Rheinland-Pfalz
Vorerst alle Impf-Termine in Rheinland-Pfalz vergeben
Menschen über 80, die sich neu für eine Corona-Schutzimpfung in einem der 31 Impfzentren anmelden wollen, erhalten vorerst keinen Termin mehr. Aktuell seien alle verfügbaren Termine bis Mitte Februar vergeben, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Dienstag in Mainz. Das hänge mit den vom Bund fest zugesagten Impfstofflieferungen zusammen. 78.402 Termine sind in den Impfzentren bisher vergeben worden. 71.995 Personen sind registriert und erhalten automatisch einen Termin.
Information per E-Mail und Post
Wenn jemand absagt oder zusätzliche Dosen geliefert werden, könnten weitere Termine vergeben werden. Registrierungen seien weiterhin möglich. „Keiner geht verloren“, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Sobald es freie Kapazitäten gibt, werden die Betroffenen per E-Mail und auf dem Postweg informiert. Vom Bund verbindlich zugesagt sei die Lieferung von 273.000 Dosen des Vakzins von Biontech/Pfizer, die erste Moderna-Lieferung kam am Dienstag in Mainz an, 3600 Dosen. Bis Ende Februar soll es weitere 49.200 Dosen geben.
Ministerin sieht keinen Grund für Selbstkritik
Angesprochen auf Berichte von Betroffenen, die es oft vergeblich bei der Impf-Hotline des Landes versucht haben, und auf die Schwierigkeiten gerade älterer Menschen, die Online-Registrierung am Computer vorzunehmen, wurde Bätzing-Lichtenthäler ungehalten: „Einen Grund, Selbstkritik an dieser Stelle zu üben, sehe ich nicht. Wir haben es geschafft, dass mehr als 132.000 Menschen eine vollständige Registrierung über den Online-Zugang geschafft haben.“ Fehler im Formular seien binnen zwei Stunden verbessert worden, die Telefonhotline sei bis 23 Uhr erweitert. „Das ist ein System, das sehr, sehr zuverlässig ist“, sagte die Ministerin. Nach ihren Worten hat sie neben Beschwerden auch Zuschriften aus Bayern und Baden-Württemberg erhalten, in denen Menschen schrieben, „ein so tolles System wie in Rheinland-Pfalz hätten wir auch gerne“.
Regelmäßige Status-Information
Alexander Wilhelm (SPD), Staatssekretär im Gesundheitsministerium und Impfkoordinator des Landes, sagte, manche Personen würden nach der Online-Anmeldung nicht rechtzeitig in ihr elektronisches Postfach schauen und die E-Mail öffnen, mit der die Registrierung abgeschlossen werde. Bis 72 Stunden nach Erhalt der Post sei dies möglich. Künftig sollen registrierte Impfwillige regelmäßig einen Statusbericht erhalten. Das soll sie von Nachfragen abhalten.
Wilhelm sagte, die Impfplanungen im Land seien ein „komplexes Zusammenspiel von verschiedenen, sich ständig verändernden Parametern“.
Zum Beispiel waren Hoffnungen geweckt worden, dass der Moderna-Impfstoff bei den rund 20.000 Menschen verimpft werden könnte, die zu Hause gepflegt werden und die fest im Bett liegen. Aber das funktioniere wohl nicht, sagte Wilhelm. Das Moderna-Präparat eigne sich nicht für das Impfen zu Hause, weil der Hersteller beim Transport angebrochener Flaschen vor mikrobiologischen Verunreinigungen warnt.
Astrazeneca nur für jüngere Menschen
Auch das Vakzin des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca, das noch vor der Zulassung steht, biete keine Hoffnung. Es sei nach derzeitigem Stand nur für Menschen unter 55 Jahren geeignet. Von diesem Vakzin könnten 500.000 Dosen im ersten Quartal geliefert werden. Mit dem Problem der immobilen Pflegebedürftigen beschäftigten sich Politiker bundesweit, sagte Wilhelm. „Noch haben wir die Lösung nicht.“
Die Impfungen in den Krankenhäusern gehen ungeachtet des vorläufigen Terminstopps weiter, ebenso in den Altenheimen, hieß es. In 184 Einrichtungen waren die mobilen Impfteams bereits unterwegs, nächste Woche beginnt laut Bätzing-Lichtenthäler die Verabreichung der zweiten Impfdosis. Erst sieben Tage danach steigt der Schutz vor dem Coronavirus laut Hersteller Biontech auf 95 Prozent. 142 Altenheime haben bis zum 27. Januar einen Termin, 49 sind impfbereit, aber noch ohne konkreten Termin, und 111 Einrichtungen seien noch nicht bereit.
CDU: Impfung in Altenheimen schleppend
Der Fraktionschef der CDU-Opposition im Mainzer Landtag, Christian Baldauf, kritisierte, die Landesregierung tue sich schwer, ihre anfänglichen Fehler zu beheben. „Insbesondere die Impfung in Alten-, Pflege- und Seniorenheimen verläuft weiterhin schleppend“, sagte Baldauf.