Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzische Geschichte: Ein Antisemit und Brunnenvergifter

Eines der jüdischen Gotteshäuser, die während der Pest-Pogrome 1348/49 beschädigt wurden: die Synagoge Worms. Die antijüdische P
Eines der jüdischen Gotteshäuser, die während der Pest-Pogrome 1348/49 beschädigt wurden: die Synagoge Worms. Die antijüdische Propaganda jener Jahre – die von Juden als »Brunnenvergifter« – greift Eisenmenger 1700 in seinem Traktat wieder auf. Archivfoto: Stadtarchiv Worms

Johann Andreas Eisenmenger wärmt 1700 alten Judenhass neu auf.

Die Klassiker antisemitischer Propaganda finden sich selbstredend – auch, wenn man sie in den gut 2100 Seiten des Kompendiums länger suchen muss: „Im Jahr Christi 1321 haben die Juden in Franckreich durch die außsätzige die Brunnen vergifften lassen/daß viel Menschen darvon gestorben seind (...)“. Klassisches antisemitisches Stereotyp also, das insbesondere in den Pestjahren um 1348 vielerorts zu Pogromen an der jüdischen Bevölkerung geführt hat. So wird beispielsweise die jüdische Gemeinde in Speyer damals ausgelöscht.

Der das Ganze neu aufwärmt, müsste es eigentlich besser wissen: Johann Andreas Eisenmenger ist Professor für hebräische Sprache an der Universität Heidelberg, liest oder spricht unter anderem Aramäisch, Arabisch und Jiddisch. Und veröffentlicht gleichwohl im Jahr 1700 mit seiner Schrift „Entdecktes Judenthum“ ein Traktat, das gleichsam die Brücke von mittelalterlichem zu neuzeitlichen Antisemitismus darstellt.

Mythos einer „jüdischen Gegenwelt“

Kein ganz typisches Werk für eine Zeit, in der die christlichen Theologen eigentlich eher Verständnis für den jüdischen Glauben zu entwickeln beginnen – wenn auch mit dem Ziel der Konversion der Juden zum Christentum. Eisenmenger schafft dagegen eine gelehrte Schmähschrift, mit der Absicht, eine angeblich existierende, geheime jüdische „Gegenwelt“ zu offenbaren. Quellen fälscht er dabei nicht – er reißt sie bloß aus dem Kontext und übernimmt Antijüdisches ohne Quellenkritik.

Da ist dann sogar das 14. Jahrhundert wenigstens in Einzelfällen schon weiter gewesen: „(...) werent sü arm gewesen und werent in die landesherren nüt schuldig gewesen, so werent sü nüt gebrannt worden“, referiert ein Chronist um 1400 zwei zutreffende Gründe für die Pogrome in den Pestjahren um 1348: Habgier und das Streben von adeligen Herren oder Stadtbürgern, ihre Gläubiger loszuwerden.

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