Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schulstreit wegen Corona: CDU für Wechselunterricht, Hubig dagegen

Rund 11.500 Schüler sind in Rheinland-Pfalz derzeit in Quarantäne und nehmen nicht am Unterricht teil.
Rund 11.500 Schüler sind in Rheinland-Pfalz derzeit in Quarantäne und nehmen nicht am Unterricht teil.

Es ist eine Kehrtwende: Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen hat sich die CDU in Rheinland-Pfalz für eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht ausgesprochen. Doch das Mainzer Bildungsministerium will am Unterrichten vor Ort festhalten.

Die CDU-Landtagsfraktion fordert die Abkehr von der bisherigen Linie der rheinland-pfälzischen Landesregierung und der Mehrzahl der Bundesländer, in allen Schulen möglichst lange Präsenzunterricht zu erteilen. Stattdessen sollen die Schulen landesweit die Möglichkeit bekommen, ab den siebten Klassenstufen auch auf „Wechselunterricht“ umzusteigen, wenn dies nach den örtlichen Gegebenheiten geboten und sinnvoll erscheint. Dies sagten CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Baldauf und die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Anke Beilstein, am Mittwoch in Mainz.

Auch seine Fraktion sehe im Präsenzunterricht weiterhin die beste Alternative, erklärte Baldauf. Das Infektionsgeschehen zwinge jedoch zum Umdenken. Von den knapp 1600 Schulen im Land seien derzeit rund 230 ganz oder teilweise von Schließungen betroffen. Bevor es zu immer mehr Schließungen ganzer Schulen komme, müsse gehandelt werden. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) ducke sich in dieser Frage seit Tagen weg.

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Schulen sollen über Form des Wechselunterrichts entscheiden

Nach den Worten Beilsteins müsse die Schulaufsicht aufhören, alle Pläne für Wechselunterricht grundsätzlich abzulehnen. Mehrere Schulen im Land hätten solche Konzepte entwickelt. Sie müssten in Zukunft ernsthaft geprüft und erlaubt werden. Wechselunterricht dürfe nur nach Kriterien abgelehnt werden, die vom Ministerium festzulegen sind.

Wie der Wechselunterricht gestaltet wird, will die CDU der jeweiligen Schule überlassen. Das gilt zum Beispiel für die Frage, ob junge Leute, die nicht in die Schule kommen, daheim „nur“ Aufgaben lösen oder tatsächlich per Video am Unterricht teilnehmen. Auch der Rhythmus des Wechsels zwischen Präsenz- und Heimunterricht soll Sache der jeweiligen Schule sein.

Auch Probleme bei Schülertransport entschärfen

Ziel ist es laut Beilstein, die Klassen zu verkleinern und damit das Risiko von Corona-Infektionen zu verringern, sagte Beilstein. Das entspreche den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und selbst einem Stufenplan, den die Landesregierung im Sommer erarbeitet habe. Für die größeren Schüler ab Klassenstufe sieben sei der Heimunterricht weniger nachteilig als für jüngere Jahrgänge.

Auch die Eltern der Älteren seien weniger belastet, wenn der Klassensaal ins Wohnzimmer verlagert wird. Entschärft würden mit dem Wechselunterricht zudem die Probleme beim Schülertransport. Baldauf sieht das Modell als Lösung für die kommenden Monate in allen Bundesländern. An den Abiturprüfungen, die in Rheinland-Pfalz bereits Anfang Januar beginnen, will er nicht rütteln.

Lehrerverbände warnen vor Schulschließungen

Mit ihrer Kehrtwende schließt sich die CDU den Forderungen von Lehrerverbänden an. So warnte unter anderem der Philologenverband, Vertretung der Gymnasiallehrer, wiederholt vor drohenden Schulschließungen auf breiter Front und vor Gesundheitsrisiken für alle Beteiligten. Am Mittwoch hat die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz erneut für ein Modell geworben, wonach jeweils ein Teil der Klasse im normalen Präsenzunterricht sitzt, während sich die andere Hälfte zuhause mit „Übungs- und Vertiefungsaufgaben“ beschäftigt. „Homeschooling“ durch Eltern wäre demnach nicht nötig. Das Recht auf Bildung bleibe gewahrt, gleichzeitig sei der Gesellschaft durch kleinere Infektionszahlen gedient, sagte Schwartz.

Hubig: Alle Kultusminister wollen Präsenzunterricht

Bildungsministerin Stefanie Hubig betonte am Mittwoch erneut, das Recht auf Bildung könne im Präsenzunterricht am besten gewährleistet werden. „Das gilt für die Jüngeren, die noch wenig Schulerfahrung haben, genauso wie für ältere Schülerinnen und Schüler, die vor ihren Abschlüssen stehen.“ Diese von Medizinern und Psychologen bestärkte Haltung werde über Parteigrenzen hinweg von allen Kultusministern der Länder so gesehen.

Anke Beilstein, die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion.
Anke Beilstein, die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion.
swzcoronaschule17.11.
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