Rheinland-Pfalz
Wahl der Deutschen Weinkönigin: „Das war heute ein Gesamtkunstwerk“
Die Pfälzische Weinkönigin Meike Klohr hat das Finale für die Wahl zu Deutschen Weinkönigin verpasst. „Mir hat Glück gefehlt“, sagte die Neustadterin nach dem Vorentscheid.
Sie sind eloquent, glänzen mit Fachwissen und parlieren in nahezu perfektem Englisch – zwölf Markenbotschafterinnen der deutschen Weinanbaugebiete glänzten am Samstagnachmittag im Wimbledon des deutschen Weins, dem Neustadter Saalbau. Nur vier der zwölf Damen sind nicht in einem Weingut aufgewachsen. Für sieben ist der Wein Beruf (oder noch Studienfach), für alle Berufung.
„Das war heute ein Gesamtkunstwerk, die Konkurrenz wirklich noch nie so stark, ich hatte nur Plus-Zeichen auf meinem Notizzettel. Das ist dann auch eine Frage der Tagesform.“ Ein Zitat von Monika Reule, der Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes, das auch die enttäuschte Meike Klohr wieder etwas aufbaute. Nach der Verkündung des Ergebnisses um 19.26 Uhr zog sie sich erst auf den Oberrang zurück und suchte Trost im Kreis der Familie. Danach erklärte die 24-jährige Mußbacherin: „Das war eben nicht mein Tag. Ich hatte Lampenfieber und schon auf der Bühne gespürt, dass es nicht so gut läuft.“
Alle Kandidatinnen müssen ihre Handys abgeben
Das Los hatte Meike Klohr die „Startnummer“ 8 beschert. Das hieß davor über zwei Stunden warten in einem Raum in den Katakomben des Saalbaus, abgeschnitten von der Außenwelt. Die Handys mussten vorher abgegeben werden. Keine Kandidatin sollte vorher wissen, was auf sie zukommt.
Der Einspielfilm zur Vorstellung zeigte Klohr auf dem Hambacher Schloss. Schon die Tage hatte sie für ein Fernsehteam eine Torte gebacken – die aussieht wie das Hambacher Schloss. Und die Mitarbeiterin des Weingutes Mussler aus Bissersheim spielte vor dem Kamerateam ihre Lieblingsfilmszene nach. Sie präsentierte dazu die letzte Umarmung von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio auf der sinkenden Titanic, allerdings gedreht auf der Treppe des Mußbacher Herrenhofes, der bekanntlich nicht untergegangen ist.
Als sie der Jury die Geschmacksangabe Brut nature beim Schaumwein näher erläutern sollte, ging Klohr nicht unter, aber der Redefluss war nicht so locker wie gewohnt. Bei der Frage, was einen ökologisch zertifizierten Betrieb ausmacht, bremste sie dann das Zeitlimit von 45 Sekunden. Beim anschließenden Spiel, in Wein-Nachrichten Fehler zu finden, war sie nicht mehr zu bremsen, wollten aufholen, aber jetzt spielte ihr die Technik des Drück-Automaten einen Streich. Er funktionierte nicht. Aus der Traum.
Das Niveau der Bewerberinnen steigt seit Jahren
Neben Klohr hatte auch Anna Göhring aus Rheinhessen fast Heimvorteil. Sie kommt aus Mölsheim im Zellertal, direkt an der „Grenze“ der beiden Weinanbaugebiete. Auch sie verpasste den Einzug in die Runde der letzten Sechs. Miriam Kaltenbach aus Baden, Carolin Hillenbrand von der Hessischen Bergstraße, Laura Gerhardt von der Mosel, Angelina Vogt von der Nahe, Katharina Bausch aus dem Rheingau und Julia Böcklen aus Württemberg wurden von ihren Anhängern im mit 900 Zuschauern fast ausverkauften Saalbau als Finalistinnen gefeiert.
Das Niveau der Bewerberinnen steigt seit Jahren. Und das muss wohl auch so sein, um den Anforderungen gerecht zu werden. Über 200 Einsätze, darunter im Hongkong, New York und Tokio, hatte die amtierende Königin Carolin Klöckner aus Württemberg. Wer von ihr am Freitag gekrönt werden will, musste sich beim Vorentscheid in zwei Runden den Fachfragen stellen. Beim Finale am Freitagabend stehen dann eher Schlagfertigkeit und Ausstrahlung im Vordergrund der Bewertung einer 70-köpfigen Jury. Damit endet dann auch die Amtszeit von Inga Storck, der Deutschen Weinprinzessin aus Einselthum im Zellertal, der Vorgängerin von Meike Klohr auf dem pfälzischen Thron.
Erstmals wurde die Veranstaltung im Saalbau auch im Internet – und damit weltweit – live übertragen. Im Fernsehprogramm des SWR ist heute um 14 Uhr die Aufzeichnung des Vorentscheides zu sehen.