Lieferengpass Impfstoff RHEINPFALZ Plus Artikel Rheinland-Pfalz: 30.000 Termine verschoben, Zweit-Impfungen unberührt

In den Impfzentren finden ab Mitte nächster Woche vorerst nur noch Zweitimpfungen statt.
In den Impfzentren finden ab Mitte nächster Woche vorerst nur noch Zweitimpfungen statt.

Weil der Corona-Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer in seinem belgischen Werk die Produktion verändert, kommt es kurzfristig zu Lieferengpässen in Deutschland. In Rheinland-Pfalz müssen 30.000 Menschen daher mit der Verschiebung ihresvereinbarten Impftermins rechnen, wie das Gesundheitsministerium in Mainz am Dienstag mitteilte.

„Alle Zweitimpfungen finden aber statt“, sagte Impfkoordinator und Gesundheitsstaatssekretär Alexander Wilhelm (SPD). Wer dagegen ab Mitte nächster Woche einen Termin zur Erstimpfung in einem der 31 landesweiten Impfzentren hat, wird demnächst per E-Mail oder Post benachrichtigt über einen neuen Termin in etwa drei Wochen. Laut Wilhelm könnten auch einige Altenheime, in denen bisher noch keine Corona-Schutzimpfung stattfand, den kurzfristigen Lieferengpass zu spüren bekommen. Beschäftigte in den Krankenhäusern werden demnach weiter geimpft. Dort wird ein anderes Vakzin, das der US-Firma Moderna, eingesetzt.

„Keine Sicherheit nach 15. Februar“

Wie es nach Mitte Februar weitergeht mit Lieferungen durch Biontech/Pfizer, weiß man in Mainz nach Darstellung des Impfkoordinators bislang nicht. „Leider haben wir über den 15. Februar hinaus noch keine Planungs- und Liefersicherheit“, so Wilhelm. Bis Mitte Februar waren ohnehin bereits seit längerem landesweit alle Impftermine vergeben, keine neuen mehr vereinbart worden.

Von Dienstag bis Mitte Februar waren laut Ministerium in Mainz ursprünglich 204.750 Biontech-Impfdosen für Rheinland-Pfalz durch den Bund zugesagt worden. Jetzt seien dagegen 29.250 weniger angekündigt. Entsprechend müssten Termine in der Anzahl verschoben werden.

Berlin rechnet bald mit größeren Liefermengen

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin macht dagegen eine etwas andere Rechnung auf und spricht aufgrund des Biontech-Lieferplans lediglich von einer geringeren Liefermenge für nächste Woche. Ab Anfang Februar soll die Anzahl der Dosen dann jedoch über Plan liegen, wie ein Sprecher auf Anfrage erläuterte. Hintergrund dafür sei auch die Tatsache, dass jetzt sechs statt fünf Impfdosen aus einer Ampulle entnommen werden können. Unabhängig von dem Biontech-Werkumbau im belgischen Puurs habe das Unternehmen die Lieferung auf die höhere Anzahl an Anwendungen angepasst, so ein Pressesprecher. Die Umbauten im Pfizer-Werk sollen langfristig höhere Kapazitäten schaffen.

CDU und SPD kritisieren sich gegenseitig

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Martin Brandl, warf dem SPD-Fraktionsvorsitzenden in Mainz, Alexander Schweitzer, vor, die Lieferschwierigkeiten zum Wahlkampfthema zu machen. Schweitzer hatte zuvor Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kritisiert und gesagt, „durch das Lieferchaos des Bundes“ beim Corona-Impfstoff gerate die „erfolgreich gestartete Impfkampagne in Rheinland-Pfalz ins Stocken“. Laut Ministerium in Mainz liegt Rheinland-Pfalz bundesweit mit einer Impfrate von aktuell 2,2 auf Platz drei.

Restmengen, die vernichtet werden

Unterdessen lehnt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) Impfungen für Polizisten mit Restbeständen aus Corona-Impfzentren ab. Zuvor hatte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Rheinland-Pfalz kritisiert, dass das Innenministerium ein Angebot des Impfzentrums in Polch an die Polizei in Mayen abgelehnt habe, übrig gebliebene Impfdosen zu verwenden. Laut Gewerkschaft werden täglich geschätzte 200 Impfdosen in den Impfzentren vernichtet. Das Gesundheitsministerium widersprach und erklärte: Seit dem Impfstart am 27. Dezember sei das landesweit bei insgesamt 228 Impfdosen der Fall gewesen.

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