Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz: Mehr Straftaten in den Krankenhäusern
In Kliniken erhoffen sich kranke Menschen Hilfe und Heilung – mit Kriminalität rechnen sie wohl kaum. Die Realität sieht so aus: Die Anzahl der Straftaten in den rheinland-pfälzischen Krankenhäusern nimmt offenbar zu. 2017 registrierte die Polizei landesweit in den Krankenhäusern 1174 Straftaten, ein Jahr später waren es bereits 1277 Fälle. Im vergangenen Jahr dürften es ähnlich viel Delikte sein, Zahlen liegen bisher erst für den Zeitraum Januar bis September vor (931 Fälle).
Tatort „Krankenhaus“ wird erst seit 2017 erfasst
Diese Daten gehen aus der Antwort des Mainzer Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor. Erfasst sind in dieser Aufstellung Tötungsdelikte (2019 bis September fünf Fälle), Sexual-Straftaten, Raub, Erpressung und Diebstahl, Körperverletzungen, Beleidigungen und Unterschlagungen. Zahlen für frühere Jahre gibt es nicht, der Tatort „Krankenhaus“ wird erst seit 2017 in der Kriminalitätsstatistik erfasst.
Anstieg bei sexuellen Übergriffen
Bei Vergewaltigungen und sexueller Nötigung weist diese Statistik für 2017 und 2018 fünf beziehungsweise sieben Fälle in rheinland-pfälzischen Kliniken aus, in den ersten neun Monaten in 2019 waren er jedoch schon zwölf Fälle. In diesem Zeitraum wurden auch zwei Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern in Krankenhäusern aktenkundig. Anzahlmäßig zu den meisten Anzeigen führen Diebstähle: 2018 waren es 823 Fälle (2017: 805).
In welchem Ausmaß die Opfer dieser Straftaten Ärzte, Pfleger, Patienten oder Klinik-Besucher waren, kann das Gesundheitsministerium nicht beantworten. Dies werde in der Kriminalitätsstatistik nicht gesondert ausgewiesen.
Mehr verbale Aggressionen in den Notaufnahmen
In Rheinland-Pfalz gibt es zudem auch keine Datenbank, die verbale und körperliche Übergriffe – jenseits der Kriminalitätsstatistik – in allen Krankenhäusern erfasst. Eine Abfrage bei Kliniken, Landesärzte- und Pflegekammer zeigt laut Gesundheitsministerium dies: Insbesondere im Bereich der Notaufnahme komme es vereinzelt zu verbalen Aggressionen von Patienten und deren Angehörigen gegenüber dem Klinikpersonal – die Anzahl dieser Fälle nehme nach den Beobachtungen „leicht zu“.
Eine der Ursachen: Lange Wartezeiten
Zurückgeführt werde diese Entwicklung von den Krankenhäusern auf ein allgemein gestiegenes Anspruchsdenken der Patienten, die langen Wartezeiten und auch auf Alkohol- und Drogeneinflüsse. Die Zunahme von tätlicher Gewalt gegen das Klinikpersonal könne jedoch „allgemein nicht bestätigt werden“, heißt es in der Antwort des Mainzer Gesundheitsministeriums.