Trier RHEINPFALZ Plus Artikel Tatzen, Trump und Totenschädel: Wie aus Buchseiten Kunstwerke werden

Fußabdruck, Tatzen, Apfel und Symbole – aus Buchseiten gefaltete Figuren.
Fußabdruck, Tatzen, Apfel und Symbole – aus Buchseiten gefaltete Figuren.

Der Trierer Bibliothekar Bernd Reinhard hat ein großes Herz für Bücher, die eigentlich ausgemustert und weggeworfen werden sollen. Aus ihnen faltet er Kunstwerke. Sein Porträt des US-Präsidenten offenbart, was der umstrittene Politiker vor allem im Kopf hat.

Angefangen hat alles schon in seinem früheren Leben. Bevor Bernd Reinhard an der Trierer Universität Sachgebietsleiter für die Medienausstattung wurde, hat er Blockhäuser gebaut. „Die Bäume dafür habe ich selber gefällt“, erinnert er sich, „und schon damals habe ich gedacht: Das höchste, was ein Baum werden kann, ist ein Buch.“

Noch heute kann er es nur schwer mit ansehen, wenn in der Bibliothek Bücher ausgemustert und weggeworfen werden. Zuerst hat er sie mit nach Hause genommen und Tische oder Stühle daraus gebaut. Vor anderthalb Jahren entdeckte er dann eine neue Möglichkeit: Book-Origami, das Falten von Büchern zu Kunstwerken.

Aufwendige Vorarbeiten: Zeichnen und Rastern

Das stille Hobby erfordert viel Geduld und Konzentration. Zuerst zeichnet Reinhard die Figur, die entstehen soll. Anschließend wird sie mit hunderten von Linien eingeteilt und gerastert. Und dann beginnt er nach dieser Vorlage jede einzelne Buchseite zu knicken – ganz präzise bitte – denn schon ein kleiner Fehler kann am Schluss das Gesamtbild beeinträchtigen. „Das passiert immer mal wieder“, sagt Reinhard. „Leider merkt man es erst am Ende, und dann war die ganze Arbeit für die Katz.“

Einem Laien würde es kaum auffallen, wenn eine von fünfhundert Seiten nicht exakt geknickt ist, dem Künstler aber schon. Und deswegen würde er ein solches „Mängelexemplar“ nie in seiner kleinen Ausstellung präsentieren. Lieber fängt er zum Trost ein neues Projekt an.

Das erste Stück: Ein Herz für seine Frau

Das erste geglückte Kunstwerk des 53-jährigen war ein Herz für seine Frau. „Das war relativ einfach“, erzählt er. „Man faltet nur auf einer Ebene und das Herz wächst fast automatisch aus den Buchseiten heraus und wird gleichmäßig größer.“ Später wagte er sich dann an immer kompliziertere Gebilde. Tiere entstanden, Elefanten und Affen, dazu kamen Fahrräder, Totenschädel und schließlich auch Politikerporträts. Besonders gelungen ist nach Ansicht vieler Beobachter der dreidimensionale amerikanische Präsident Donald Trump, mit dem Twittervögelchen im Kopf.

Der Rohstoff: Aussortierte Bücher

Das Material für seine Kunstwerke findet Reinhard an seinem Arbeitsplatz in der Unibibliothek, wo immer wieder Bücher aussortiert werden. Am liebsten sind ihm solide, schwere Bände mit stabilem Einband. Mit denen lässt sich gut arbeiten und sie haben viele Seiten. Achthundert hat er einmal geknickt, das war das dickste Buch, das ihm unter die Finger gekommen ist. Normalerweise braucht Reinhard zwei Stunden, um hundert Seiten zu falten, bei einem Exemplar von mittlerem Umfang geht also ein ganzer Tag drauf, bis eine Figur fertig ist.

Nimmt man dazu noch den Aufwand fürs Zeichnen und Rastern lässt sich leicht ausrechnen, dass er für sein Hobby schon viele Wochen investiert hat. Denn immerhin sind inzwischen rund 50 Bücher zu Kunstwerken geworden und haben ihren Platz in den Vitrinen der Unibibliothek gefunden.

„Meine Frau schüttelt manchmal auch den Kopf über meine Leidenschaft“, sagt Reinhard und lacht. „Aber ich mache weiter.“ Wenn er faltet und die Figur unter seinen Händen entstehen sieht, ist er ganz bei sich. Er kann dann auch keine Ablenkung gebrauchen, hört keine Musik, höchstens mal Vogelgezwitscher durchs offene Fenster: „Ansonsten konzentriere ich mich ganz auf die Arbeit; das hat schon was Meditatives“, sagt er.

Bisher alle Kaufangebote für die Kunstwerke abgelehnt

Seine Technik entwickelt er selbst weiter, Vorlagen aus dem Internet braucht er nicht, auch keinen Austausch mit Origami-Kollegen, die zum Teil ihre Produktionen verkaufen. Reinhard hatte auch schon Angebote für seine Kunstwerke, hat sie aber abgelehnt. „Es soll Liebhaberei bleiben“, sagt er und blickt hinüber zu einem kleinen Karussell, auf dem sich einige seiner Objekte drehen. Sie zeigen die Entwicklung des Menschen, vom Affen mit der Keule bis zum Astronauten. Alles gefaltete Bücher. Und da ist noch viel Platz für mehr.

Bernd Reinhard beim Falten.
Bernd Reinhard beim Falten.
Aufgeblättert: US-Präsident Trump.
Aufgeblättert: US-Präsident Trump.
Das Herz der Bücher.
Das Herz der Bücher.
Bernd Reinhard in einem seiner selbst gebastelten Bücherstühle.
Bernd Reinhard in einem seiner selbst gebastelten Bücherstühle.
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