Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Tödlicher Anschlag auf Arzt: Ermittler klären Fall um Rachefeldzug eines Gärtners

Tatort Praxis: Durch eine Handgranate starb am 1. März dieses Jahres ein Mediziner in Enkenbach-Alsenborn.
Tatort Praxis: Durch eine Handgranate starb am 1. März dieses Jahres ein Mediziner in Enkenbach-Alsenborn. Foto: View

Der Gartenbauunternehmer Bernhard Graumann aus dem Kreis Kaiserslautern war geschäftlich wie privat mit etlichen Menschen im Streit. Am Ende seines heimtückischen Rachefeldzugs mit Sprengstofffallen tötete der 59-Jährige in Enkenbach-Alsenborn am 1. März einen Arzt, drei weitere Personen wurden verletzt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern den Fall abgeschlossen. Nicht weniger als 60 Objekte in fünf Bundesländern hatte die Sonderkommission (Soko) „Treppe“ auf der Suche nach weiteren Sprengsätzen durchsucht. Mit dabei: BKA, LKA, Bereitschaftspolizei, Röntgengeräte und Sprengstoffprofis.

Der Fall des Gärtners Graumann hatte in Kaiserslautern für internationalen Medienrummel gesorgt. Zu der Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei am 15. März kamen auch amerikanische, britische und polnische Journalisten. Sie alle wollten wissen, was einen Geschäftsmann wohl dazu getrieben haben könnte, einen Arzt mit einer Handgranate und Stahlkugeln zu ermorden. Und: Noch vor seinem eigenen Tod hatte er die Fallen platziert. Schon damals gingen die Ermittler von einem Einzeltäter aus. Das habe sich nun bestätigt, so Leitender Oberstaatsanwalt Udo Gehring am Dienstag.

Drohung: Den Arzt „plattmachen“

Der Täter, der als äußerst rücksichtslos“ und „heimtückisch“ beschrieben wurde, hatte sich am Tattag das Leben genommen. Zuvor hatte er seinem Umfeld eine Krebserkrankung vorgegaukelt und dem Arzt, bei dem er zwölf Jahre zuvor Patient gewesen sein soll, gedroht, ihn „plattzumachen“.

Der Arzt starb am 1. März durch eine in einer Holzkiste versteckte Handgranate, die vor der Tür seiner Praxis deponiert war. Das Anheben des Deckels wurde dem 64-Jährigen zum Verhängnis: Der Sprengsatz detonierte. Laut Staatsanwaltschaft wurde der Allgemeinmediziner später auf einer Treppe gefunden – die Soko hieß folglich „Treppe“.

Rechnungen lösen immer wieder Streit aus

Fieberhaft wurde damals nach weiteren Sprengfallen gesucht, denn der Gärtner war mit vielen im Clinch, auch gerichtlich. Unter anderem mit einer Otterbergerin, bei der zwei Tage später im Kaminofen ein mit Schwarzpulver präpariertes Holzscheit explodierte. Auslöser war eine Gartenbaurechnung über 10.000 Euro. Sie dagegen hatte Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung durch Zement im Abflussrohr erstattet. Damals wurden die 37-Jährige sowie zwei ihrer Kinder durch herumfliegende Glassplitter des geborstenen Kaminschutzes verletzt: teils im Gesicht und an der Hand. Eine US-Amerikanerin aus Fischbach (Kreis Kaiserslautern) hatte mehr Glück. Bei ihr konnte das manipulierte Holzstück rechtzeitig entschärft werden. Auch sie war sich mit Graumann wegen eines Rechnungsbetrags von knapp 3000 Euro im Clinch.

Soko „Treppe“ findet zwei Kilo Schwarzpulver

Es müssen viele Streitfälle gewesen sein. Beim Polizeipräsidium Westpfalz waren 174 Zeugenhinweise eingegangen. Die Soko „Treppe“ durchsuchte insgesamt 60 Objekte – überwiegend in der Westpfalz. Aber auch in anderen Bundesländern: zusammen vier Objekte in Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Zig Holzscheite wurden auf der Suche nach Schwarzpulver geröntgt. Zwei Kilogramm des Explosivmaterials sowie Stahlkugeln und Waffenteile waren bei dem Täter gefunden worden.

Manipuliertes Holz durch Pfropf nicht erkennbar

Auch die Spezialisten des Landeskriminalamts, die Delaborierer, kamen in 30 Fällen zum Einsatz. Sie kümmern sich um „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen“. Drei Jahre dauern die Vorbereitungen auf einen nicht ungefährlichen Job. Gefunden wurde im Fall Graumann keine weitere Sprengfalle. Aber: Labortests bewiesen laut Staatsanwaltschaft posthum, dass der Gärtner die Fischbacher Sprengladung bei sich zu Hause präpariert hatte – angebohrtes Holz, das kaum erkennbar mit einem Propf wieder verschlossen war.

Mit bloßem Auge waren die mit Schwarzpulver präparierten Holzscheite nicht zu erkennen.
Mit bloßem Auge waren die mit Schwarzpulver präparierten Holzscheite nicht zu erkennen. Foto: Polizei
Hinweis an die Patienten des 64-jährigen getöteten Mediziners.
Hinweis an die Patienten des 64-jährigen getöteten Mediziners. Foto: VIEW
Durch die Wucht der Detonation zersprang die Glasplatte an diesem Kamin. Eine Otterbergerin und zwei ihrer Kinder wurden verletz
Durch die Wucht der Detonation zersprang die Glasplatte an diesem Kamin. Eine Otterbergerin und zwei ihrer Kinder wurden verletzt. Foto: Polizei
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