Rheinland-Pfalz Ziel 3: Meditatives auf dem Rosenberg

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„Aleph“, „Beth“, „Gimel“, irgendwann sogar ein langgezogenes „Wau“: Die junge Ordensschwester formt fremd klingende Laute. In der Wallfahrtskirche auf dem Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben (Landkreis Südwestpfalz) singt sie biblische Klagelieder, deren Strophen mit hebräischen Buchstaben durchgezählt sind. Diese „Lamentationes“ gehören zu den Trauermetten in den Morgenstunden des Gründonnerstags, des Karfreitags und des Karsamstags. Denn die fröhliche Seite des Osterfests beginnt im kirchlichen Leben erst in der Nacht auf den Sonntag, vorher geht es ums Leiden und den Tod Jesu. In gewöhnlichen Pfarreien allerdings schaffen es Trauermetten nur selten in die Gottesdienstordnung. Allenfalls in Klöstern oder Kathedralen mit Profimusikern werden sie gepflegt. Dabei haben die Klagelieder in der Kulturgeschichte große Spuren hinterlassen: Komponisten des 16. Jahrhunderts wie Thomas Tallis, Orlando die Lasso und Tomas Louis de Victoria haben sie vertont, aber auch im 20. Jahrhundert griffen Leonard Bernstein oder Igor Strawinsky die bildmächtigen Texte auf. Die junge Schwester auf dem Rosenberg dagegen singt meditativ-schlichte Tonfolgen. Sie lebt an einem Wallfahrtsort, dessen kleine, aus Sandsteinquadern zusammengefügte Kapelle im Kern auf das 12. Jahrhundert zurückgeht. Nicht nur extrafromme Katholiken kommen hierher. Der Wallfahrtspfarrer hat auch schon eine muslimische Familie getroffen, die für ihr krankes Kind betete. Und er sieht immer wieder Menschen, die hier innere Ruhe suchen, sich bei Gottesdiensten aber lieber ein bisschen abseits halten – und das Singen fremd klingender Laute der jungen Ordensschwester überlassen. (häm)

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