Leben RHEINPFALZ Plus Artikel Die erste Zeichnerin von Pumuckl

Hurra, Hurra der Pumuckl ist wieder da!
Hurra, Hurra der Pumuckl ist wieder da!

Barbara von Johnson hat im Jahr 1963 den Wettbewerb zur Visualisierung des frechen Kobolds Pumuckl gewonnen. Ein Hausbesuch in München-Schwabing.

Barbara von Johnson steht in der ersten Etage in ihrem Haus inmitten ihrer Kunst. Ihre Werke sind zahlreich, es gibt sie mit, aber (oft) eben auch ohne Pumuckl. Die 81-Jährige ist dabei, Exponate für Ausstellungen vorzubereiten und hält sich mit Eigenlob nicht zurück. „Ich bin erschüttert, wie viel ich in meinem Leben geschaffen habe und wie gut ich bin“, sagt die Künstlerin lachend und mit einem Augenzwinkern.

Pumuckl – wer kennt ihn nicht? Der kleine, freche, rothaarige Kobold aus München, der bei Meister Eder wohnt und nicht nur Kinder zum Lachen bringt. Dieser kleine Frechdachs begleitet Barbara von Johnson nun schon seit 60 Jahren, sie hat ihn quasi sichtbar gemacht. 1963 gewann sie den Wettbewerb zur Visualisierung des Kobolds. Von Johnson machte damals eine Ausbildung an der Akademie für das Grafische Gewerbe in München. Die Schriftstellerin Ellis Kaut suchte jemanden, der ihre Geschichte von „Meister Eder und sein Pumuckl“ illustrierte.

Beim Zeichnen saß der Pumuckl auf ihrer Schulter

Bei dem Besuch bei ihr zu Hause holt von Johnson einen der vielen Ordner aus dem Regal. Sie nimmt eine Originalfederzeichnung aus einer Hülle heraus. Sie erzählt, wie der Pumuckl zu ihr kam und das klingt wahrlich ein bisschen magisch: „Er saß mir förmlich auf der Schulter und flüsterte mir zu, wie er aussehen wollte.“ Innerhalb von einer halben Stunde war er auf Papier sichtbar geworden. Die Figur habe persönliche Dinge von ihr mitbekommen, die sie an sich selbst nicht mochte. So seien ihre Schwächen zu Pumuckls Stärken geworden.

Unsichtbar – sichtbar – wunderbar, so sei er, der kleine Kobold. Das ist auch das Lebensmotto der Künstlerin: „Unsichtbares zu empfangen, es durchlaufen zu lassen und unten kommt es als warmes Wasser, als sichtbare Kunde heraus, um es in die Welt zu tragen, und mir und den Menschen Freude zu machen.“

Barbara von Johnson nahm als junges Mädchen an der Sommerakademie in Salzburg bei dem österreichischen Maler Oskar Kokoschka Unterricht in Akt- und Aquarellmalerei. „Er war süß als Lehrer“, sagt sie heute. Doch wenn er grantig war, habe sie dies an seiner hochgezogenen Augenbraue erkannt und sei in die Toilette geflüchtet. War er gut gelaunt, habe er ein Bonbon herausgeholt, ihr den Po getätschelt und auf Dialekt gesagt: „Madl, bist brav, und fleißig musst du sein.“

Da war sie 17 Jahre alt. Es ist also schon ein paar Jahre her, und die Sache mit dem Potätscheln habe sie ihm nicht krumm genommen. Die Zeiten ändern sich eben. Heute sei ein solches Verhalten undenkbar.

Sie arbeitet von ihrem Wohnhaus aus

Den Rat von Kokoschka hat sich von Johnson trotzdem zu Herzen genommen. Sie sei brav und immer fleißig gewesen. „Arbeiten und wohnen ist für mich eins. Ich kann nicht zufrieden sein, ohne mich auszudrücken“, erklärt die 81-Jährige. Auf ihrem Wohnzimmertisch liegen Kinder- und Schulbücher, die sie als freie Grafikerin für verschiedene Verlage illustriert hat, darunter auch die Pumucklbücher. Im Treppenhaus hängen viele ihrer Collagen, Malereien und Materialbilder. Sie geht hinauf in die zweite Etage in ihr Atelier, vorbei an ihrer Himmelsleiter aus Holzsprossen, unter einem Verkehrsschild und oben einer Uhr ohne Zeiger. „Bis jetzt war mein Lebensweg eher horizontal ausgerichtet, doch jetzt bin ich auf dem Weg in die Vertikale“, sagt sie. Einige Sprossen sind aus der Leiter herausgebrochen. Das sind die Brüche des Lebens. So wie ihre Brustkrebserkrankung vor einigen Jahren. Neben einer herausgebrochenen Sprosse hängt eine Zeichnung: „Wer bist du?“. Das sei eine Selbstreflexion über ihr Leben. „Die Zeit der Jugend. Da hat man viel im Kopf. Es ist der Aufbruch in das Leben. Im Alter hat man dann viel im Hals“, sagt sie. Von Johnson zeigt eines der vielen Triptychone in ihrem Atelier. Es sind meist großflächige Aquarelle, zum Teil mit Federzeichnungen intensiviert. „Ich erzähle hier meine Lebensgeschichte, indem ich male und dichte“, sagt sie. Die Kette an ihrem Hals mit einem runden schwarzen Köpfchen baumelt dabei hin und her. „Das ist ein Nadelkissen“, erklärt sie. Sie hat es 1968 in Südafrika gekauft. Dort lebte sie zwei Jahre, um Freiheit auszuprobieren und sich der engen Beziehung zu ihrer Mutter zu entziehen. Mit ihr hat sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester im Haus ihrer Urgroßeltern gelebt. Ihr Vater war im Zweiten Weltkrieg in Italien erschossen worden, als sie zwei Jahre alt war.

Ihre drei Söhne sind ihr persönlicher Höhepunkt

Ein Mehrgenerationenhaus ist das Haus ihrer Urgroßeltern trotzdem geblieben. Hier lebt sie heute wieder und ihr persönlicher Höhepunkt im Leben sind ihre erwachsenen drei Kinder. Unten im Erdgeschoss wohnt ihr ältester Sohn mit seiner Familie. Ihre Zwillingssöhne leben allerdings beide in Hamburg. Sie geht an einen der Schubladenschränke und zieht Kunstwerke heraus. „Die gehen mit mir in die Unsichtbarkeit“, sagt sie. Und auch mit über 80 Jahren hat sie noch Pläne, Wünsche, Ziele: „Mein Traum ist es, einmal alle meine Werke im Haus der Kunst in München ausstellen zu können. Da wäre Platz für meine Biografie in Bildern“, sagt sie. Dann schiebt sie die Schublade mit den Aquarellen wieder zu und macht sie damit wieder unsichtbar. Sie lebt in einem Haus voller Kunstwerke. Dass sie den berühmten Kobold gezeichnet hat und ihm ein Gesicht gab, ist nur einer ihrer Erfolge.

Barbara von Johnson in ihrem Haus in München.
Barbara von Johnson in ihrem Haus in München.
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