Rheinland-Pfalz Wo der König zu Fuß hingeht

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„Tausende standen an den Hängen und Pisten.“ Diesen Satz, den Heinz Maegerlein 1959 bei einem Skirennen äußerte, ist der Sportjournalist nie wieder losgeworden. Im Nachhinein betrachtet, war ja überhaupt nichts Verwerfliches an Maegerleins Aussage. Sie entsprach den Tatsachen, konnte aber nun mal vom Zuhörer missverstanden werden. Das Bild von den Tausenden, die da an den Hängen standen und pissten, ließ noch Jahre später die Wintersportfans johlen. Anders ist das beim Rosenmontagsumzug in Mainz. Dort johlt niemand, wenn Tausende irgendwo stehen und sich am Rande der närrischen Piste erleichtern. Rund 500.000 Menschen fallen jedes Jahr in Mainz ein, um den größten rheinland-pfälzischen Fasnachtsumzug zu sehen. Sie lassen viel Geld in der Stadt, hinterlassen aber auch jede Menge Dreck. 2016 sagte die Stadtverwaltung den Wildpinklern den Kampf an, weil sich immer mehr Hausbesitzer nach dem Umzug über stinkende Urinpfützen beschwerten. Selbst Flure blieben nicht verschont, wenn sich Tore oder Türen aufdrücken ließen. Mauern nehmen Hunde- und Männerpisse richtig übel. Sie verfärben sich, der Putz bläht sich auf und blättert ab. Der Kölner Dom wird in der Faschingszeit großräumig umzäunt, um Frevler von den Kirchenmauern fernzuhalten. Wer sich trotzdem dort erwischen lässt, muss 150 Euro Bußgeld berappen. Da sind die Mainzer etwas gnädiger: Die 50 Besucher, die beim letzten Umzug ertappt wurden, als sie den Dingen fröhlich ihren Lauf ließen, kamen mit 75 Euro davon. Das Ordnungsamt versteht jedenfalls keinen Spaß, wenn betrunkene Männer ihre Manieren vergessen und ungehemmt ihr Revier markieren. Zumal der beißende Geruch noch ewig und drei Tage die Luft verpestet. Selbst mit Pappnase lässt sich dies nicht leugnen. Vor zwei Jahren wurde am Mainzer Rathaus ein Stück Wand mit einem wasserabweisenden Lack gestrichen. Wer dort in hohem Bogen gegen die Wand pullert, erlebt eine unangenehme Überraschung. Die Sache mit der Rache gefällt den Mainzern so gut, dass sich an der Umzugsstrecke viele Hausbesitzer den Speziallack besorgt haben. Schon deshalb empfiehlt es sich, den Hosenlatz zuzulassen und eine Kneipe ansteuern. Die Stadt würde jetzt zu gerne dem Staatstheater und einem Stadthaus einen wasserabweisenden Anstrich verpassen, damit diese Gebäude es ihren Widersachern heimzahlen können, die sich bei Festen ungeniert dort erleichtern. Doch der Denkmalschutz zeigt sich nicht sonderlich begeistert. Zumindest für den Drang an Rosenmontag ist Mainz gerüstet: Neben den vorhandenen öffentlichen Toiletten finden sich dann an 17 Standorten 32 WC-Wagen, acht Urinale, 108 Dixi-Klos und fünf WC-Container, die auch von den „Herren der Schöpfung“ genutzt werden können. Die Mainzer singen hier übrigens ein Hohelied auf die Mädels: Die stehen alle klaglos lange Schlange… ! | Petra Depper-Koch

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