Rheinland-Pfalz
Pfälzische Geschichte: Kleinkrieg im Paradies
Glaubt man der Reklame, dann wartet Arkadien auf die Neu-Siedler an der nordamerikanischen Atlantikküste: Fischgründe, „reicher als irgendwo anders in Amerika“, so eine Broschüre, die der Anwerbung von Zuzüglern dienen soll. Das Klima gesund, „der Boden reich und fruchtbar“, und der garantierte, wenn bebaut, „Annehmlichkeiten und Bequemlichkeit“. Klingt gut, hat aber einen Haken: Arkadien ist bereits bewohnt.
Gegengewicht zu den Katholiken
Ab 1749 versuchen die Briten verstärkt, Siedler nach Nova Scotia im heutigen Kanada zu locken – protestantische Siedler, um ein Gegengewicht zu jenen zu schaffen, die schon dort sind: Die überwiegende Mehrzahl der Europäer dort kommt aus Frankreich, katholische „Acadiens“. Die einheimischen Mi’kmaq-Indianer halten zu den Franzosen und sind teilweise katholisiert. Die Briten werben im Gegenzug „Foreign Protestants“ auf dem europäischen Kontinent, vor allem in der Pfalz, in Württemberg und der Schweiz.
Eigentlich „unglaublich fleißig“
Rund ein Dutzend Schiffe erreicht das Gebiet zwischen 1750 und 1752. Die Neuankömmlinge helfen zunächst, die Hafenstadt Halifax auszubauen. Die eigentliche Besiedlung der Halbinsel geht allerdings eher schleppend voran – und nur unter dem Schutz des britischen Militärs. Franzosen und Mi’kmaq widersetzen sich der britischen Kolonisierung, und dieser Widerstand schlägt immer wieder in einen Kleinkrieg um, mit Überfällen auf protestantische Siedlungen. Die deutschsprachigen Siedler leiden unter dem Leben im Krisengebiet – und so rebellieren die „Palatines“, laut einer britischen Quelle eigentlich „unglaublich fleißige“ Menschen, sogar gelegentlich gegen die Briten.
Die lösen das Problem ab 1755 – böse ausgedrückt mittels „ethnischer Säuberung“: Die Briten vertreiben die Akadier aus Nova Scotia, im „Grand Dérangement“. Viele ihrer Nachkommen leben heute in Louisiana – und nennen sich immer noch „Acadiens“. Oder, verballhornt, „Cajuns“.