilen oder Videos von ihren Hunden beim Eisschlecken posten. Ursprünglich kommt die Idee wohl aus den USA, wo Tierprodukte schon länger stark vermarktet und individualisiert werden. Dazu zählt auch Eis speziell für Hunde.
Brigitte Veiz, die ihre psychologische Praxis im Haus der Eisdiele hat und sich einen Kaffee bestellt, findet Hundeeis witzig. Der Hund sei ein Familienmitglied, oft auch Ersatzpartner oder Ersatzkind. Und da sei es nicht verwunderlich, dass man seinem Familienmitglied etwas Gutes tun und den Eisgenuss mit ihm teilen möchte. „Das letzte Kind hat vier Beine“, meint sie.
Leute, die ihren Hund lieben, geben ihm auch Eis.“ Das ist die Erfahrung von Franco Martini von der Münchner Eisdiele Riviera. Er produziert sein eigenes Speiseeis und bezieht das Hundeeis „Frid’s Dog Ice“ von einem Frankfurter Hersteller, den er persönlich kennt. Ein Plakat für die Sorte Joghurt & Schwarze Karotte hängt am Eingang seines Eisladens. Er verkauft es für 2,90 Euro – doch Werbung braucht er mittlerweile kaum noch. Es spricht sich herum. „Die meisten, die einmal da waren, kommen wieder“, sagt er. Fünf bis sechs 70-Gramm-Portionen im Becher verkauft er bei schönem Wetter, doch heute ist es durchwachsen, auf der Terrasse sitzen kaum Gäste. Anja Mayer kauft sich ein Eis auf die Hand. Ihr Mischlingshund ist im Februar gestorben. „Mein Hund hätte sich gefreut, wenn er ein Hundeeis gekriegt hätte – aber in Stade gibt es leider keines“, sagt die Touristin.
Eis ersetzt keine Mahlzeit
Wie beim Menschen sollte auch beim Hund der Eisgenuss ein kleiner Snack für zwischendurch sein: „Wichtig ist, dass Hundeeis keine vollwertige Mahlzeit ersetzt und nur in kleinen Mengen gefüttert wird. Wenn das Eis täglich gegeben werden soll, kann es sinnvoll sein, die normale Futterration nach Rücksprache mit einem auf Ernährung spezialisierten Tierarzt entsprechend anzupassen“, rät Hoth-Zimak. Eisdielenbesitzer Martini gibt seinem Pudel-Yorkshire-Mischling Peppe zweimal die Woche Hundeeis. „Wenn er den Becher sieht, weiß er schon Bescheid“, erzählt er.
Auch Dianas American Bully Zeus ist total verrückt danach. Nachdem an diesem Tag kein Kunde nach Hundeeis fragt, holt sie Zeus aus der Wohnung und öffnet im Garten hinter der Eisdiele einen Becher Milchreiseis. Er kann es kaum erwarten, bis sie ihm seine Lieblingseissorte hinhält. Genüsslich fährt er mit der Zunge über das kühle Nass und schlabbert den Becher aus.
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.