Rheinland-Pfalz Wenn das Saarland Rätsel aufgibt
Manchmal stellt uns das Saarland vor schier unlösbare Rätsel, zum Beispiel mit Aussagen zu seinem ganz speziellen Internet-Imperium. Das feiert in diesem Jahr ein Doppeljubiläum: Vor zehn Jahren wurde ein Verein gegründet, der den Beinahe-Franzosen eine eigene Online-Kennung erkämpfen wollte. Und vor fünf Jahren haben sie die virtuelle Unabhängigkeit vom „Reich“ dann auch tatsächlich bekommen. Seither gibt es Internet-Adressen, die nicht mit einem gesamtbundesrepublikanischen „.de“ aufhören, sondern ganz lokalpatriotisch: mit „.saarland“. Und die sind ungeheuer gefragt, so darf man die Betreiber wohl verstehen. Denn sie wissen zu berichten, dass die „.saarland“-Endung sich „als die lokale Webadresse“ in ihrem Bundesland etabliert habe. Und dass „die Registrierungszahlen nahezu stetig wachsen“. Weshalb es mittlerweile etwa 4000 derartige Seiten gebe. Doch ausgerechnet die zentralen Landes-Institutionen verweigern sich rätselhafterweise der virtuellen Unabhängigkeit: Im Netz präsentieren sie sich weiterhin unverdrossen auf www.saarland.de. Und genauso hält es auch der Landesvater. Dessen persönliche Seite findet man unter www.tobias-hans.de. Doch vielleicht meiden Saar-Politiker die „.saarland“-Endung, weil sie sich allesamt für noch höhere Aufgaben bereithalten. Schließlich hat schon vor vielen Jahren ein Dachdecker aus Neunkirchen über ein Gebilde geherrscht, das 42-mal so groß wie das Saarland war – wobei er das nicht unbedingt erfolgreich, aber dafür umso hartnäckiger tat. Und mittlerweile machen Erich Honeckers Saar-Landsleute sogar in der inzwischen wieder komplettierten Bundesrepublik große Polit-Karrieren. Heiko Maas ist Bundesminister des Auswärtigen und für modische Anzüge, den diplomatischen Gepflogenheiten zufolge gebührt ihm im Ausland gar die Anrede Exzellenz. Und Annegret Kramp-Karrenbauer (kurz: AKK) ist als Bundesverteidigungsministerin jetzt Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt (kurz: IBuK) und schickt sich an, Kanzlerin anstelle der Kanzlerin zu werden. Weshalb wir im Nachhinein doch noch verstanden haben, dass die Saar-Polit-Stars eher über eine Internet-Seite mit der Endung wie „.eu“ oder „.universum“ nachdenken werden. Weiterrätseln müssen wir allerdings trotzdem. Denn es gibt derzeit ungefähr 16 Millionen „.de“-Adressen – 4000-mal mehr als „.saarland“-Seiten. Doch die Bundesrepublik hat nur rund 80-mal so viele Einwohner wie das Saarland – eine Differenz zwischen Seiten- und Menschenanzahl, die sich allenfalls zum Teil mit den bundes- bis weltpolitischen Ambitionen der Saar-Politiker erklären lässt. So ganz scheinen die Argumente der „.saarland“-Betreiber also noch nicht verfangen zu haben. Dabei empfehlen sie ihre Endung mit durchaus plausiblen Begründungen. Gewerbetreibende etwa können sich mit ihrer Hilfe in der Trefferliste einer Online-Suche vor die Konkurrenz schieben. Und ihre Heimatverbundenheit ausdrücken. Und sich naheliegende Begriffe sichern, die mit „.de“- oder „.com“-Endung schon längst vergeben sind. Aber vielleicht liegt genau da ja das Problem: dass das Lokalpatriotische und das Naheliegende im Saarland nicht immer zusammengehen wollen. Weshalb so einleuchtende Adressen wie www.die-pfalz-ist-noch-schöner-als-das.saarland einfach frei bleiben. Rätsel gelöst! | Christoph Hämmelmann