Rheinland-Pfalz
Saarland: Neue Vorwürfe im Skandal um Krebs-Fehldiagnosen
In dem Skandal um mögliche Krebs-Fehldiagnosen eines mutmaßlich suchtkranken Pathologen sind neue schwere Vorwürfe bekannt geworden: Eine Oberärztin der Hautklinik an der Homburger Uniklinik soll demnach schon vor Jahren auf Fehler des Kollegen hingewiesen haben. Erfolglos.
Nachdem vor zwei Wochen massive Vorwürfe gegen den saarländischen Pathologen öffentlich bekannt wurden, hat die Oberärztin noch einmal auf angebliche Fehler des heute 60-Jährigen hingewiesen. Und zwar in einem Brief an die Homburger Klinikleitung, wie die Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Dienstag auf Anfrage bestätigte. Danach würden in der Hautklinik 20 bis 30 Fälle existieren, bei denen der Pathologe falsche Befunde abgegeben haben soll. Diese Befunde sollen laut dem Schreiben „aus den vergangenen Jahren“ stammen. Die Klinikleitung habe das Papier an das Saarbrücker Gesundheitsministerium weitergereicht, von wo es zur Staatsanwaltschaft gelangte.
Strafanzeige erstattet
Wenn die Vorwürfe der Oberärztin zutreffen, hätte der in Verdacht geratene Pathologe womöglich sehr viel früher gestoppt werden können. Wie berichtet, hat Ende August die Chefärztin für Pathologie des Saarbrücker Winterberg-Klinikums Strafanzeige gegen ihren Kollegen erstattet und damit die aktuellen Ermittlungen ins Rollen gebracht. In ihrer Anzeige geht es um 26 Patienten, bei denen der Pathologe seit dem Jahr 2016 Fehldiagnosen erstellt haben soll. Inzwischen wurde gegen den 60-Jährigen ein vorläufiges Berufsverbot verhängt, die Internetseite seines Instituts ist inzwischen „offline“.
Nach Fehldiagnosen verstorben?
Nach Darstellung der „Saarbrücker Zeitung“ soll die Oberärztin der Uni-Hautklinik in ihrem aktuellen Schreiben noch schwerere Vorwürfe erhoben haben: Mittlerweile seien Patienten verstorben, bei denen der Pathologe Fehldiagnosen abgegeben habe. Als sie vor etwa sieben Jahren auf Fehler des Kollegen hingewiesen habe, sei sie von der Ärztekammer dafür gerügt worden. Zu all dem waren bis Dienstagabend weder von der Kammer noch von der Uniklinik Homburg Stellungnahmen zu erhalten. Wie die Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Dienstag weiter mitteilte, sind zu den 26 von der Winterberg-Chefärztin angezeigten Fällen noch zwei weitere Verdachtsfälle von fehlerhaften Befundungen dazu gekommen. Zu dem einen habe eine Privatperson Anzeige erstattet, zu dem anderen die Ärztekammer.