Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Studie: Viele Schüler in Rheinland-Pfalz haben Angst oder sind depressiv

Mehr als vier Prozent der Schulkinder in Rheinland-Pfalz leiden unter Depressionen oder Angststörungen.
Mehr als vier Prozent der Schulkinder in Rheinland-Pfalz leiden unter Depressionen oder Angststörungen. Foto: dpa

Jedes vierte rheinland-pfälzische Kind im Schüleralter ist psychisch krank oder zeigt Verhaltensauffälligkeiten. Jeweils mehr als zwei Prozent der Schulkinder leiden unter Depressionen beziehungsweise Angststörungen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Krankenversicherung DAK. Die Wissenschaftler haben Abrechnungsdaten DAK-versicherter Kinder und deren Eltern aus den Jahren 2016 und 2017 ausgewertet. Zwar entspreche die DAK-Kundschaft nur in Teilen der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung, dennoch hätten die Ergebnisse eine „hohe Repräsentativität“, sagte Gesundheitswissenschaftler Julian Witte, Mitautor der Studie.

In Rheinland-Pfalz leben etwa 300.000 junge Menschen zwischen zehn und 17 Jahren. Die Daten von mehr als 48.000 dieser Kinder und Jugendlichen sind ausgewertet worden. Grundlage sind dabei die Diagnosen, die behandelnde Ärzte bei ihrer Abrechnung mit der DAK angegeben haben. Demnach leiden hochgerechnet auf das ganze Land 6500 Schulkinder an Depressionen und 7200 an Angststörungen. Der Expertise zufolge führt dies zu zusätzlichen Ausgaben im Gesundheitswesen in Höhe von 38 Millionen Euro jährlich. Die Folgerung Wittes: Es gebe in diesem Bereich ein erhebliches Vorsorge- und Einsparpotenzial.

Mediziner: Kinder nicht überfordern

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Mädchen sind im späten Jugendalter dreimal so häufig von Depressionen und doppelt so häufig von Angststörungen betroffen wie Jungen. Außerdem benennen die Autoren Risikofaktoren für die Entstehung von Depressionen bei jungen Leuten. Dazu gehören zum Beispiel chronische Erkrankungen wie Diabetes, Fettleibigkeit und dauerhafte Schmerzen; als Faktoren im Umfeld werden unter anderem Depressionen oder Suchterkrankungen eines Elternteils genannt.

Der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Uni-Klinik Mainz, Fred Zepp, hat Eltern vor der Überforderung ihrer Kinder gewarnt. Manche Schüler hätten in Kombination von Schule und Freizeit einen Wochenplan, den so kein Arbeitnehmer akzeptieren müsste. Vielen Kindern und Jugendlichen fehle unverplante Zeit. Auch „Momente der Langeweile“ seien von Bedeutung für die Entwicklung.

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