Rheinland-Pfalz Schnee von gestern
Wollten Sie sich schon immer einmal eine Sommerrodelbahn zulegen? Dazu gibt es jetzt eine gute Gelegenheit. Denn die Anlage am 816 Meter hohen Erbeskopf im Hunsrück steht zum Verkauf. Seit 2005 konnte man am höchsten Berg von Rheinland-Pfalz auf der rund 1300 Meter langen Trasse mit Tempo 40 zu Tal sausen. Doch dieses Jahr wurde die Bahn gar nicht erst aufgebaut. Die Betreiberin, die 71-jährige Frau des 2007 verstorbenen Ortsbürgermeisters des Hunsrück-Dorfs Gräfendhron, hat sich aus Altersgründen aus dem Geschäft zurückgezogen. Deshalb soll die Anlage abgegeben werden. Quasi ein vorgezogener Sommerschlussverkauf. Angeblich gibt es bereits einen Investor, zu dessen Person die bisherige Betreiberfamilie aber keine weiteren Angaben macht. Unklar ist deshalb derzeit auch, ob der Unbekannte die Sommerrodelbahn an Ort und Stelle weiterbetreiben oder sie irgendwo anders aufbauen will. Die Geschichte erinnert uns etwas an das Schicksal des Skilifts im südwestpfälzischen Höhendorf Hofstätten. Der erschloss eine 500 Meter lange Abfahrtspiste und hatte eine eingeschworene Fangemeinde. Denn trotz der kurzen Liftstrecke gab es eine Mittelstation, an der die Wintersportler umsteigen mussten. Alpine Bergwelt im Taschenformat also. Wenn auch mit eingeschränktem Komfort: Denn mehr als ein Rundseil mit kurzen Plastikgriffen zum Festhalten war die Hofstätter Transporthilfe nicht. Seit 1971 lief der Lift – wenn Schnee lag. An solchen Ausnahmetagen kamen dann schon einmal bis zu 2000 Skifahrer in den kleinen Pfälzerwald-Ort; Studenten der Universität Mannheim war der Trubel sogar einmal eine Untersuchung wert. Doch vor 20 Jahren war dann in Hofstätten plötzlich Schluss mit dem rumpelnden Skiliftgenuss samt Umsteigestation. Der Betreiber verkaufte die auseinander montierte Anlage – teils aus Altersgründen, teils aus Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung in seiner Heimatgemeinde – nach Cursdorf im Thüringer Wald. In dem staatlich anerkannten Erholungsort gab es damals zwar bereits einen Skilift. Das gute Stück stammte allerdings noch aus DDR-Zeiten und hatte keinen Tüv mehr. Da kam die Offerte aus dem Pfälzerwald gerade recht. Ortsbürgermeister Frank Eilhauer versprach seinerzeit: „Wir machen etwas aus eurem Skilift, wir organisieren einen Tag der offenen Tür, an dem alle Hofstätter die Anlage umsonst nutzen können.“ Tatsächlich wurde der Lift in Cursdorf aufgebaut – an der ersten Matten-Piste Thüringens, die auch im Sommer Skifahren erlaubte. Und heute? Frank Eilhauer ist immer noch Bürgermeister. Bis 2007 sei der Lift offiziell in Betrieb gewesen, sagt er: „Der hat seine Gnadenfrist gehabt.“ Heute darf er nur noch intern von Mitgliedern des örtlichen Sportvereins genutzt werden. Und der Tag der offenen Tür für alle Hofstätter? Dazu sei es mangels Interesse leider nie gekommen, erinnert sich Eilhauer. Nun ja – von der Pfalz nach Cursdorf sind es viereinhalb Stunden Fahrt. Doch nicht nur das wird die Hofstätter von einem Besuch abgehalten haben, vermutet Eilhauer im Nachhinein: „Wir sind damals dort nicht mit Hurra empfangen worden.“ Die Tatsache, dass der Lift nach Ostdeutschland verkauft wurde, sei in Hofstätten nicht positiv aufgenommen worden. Doch das sind alte Wessi-Ossi-Geschichten. Schnee von gestern. Jetzt ist eine Sommerrodelbahn zu haben. Wäre die vielleicht etwas für die Pfalz? Am Donnersberg gibt es zum Bau einer solchen Anlage konkrete Pläne, in Carlsberg (Kreis Bad Dürkheim) bisher nur die krude Idee eines erfolglosen Bürgermeisterkandidaten. Und in Hofstätten? Dort setzt man heute auf Wanderer und vor allem auf Biker. Für deren Einkehrschwung bieten sich in dem 110-Einwohner-Dorf gleich mehrere Landgasthöfe an. Dem Skilift trauert deshalb in Hofstätten wohl keiner mehr nach. | Rolf Schlicher