Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Zäher Kampf in der Pfalz gegen das Allergie-Kraut

Die Ambrosia-Pflanze wurde vor rund 150 Jahren nach Europa eingeschleppt.
Die Ambrosia-Pflanze wurde vor rund 150 Jahren nach Europa eingeschleppt. Foto: mazomeit

Sie sieht zwar harmlos aus. Aber die Pollen der Beifußblättrigen Ambrosie können starke Allergien auslösen. Trotz aller Bemühungen, die Pflanze einzudämmen, breitet sie sich auch in der Pfalz weiter aus. Experten sagen, wie nun gehandelt werden müsste.

LUDWIGSHAFEN. Die Pollen der aus Nordamerika eingeschleppten Ambrosia „haben ein fünfmal höheres Allergiepotenzial als Gräserpollen“, verdeutlicht das Umweltbundesamt die von ihr ausgehenden gesundheitlichen Risiken. „Dazu zählen allergische Reaktionen wie Heuschnupfen, Bindehautreizungen und allergisches Asthma.“ Und wer das Kraut mit bloßen Händen berührt, kann sich eine Kontaktallergie einhandeln, warnt der Deutsche Allergie- und Asthmabund. Der „Pollenalarm“ beginnt bei dieser Pflanze im Juli und dauert bis weit in den Oktober hinein an.

Begünstigt durch den Klimawandel breitet sich die Ambrosia, die auch als Beifußblättriges Traubenkraut bezeichnet wird, vor allem zwischen Frankenthal und Germersheim entlang von Straßen wie der Bundesstraße 9 weiter aus. Laut der Internet-Meldeplattform „Artenfinder“ wurden allein in diesem Bereich seit dem Jahr 2011 über 300 Standorte gesichtet. Aber auch auf Feldern, Wildäsungs- und Ausgleichsflächen, auf Pferdekoppeln und Neubaugebieten taucht das Allergie-Kraut auf, hat der Ludwigshafener Pflanzenexperte Johannes Mazomeit festgestellt, der in Rheinland-Pfalz die Erfassung und Bekämpfung koordiniert.

Auch der Haßlocher Biologe Oliver Röller beobachtet seit Jahren aufmerksam die Entwicklung. Bei Kartierungen im Pfälzerwald hat er unter Stromtrassen und auf Schafweiden neue Vorkommen entdeckt. Seine Befürchtung ist, dass sich in Teilen der Vorderpfalz derzeit noch vereinzelte Ambrosia-Inseln zu einem größeren Bestand vereinen. Dann dürfte es nahezu aussichtslos werden, dem Kraut Einhalt zu gebieten.

Es drohen große Massenbestände

Johannes Mazomeit bereiten vor allem Vorkommen in Neubaugebieten wie in Bellheim und Mutterstadt Sorgen: „Auf diesen Flächen können sich ungeahnt große Massenbestände entwickeln.“ Mehr noch: Durch Bodenbewegungen und -transporte könnten die Samen ungewollt in andere Gegenden verschleppt werden. Die Bereitschaft, dagegen etwas zu unternehmen, ist „unterschiedlich ausgeprägt“, weiß Mazomeit, der das Ambrosia-Projekt für die Pollichia im Auftrag des Mainzer Umweltministeriums betreut. „Im Bereich der Neubaugebiete bedarf es klarer Vorgaben, wie mit den Böden umzugehen ist.“ Hinzu kommt, dass die Besitzverhältnisse von Grundstücken nicht immer einfach zu klären sind. Beispielsweise, wenn einer der Eigentümer einer Wiese im Pfälzerwald in Niedersachsen wohnt und keine Ahnung davon hat, dass sich das Allergie-Kraut auf seinem Grundstück breit macht.

Manchmal sind es auch unterschiedliche Zuständigkeiten, die eine konsequente Bekämpfung erschweren, sagt Biologe Röller: Die Ambrosia-Vorkommen entlang der Landstraße durch den Geinsheimer Wald wurden zwar im August nach seiner Beobachtung gemäht. Nicht aber entlang des Radweges. Der Grund, so Röller: „Zwischen Wald und Radweg ist es nicht Sache des Landesbetriebes Mobilität zu mähen. Dort kümmert sich der Forst um den Rückschnitt.“

Besonders unbefriedigend ist die Situation nach Mazomeits Worten entlang des überörtlichen Straßennetzes: „Die Ressourcen der Straßenmeistereien reichen bei weitem nicht aus, eine nachhaltige Bekämpfung der Ambrosia an den Straßenrändern zu gewährleisten.“ Zumal es mit einer einmaligen Mahd im Jahr nicht getan ist, weil das Kraut schon nach kurzer Zeit wieder austreibt. Wie Röller warnt auch Mazomeit: „Mit der Größe der Bestände an den Straßen steigt das Risiko, dass die Ambrosia auch auf benachbarte Flächen überspringt.“ Die gelte für angrenzende Äcker wie lückige Wälder.

In der Vorderpfalz stellen landwirtschaftlich genutzte Flächen mit sandigen Böden nach der Beobachtung des Ludwigshafeners ein Einfallstor für die Pflanze dar. So etwa um Weisenheim am Sand/Lambsheim und stellenweise auch bei Jockgrim. Auf die Vorkommen in den Wäldern hat Mazomeit ein besonderes Augenmerk: Auf jeden Fall möchte er die Ausbreitung der Ambrosia von den Wildäsungsflächen über die sandigen Waldwege verhindern.

Ambrosien in Säcken entsorgen

Der Pflanzenexperte packt oft selbst an und füllt an sensiblen Stellen Abfallsäcke mit dem Allergie-Kraut. Abfallsäcke deshalb, weil nach dem Ausreißen die Samen der Ambrosien aufgehen könnten. Mazomeit appelliert an die RHEINPFALZ-Leser, ihn über mögliche Ambrosia-Vorkommen zu informieren. Da die Pflanze leicht mit harmlosen Gewächsen zu verwechseln ist, bittet er um Fotos. Hinweise nimmt er unter johannesmazomeit@web.de entgegen. Alternativ können die Daten auch über die Internetseite artenfinder.rlp.de gemeldet werden.

Beeindruckt hat Mazomeit die Ambrosia-Meldung von Brigitte und Peter Pukowski aus Oberschlettenbach (Landkreis Südliche Weinstraße). Die beiden haben sich entschlossen daran gemacht, die Pflanzen samt Wurzeln eigenhändig auszureißen. Und zwar mit Mundschutz und Handschuhen.

Info

Informationen über die in der Pfalz entdeckten Ambrosia-Vorkommen und über solche Pflanzen, mit denen das Kraut verwechselt werden kann, finden sich unter der Adresse www.artenfinder.rlp.de im Internet. Dazu gilt es die Rubrik „Artensuche“ anzuklicken und anschließend im Suchfenster den Namen „Ambrosia artemisiifolia – Beifußblättriges Traubenkraut“ einzugeben.

Mit Mundschutz und Handschuhen macht Peter Pukowski dem Allergiekraut den Garaus.
Mit Mundschutz und Handschuhen macht Peter Pukowski dem Allergiekraut den Garaus. Foto: privat
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