Rheinland-Pfalz „Rolphs“ erster Auftritt im Landtag

Inzwischen läuft die zweite Welle der Kampagne: Dabei wird wortreich erklärt, für was die Buchstaben in „Rolph“ stehen.
Inzwischen läuft die zweite Welle der Kampagne: Dabei wird wortreich erklärt, für was die Buchstaben in »Rolph« stehen.

Bringt die neue Dachmarke des öffentlichen Nahverkehrs in Rheinland-Pfalz wirklichen Fortschritt oder ist sie nur heiße Luft? Darüber können die gewählten Vertreter des Volkes trefflich streiten. „Rolph“ selbst wird es egal sein – für ihn ist wichtig, dass überhaupt über ihn geredet wird.

„Rolph“ hat es bereits weit gebracht. Kaum mehr als eine Woche ist es her, dass der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) das Geheimnis seines Daseins gelüftet hat, schon ist „Rolph“ im Landtag. Dort hat er am Mittwoch gehörig Staub aufgewirbelt: Ist „Rolph“ einer mit Zukunft, der es richten wird? Oder ist „Rolph“ eher ein Blender, der nur unnötig Steuergeld kostet? Das waren die Fragen, über die unsere Volksvertreter trefflich zu streiten wussten. Erinnern wir uns: Über Wochen hatte „Rolph“ – besser gesagt, hatten seine geistigen Väter – die Rheinland-Pfälzer auf die Folter gespannt. Auf Plakaten und in Zeitungsanzeigen wurde das Erscheinen des geheimnisvollen Unbekannten angekündigt. Anfang des Monats ließ der Verkehrsminister die Katze aus dem Sack: „Rolph“ ist die neue Dachmarke für den öffentlichen Nahverkehr im Land. Er soll künftig für das stehen, was in den vergangenen 25 Jahren Rheinland-Pfalz-Takt genannt wurde. Eine Internetseite unter seinem Namen (www.rolph.de) werde künftig alle Fragen zum öffentlichen Nahverkehr im Land beantworten, versprach Wissing. Gekostet hat die pfiffige Einführung des jungen „Rolphs“ stolze 600.000 Euro aus Mitteln des Bundes – also Steuergeld. In einem Punkt waren sich am Mittwoch alle Fraktionen im Landtag einig: Der öffentliche Nahverkehr ist gut und wichtig. Er sei eine Lebensader des Landes, formulierte zum Beispiel CDU-Fraktionschef Christian Baldauf. Busse und Bahnen bedeuteten eine Entlastung der Umwelt, für deren Liniennetze müsse ausreichend Geld zur Verfügung gestellt werden. Damit war es aber schon vorbei mit der Einigkeit im hohen Haus. Denn: „Rolph mit ph“, wie CDU-Mann Baldauf genüsslich spottete, bringe in der Sache nichts Neues und sei folglich nur „heiße Luft“. Ein Konzept für den besseren Nahverkehr der Zukunft sei hinter „Rolph“ nicht zu sehen. Die CDU fordere eine App für mobile Endgeräte, die Auskunft über alle Nahverkehrsnetze im Land gebe, außerdem landesweit einheitliche Tarife für das Fortkommen mit Bussen und Bahnen. Baldaufs Kritik gipfelte in der Feststellung, „Rolph“ wärme nur Altbekanntes auf und koste dennoch mehr als eine halbe Million Euro. „Machen sie Politik für die Menschen und nicht Marketing für die Staatskanzlei“, rief Baldauf den Regierenden der Ampel-Koalition zu. Und der AfD-Abgeordnete Jan Bollinger wertete „Rolphs“ Erscheinen sogar als „symptomatisch für die ganze Landesregierung“. Dies alles wollte der Verkehrsminister natürlich weder auf sich noch auf dem gesamten Regierungslager sitzen lassen. „Rolph“ werde sehr wohl Änderungen bringen, versprach Wissing. So werde das Busnetz künftig landesweit aus einer Hand geplant, zudem werde es nur noch eine Sorte Fahrkartenautomaten geben. Dem Vorwurf, „Rolphs“ Ankunft auf dieser Welt sei zu teuer geraten, trat der Minister ebenso vehement entgegen: Auch der Rheinland-Pfalz-Takt sei bisher mit vergleichbarem finanziellen Aufwand beworben worden. Bleibt noch festzuhalten, dass die gestrige „Rolph“-Debatte von der CDU-Opposition beantragt worden war. Im Regierungslager wurde dies unterschiedlich bewertet: Die CDU mache nur schlechte Stimmung und erweise „Rolph“ damit einen Bärendienst, polterte der SPD-Abgeordnete Benedikt Oster. Jutta Blatzheim-Roegler von den Grünen hingegen sagte den Christdemokraten warmen Dank dafür, „Rolph“ noch bekannter zu machen. Ihm selbst wird es egal sein. 

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