Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Staatssekretär David Profit geht

Gibt sein Amt auf: Staatssekretär David Profit (Grüne).
Gibt sein Amt auf: Staatssekretär David Profit (Grüne).

Überraschend hat das Integrationsministerium von Katharina Binz (Grüne) am Montag den Rückzug von Staatssekretär David Profit (Grüne) bekanntgegeben. Janosch Littig soll nachrücken. Im Mainzer Regierungsviertel ist er kein Unbekannter. Spielte Kritik an Profit eine Rolle?

Um 5.18 Uhr am Montagmorgen verabschiedete sich David Profit (Grüne) von den Beschäftigten im Ministerium per Mail. Das Schreiben liegt der RHEINPFALZ vor. Er kündigte das Ende seiner Arbeit als Staatssekretär für den nächsten Tag an. Fast fünf Jahre habe er an der Bewältigung verschiedener Krisen mitgewirkt. Das sei auf die Gesundheit gegangen, erklärte der 46-Jährige. Seit 2021 ist er Staatssekretär und Amtschef im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration. Die Aufnahme von Flüchtlingen gehört in seinen Bereich.

Vorher war er in der Zentralabteilung im hessischen Wissenschaftsministerium und dort mit der Pandemiebewältigung beschäftigt. Profit war Richter am Sozialgericht in Mainz, geboren ist er in Ludwigshafen, sein Abitur hat er in Annweiler in der Südpfalz abgelegt. Zudem ist Profit der Beauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität. Die Initiative „Queerwein“ geht auf Profit zurück. Das ist eine Auszeichnung, um die sich Weingüter bewerben können, in denen nicht-heterosexuelle Menschen verantwortungsvoll tätig sind.

Kritik an ihm als Vorgesetztem

Wer sich im Ministerium und darüber hinaus im Regierungsviertel umhört, erfährt auch, dass es Kritik an Profit als Vorgesetztem gab, das Wort „cholerisch“ fällt. Erster Anlass für Medien, diesen Fragen nachzugehen, gab es im Herbst 2022, als ein anonymes Schreiben unter anderem die RHEINPFALZ erreichte. Darin war allerdings auch behauptet worden, wegen Profit seien Menschen vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Diese Anschuldigung ließ sich in Gesprächen mit Betroffenen nicht erhärten. Vor zwei Wochen erreichte den SWR nach dessen Angaben ein weiteres anonymes Schreiben.

Haben diese etwas mit dem Rücktritt zu tun? Der Sprecher des Integrationsministeriums teilte auf Anfrage mit: „Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir anonyme Schreiben grundsätzlich nicht kommentieren.“ Ministerin Binz begründete die Versetzung von Profit in den einstweiligen Ruhestand damit, dass es ihm nicht mehr möglich sei, das Amt mit der notwendigen Kraft weiter auszuüben. Profit habe sich insbesondere mit der Fluchtaufnahme nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine verdient gemacht. Profit selbst schreibt in seiner Abschiedsmail, er habe „gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen“ in den letzten Jahren vieles vorbereitet, „was in diesem und im nächsten Jahr wirksam werden wird“. Er bedanke sich „von Herzen“ für das gemeinsame Nachdenken und Konzipieren.

Littig gehört zu den einflussreichsten Grünen

Nachfolger Profits wird der bisherige Büroleiter von Ministerin Katharina Binz, Janosch Littig. Zuvor war der 39-Jährige stellvertretender Regierungssprecher und davor im Umweltministerium. Littig stand bisher nie in der vorderen Reihe, ist aber einer der einflussreichsten Grünen-Politiker in Rheinland-Pfalz. Er war maßgeblich an den Koalitionsvereinbarungen beteiligt und gilt als enger Vertrauter von Katharina Binz. Gemeinsam mit anderen hat er jedoch auch an der Karriere der früheren Landesumweltministerin und späteren Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) mitgewirkt. Spiegel trat im Zusammenhang mit dem Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe zurück. Littig lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Rheinhessen.

Janosch Littig leitete bisher das Büro von Ministerin Katharina Binz (beide Grüne).
Janosch Littig leitete bisher das Büro von Ministerin Katharina Binz (beide Grüne).
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