Rheinland-Pfalz Wird Teilflutung erlaubt?
«Ensdorf.» Es geht um eine wichtige Frage: Darf der Bergbaukonzern RAG im Saarrevier die früheren Kohlegruben teilfluten? Viele Saarländer sind dagegen. Seit gestern wird die Angelegenheit in Ensdorf erörtert. Es ist die letzte Etappe in dem Genehmigungsverfahren, bevor das Oberbergamt eine Entscheidung treffen wird.
Der Erörterungstermin um den von dem Bergbaukonzern RAG beantragten Grubenwasseranstieg im Saarrevier begann unter verhaltenem Andrang. Knapp 150 Menschen kamen in ein eigens aufgestelltes Großraumzelt, in dem Einwendungen und Stellungnahmen behandelt werden. Nach dem 2012 erfolgten Ende des Saar-Bergbaus hat die RAG beim Oberbergamt beantragt, in einer ersten Phase die Gruben der einstigen Bergwerke Duhamel und Reden bis 320 Meter unter Null volllaufen zu lassen. Bisher wird das Grubenwasser abgepumpt. In einem zweiten Schritt, der noch nicht beantragt ist, plant die RAG das Grubenwasser bis 2035 bis zur Tagesoberfläche ansteigen und in die Saar laufen zu lassen. Im laufenden Planfeststellungsverfahren sind 128 öffentliche Stellungnahmen und 6882 Einwendungen eingegangen. Bürger befürchten durch die Teilflutung Erdbewegungen, den Austritt von Gasen und eine Verunreinigung des Grundwassers. Bei dem Termin zur Erörterung könne „jeder Einwender“ sein Anliegen vorbringen, sagte Oberbergamtsleiter Heinz-Georg Schramm. Zudem dürften sich auch „Betroffene“ aus dem „Betrachtungsraum“ zu Wort melden: Dazu zählten rund 600.000 Einwohner in rund 30 Gemeinden. Eine Entscheidung werde das Oberbergamt erst nach dem Abschluss des Erörterungstermins treffen. Er rechne in diesem Jahr nicht mehr damit, so Schramm. Wenn nach der Erörterung noch Dinge unklar seien, „werden wir von Amtswegen weiter untersuchen“. Das heiße: Gegebenenfalls weitere Gutachten in Auftrag geben. „Wir entscheiden erst, wenn wir Klarheit haben.“ Michael Drobniewski, Leiter Grubenwasserhaltung bei der RAG, sagte, die früher entstandenen Bergschäden und Erderschütterungen könne die RAG „nicht ungeschehen machen. Wir konnten lediglich die entstandenen Schäden bestmöglich regulieren und für die Erderschütterungen um Entschuldigung bitten.“ Auf Grundlage von Gutachten lasse sich mit Blick nach vorne aber sagen, „dass durch den Wasseranstieg keine Verschlechterung der Situation in der Saar eintritt“. Der Grubenwasseranstieg und seine Auswirkungen würden durch ein Monitoring überwacht werden. Und in der ersten Phase könne der Anstieg jederzeit angehalten werden. Derzeit werden im Saarland jährlich knapp 18 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Gruben nach oben abgepumpt. Die Kosten dafür beliefen sich auf etwa 16 Millionen Euro im Jahr, sagte ein RAG-Sprecher. Das Grubenwasser ist Regenwasser, das in die Tiefe sickert und sich in Schächten und Strecken unter Tage sammelt.