Rheinland-Pfalz Wer nimmt es mit Malu Dreyer auf?
«MAINZ.» Julia Klöckner hat zweimal versucht, die SPD aus der Mainzer Regierungszentrale zu vertreiben. Bei der Wahl 2011 unterlag sie Kurt Beck, fünf Jahre später Malu Dreyer. Im März vergangenen Jahres ist Klöckner als Landwirtschaftsministerin in die Bundespolitik zurückgekehrt. Dort war sie auch schon vor 2011. Als Landesvorsitzende ihrer Partei wäre Klöckner sicher die erste Wahl für die Spitzenkandidatur 2021. Aber will Sie das auch? Viele CDU-Leute erwarten ein Nein. Der Grund: Klöckner müsste ein zweites Mal von Berlin nach Mainz in den Landtag wechseln. Die politische Konkurrenz würde genüsslich die Glaubwürdigkeit der CDU-Frau bezweifeln. Außerdem wäre im Falle einer dritten Wahlniederlage die politische Karriere der 46-Jährigen wohl am Ende. Wen also hat die rheinland-pfälzische CDU neben Julia Klöckner noch zu bieten als mögliche Dreyer-Herausforderer? Der Favorit für den Fall der Fälle: Christian Baldauf Sollte Julia Klöckner tatsächlich in der Bundespolitik bleiben, gilt Christian Baldauf als Favorit für die Spitzenkandidatur. Der Rechtsanwalt aus Frankenthal hat nach dem Wechsel Klöckners nach Berlin vor gut einem Jahr zum zweiten Mal den Vorsitz der Landtagsfraktion übernommen. Dort gilt er als kollegial. Es gelingt ihm, die Reihen geschlossen zu halten. Von 2006 bis 2011 stand Baldauf schon einmal an der Spitze von Landes-Partei und Fraktion. Gegen den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) wirkte der Frankenthaler zuweilen überfordert. Vor allem jedoch hatte Baldauf damals gegen die Folgen von Spendensumpf und Misswirtschaft seines Vorgängers Christoph Böhr zu kämpfen. Das kostete eine Menge Kraft. Partei und Fraktion standen am Rande des finanziellen Abgrunds. Baldauf läutete die Sanierung ein und stellte nach jahrzehntelangen Grabenkämpfen in den eigenen Reihen wichtige Weichen für die Einigung von Partei und Fraktion. 2011 ließ er Julia Klöckner den Vortritt an die Spitze. Das rechnet man dem Pfälzer in den Reihen der CDU bis heute hoch an. Bei seiner Wahl zum Landes-Vize erzielt Baldauf seither regelmäßig Spitzenergebnisse. Als Chef des CDU Bezirks Rheinhessen-Pfalz sitzt er fest im Sattel. Kaum jemand zweifelt, dass Baldauf seinen Hut in den Ring werfen würde. Der 51-Jährige wirkt reifer und ausgeglichener als noch vor acht Jahren. Allerdings gibt es auch Skeptiker, die zweifeln, ob es dem Pfälzer tatsächlich gelingen würde, die Staatskanzlei für die CDU zu erobern. Starke Impulse habe Baldauf in den vergangenen zwölf Monaten nicht gesetzt, sagen Kritiker. Die CDU-Fraktion agiere farblos. Und in der Tat: Regierungschefin Dreyer freut sich über eine volle Staatskasse und nimmt der Opposition immer wieder Wind aus den Segeln, indem sie zum Beispiel zusätzliche Polizisten oder Richter einstellt. Aber Baldaufs Truppe kann auch Erfolge vorweisen: Durch breite Kritik am geplanten Kita-Gesetz oder durch die auch von der CDU befeuerte Debatte über die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge ist die Regierungskoalition durchaus unter Druck geraten. Der unkonventionelle Kopf: Marlon Bröhr Wenn die CDU in überlieferten Denkstrukturen verharre, werde sie sich für Baldauf entscheiden, sagt ein Christdemokrat. Heißt im Umkehrschluss: Will die Partei beim Versuch, der SPD-Ministerpräsidentin endlich ein Bein zustellen, auf einen unkonventionellen Kopf setzen, könnte die Stunde des Marlon Bröhr schlagen. Der Landrat aus Simmern im Hunsrück wirkt optimistisch, geradezu unbekümmert. Landespolitische Erfahrung hat er ebenso wenig wie ein Netzwerk von Unterstützern in seiner Partei. Dafür hat der 44-Jährige viel analytischen Verstand und eine gewaltige Portion Selbstvertrauen. Und für Überraschungen ist der gelernte Zahnarzt immer gut. Im Jahr 2003 übernahm Bröhr zusammen mit seiner Frau eine Zahnarztpraxis in Kastellaun. Drei Jahre später trat er zur Wahl des Verbandsbürgermeisters an. Bröhr ließ alle Mitbewerber hinter sich, auch den Kandidaten seiner CDU. Die Partei verzieh es ihm bald, schickte ihn 2015 ins Rennen um den Landratssessel im Rhein-Hunsrück-Kreis. Beim ersten Parteitag der Landes-CDU nach der vergeigten Landtagswahl 2016 war Bröhr der einzige, der den Parteioberen die Leviten zu lesen versuchte. Er wetterte gegen bestehende Entscheidungsstrukturen. Geändert hat sich nichts. Geblieben ist eine gepflegte Feindschaft des Landrats mit den Bezirksvorsitzenden der CDU. Aber seither ist Bröhr in der Partei bekannt. Dass dies so bleibt, dafür sorgt der CDU-Mann, indem er sich als Landrat in der Asylpolitik mit Grünen-Ministerin Anne Spiegel und bei einem Brückenprojekt über den Mittelrhein mit Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) anlegt. Der ehrgeizige Landrat: Günther Schartz Der Landrat des Kreises Trier-Saarburg ist ein gestandener Vertreter der einflussreichen Kommunalpolitiker innerhalb der CDU. Wie Baldauf ist der 56-Jährige Vizechef der Landes-Partei. Als Chef des Landkreistages hat er Erfahrung, sich mit der Landesregierung anzulegen. Auch als Parteivize sucht er hin und wieder den direkten Schlagabtausch mit der Koalition. Günther Schartz gilt als ehrgeizig. Vor der Landtagswahl 2016 wurde er als möglicher Innenminister unter einer Ministerpräsidentin Julia Klöckner gehandelt. Im vergangenen Jahr hatte sich Schartz als möglichen CDU-Kandidaten fürs Europa-Parlament ins Gespräch gebracht und damit signalisiert, dass für ihn in der Kreisverwaltung nicht Ende der Fahnenstange sein muss. Sein Dilemma: 2021 steht auch die Neuwahl des Landrats in Trier-Saarburg an. Wollte er nach Mainz, müsste Schartz wohl alles auf diese Karte setzen. Der Aufsteiger aus der Südpfalz: Martin Brandl Auch der Abgeordnete aus dem südpfälzischen Rülzheim wird gerne genannt, wenn es um „CDU-Leute von morgen“ geht. Der 37-Jährige hat sich als Wirtschafts- und Bildungspolitiker einen Namen gemacht und ist zum Parlamentarischen Geschäftsführer aufgestiegen. In dieser Funktion ist er die „rechte Hand“ Baldaufs im Landtag. Es ist wenig wahrscheinlich, dass beide um die Spitzenkandidatur konkurrieren würden. Klöckners Ohr und Sprachrohr: Christoph Gensch Der gelernte Arzt und Landtagsabgeordnete aus Zweibrücken gilt als Talent in der Landes-CDU. Vor einem Jahr hat ihn Julia Klöckner zum Generalsekretär wählen lassen. Damit ist er Klöckners Ohr und Sprachrohr im Land. Bisher agiert Gensch wenig auffällig, und mehr noch als für Brandl gilt für ihn: Er hat noch viel Zeit. Der Zweibrücker ist Jahrgang 1978.