Rheinland-Pfalz
Pfälzische Geschichte: Die Spätantike in der Pfalz
Bei den letzten Dingen kann man eben nicht vorsichtig genug sein. Fränkische Gräberfelder illustrieren das, beispielsweise das im südpfälzischen Insheim aus dem frühen 7. Jahrhundert: Viele Gräber in Ost-West-Richtung, der Tote blickt Richtung des irdischen Jerusalem und hofft aufs himmlische. Gleichzeitig Grabbeigaben, Waffen, Schmuck, Hausrat, heidnischer Brauch eigentlich, dies, – aber bei den letzten Dingen kann man eben nicht vorsichtig genug sein. Der Blick auf die Spätantike, den Übergang von römischer Herrschaft zu germanischer Besiedlung, er hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert – auch dank archäologischer Befunde. Die ältere Forschung ist lange davon ausgegangen, der Rheinübergang germanischer Stämme 406/407 habe die römische Herrschaft am Oberrhein schlagartig beendet. Was so wohl nicht stimmt: Das Römerkastell Alzey beispielsweise wird bis etwa 450 wohl auch militärisch genutzt.
Steuern wollen sie alle
Die Alamannen, die ab jener Zeit ins Linksrheinische einwandern, lassen sich häufig direkt in römischen Siedlungen nieder – beispielsweise bleiben vermutlich zwei Drittel der römischen Landgüter in der Vorderpfalz auch zu jener Zeit bewohnt. Und die Franken, die Anfang des 6. Jahrhunderts in die Region kommen, setzen ohnehin häufig auf römisch Bewährtes. Die frühmittelalterliche Einteilung von Gauen und Bistümern folgt nicht selten den römischen „civitates“, Verwaltungseinheiten, die sich um die Hauptorte wie Worms oder Speyer zentrieren. Jene civitates sind auch Plattformen zur Steuererhebung – und in der Übernahme des römischen Steuersystems hat man inzwischen Übung: Die Franken, seit dem 3. Jahrhundert auch in römischen Diensten nachweisbar, übernehmen bei ihrer Expansion oft noch vorhandene Verwaltungsstrukturen. Und um 500 eben auch des Christentum, zunächst wohl mehr oder weniger. Man kann bei den letzten Dingen nicht vorsichtig genug sein.