Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ: Der größte Umbruch seit über 40 Jahren

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RHEINPFALZ-Chefredakteur Michael Garthe

Liebe Leserinnen und Leser,  der Zeitungsmarkt in Deutschland ist unter Druck. Vielleicht haben Sie gehört, dass die so traditionsreiche DuMont Mediengruppe in Köln überlegt, alle ihre regionalen Tageszeitungen zu verkaufen (unter anderem „Kölner Stadtanzeiger“ und „Mitteldeutsche Zeitung“ in Halle). Ein anderer großer Regionalverlag, die „Funke Mediengruppe“ in Essen, prüft, ob sie ihre drei Titel in Thüringen (Erfurt, Gera und Weimar) künftig nicht mehr als gedruckte Zeitung vertreibt, sondern nur noch als E-Paper versendet. Erheblich gestiegene Vertriebskosten, die Schwierigkeit, überhaupt noch Austräger zu finden, steigende Papierpreise und sinkende Erlöse im Anzeigengeschäft sind wesentliche Ursachen für so weitgehende Überlegungen bei DuMont und Funke.

Besser aufgestellt als viele andere Verlage

Der RHEINPFALZ-Verlag ist natürlich nicht gefeit vor diesen Problemen am Markt. Aber er ist durch beständige Modernisierung und Reform besser aufgestellt als viele andere Verlage. Die verkaufte Auflage der RHEINPFALZ sinkt im deutschlandweiten Vergleich langsam. Der Verkauf digitaler Angebote aber gelingt uns besser als fast allen anderen Verlagen. Mit beständiger Anpassung an veränderte Marktbedingungen alleine ist es aber nicht getan. Alle paar Jahre sind auch große Umbrüche notwendig. Die RHEINPFALZ-Redaktion steht derzeit inmitten des größten Umbruchs seit der Umstellung vom Bleisatz auf den elektronischen Ganzseitenumbruch vor über 40 Jahren. Erstens organisieren wir unsere Arbeitsweise komplett neu: In allen Lokalredaktionen experimentieren wir mit Blattmacher-Reporter-Modellen. Bisher waren unsere Redaktionsmitglieder Blattmacher und Reporter in einem, waren für bestimmte Seiten alleinverantwortlich. Künftig werden sie nach einem festen Plan tageweise nur Blattmacher und tageweise nur Reporter sein. Wir entwickeln die Arbeitsorganisation von unten nach oben. Das heißt: Die Redaktionen selbst überlegen sich, wie sie es konkret machen wollen. Zwei redaktionelle Arbeitsgruppen beobachten das, vergleichen, schauen bei anderen Verlagen und stellen am Ende ihre Empfehlungen vor.

Erst ins Digitale, dann in den Druck

Zweitens lösen wir uns ganz von der auf die Printausgabe und deren Redaktionsschluss bezogenen Arbeit. Stattdessen produzieren wir ohne Artikelmuster und Seitenaufrisse Nachrichten, Hintergründe, Reportagen und Kommentare, verteilen sie nach Plan in die digitalen Kanäle (Pfalzticker, Newsletter, unsere Website rheinpfalz.de). Dann erst stellen wir die gedruckte Zeitung her. Drittens beobachten wir mit „LeseWert“ ganz intensiv das Leseverhalten der Abonnenten unserer gedruckten Zeitung und ziehen daraus Schlüsse für ein besseres inhaltliches Angebot vor allem in Print, aber auch in unseren digitalen Produkten. Unsere Redaktion leistet derzeit Herkulesarbeit. Wie sie es tut, das bewundere ich. Herzliche Grüße Ihr  Michael Garthe

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