Rheinland-Pfalz
Pfälzer Winzer von US-Strafzöllen betroffen
Ab Freitag gelten Strafzölle der USA auf europäische Lebensmittel wie Wein, Käse oder Schinken. Für Weingüter mit hohen US-Exporten kann das zum Problem werden. Auch für die Pfalz ist der US-Markt nicht unbedeutend.
25 Prozent Zuschlag auf verschiedene Lebensmittel verlangt die US-Regierung ab heute. „Durch das US-Steuersystem mit Umsatzsteuer und Alcohol tax erhöht sich der Preis einer Flasche Wein dann um bis zu 50 Prozent“, erklärt Steffen Christmann, Bundesvorsitzender des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) und Winzer des Gimmeldinger Weinguts Christmann. Sein Weingut hat Glück, da die Jahresmenge an die US-Importeure für dieses Jahr schon verkauft wurde. Ihn persönlich träfen die Strafzölle erst im nächsten Jahr. „Für uns ist das kein unbedeutender Markt, aber auch kein existenzieller“, sagt Christmann. 3 bis 4 Prozent der Ernte gingen in die USA. Er habe sein Exportgeschäft bewusst breit aufgestellt und exportiere in 40 Länder, um Situationen wie diese zu vermeiden.
„Das würde uns schon treffen“
Für die pfälzischen im VDP organisierten Betriebe schätzt Christmann den Anteil der Ernte-Exporte in die USA im Durchschnitt auf rund 10 Prozent. Beim Weingut Darting in Bad Dürkheim sind es beispielsweise auch rund 10 Prozent der Ernte. Das ist fast die Hälfte des gesamten Exportgeschäfts der Dürkheimer, schätzt Heike Darting, die bei dem Weingut für den Export zuständig ist. „Die Strafzölle würden uns schon treffen“, sagt Darting, gerade weil die Preise ihrer Weine im normalen und nicht im Luxus-Marktsegment angesiedelt seien. Doch auch sie haben glücklicherweise den Hauptteil des US-Exports in diesem Jahr vor Einführung der Strafzölle verkauft.
Auch die Ruppertsberger Winzergenossenschaft hat gewissermaßen Glück, wie Geschäftsführer Gerhard Brauer berichtet. Die Ruppertsberger seien eher in Skandinavien und im Baltikum aktiv und haben keine Exporte in die USA. Brauer, Vorsitzender des Verbands deutscher Weinexporte, schätzt, dass drei Viertel der Exporte in die USA mit geschützter Ursprungsbezeichnung aus den Gebieten Mosel und Rheinhessen stammen. Die USA gelten daher als wichtigster Exportmarkt für deutsche Winzer. Einzelne Betriebe führen laut Steffen Christmann bis zu 70 Prozent der Ernte in die USA aus. Die deutschen Weinbauverbände kritisieren daher die Strafzölle und fordern die EU-Kommission dazu auf, den Handelsstreit zwischen der EU und den USA zu beenden.
Wichtigster Exportmarkt für Deutschland
Die Welthandelsorganisation hatte den USA die Strafzölle Anfang Oktober zugestanden, nachdem sie Subventionen der EU für den Flugzeughersteller Airbus für unzulässig erklärt hatte. Die Weinwirtschaft sieht sich nun als Spielball internationaler Handelskonflikte. „Das Ganze ist mit rationalen Maßstäben nicht zu messen“, kommentiert Gerhard Brauer die Situation. Er hofft, dass sich die Situation nicht noch weiter hochschaukeln werde. Steffen Christmann hofft auf ein Einschreiten der Bundesregierung. „Es kann ja nicht sein, dass der Weinbau die Zeche zahlt für die Airbus-Subventionen“, sagt Christmann und spricht sich für eine Kompensation der Mehrkosten aus.
Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für deutsche Weine. Laut dem Deutschen Weininstitut sind im vergangenem Jahr rund 171.000 Hektoliter Wein im Wert von 71 Millionen Euro in die USA exportiert worden. Anbaugebiete wie Mosel und Rheinhessen sind stark abhängig vom US-Markt. Die hohe Abhängigkeit der Mosel und Rheinhessens vom Export in die USA hat historische Gründe, wie Gerhard Brauer sagt und nennt als Beispiel die rheinhessischen Liebfrauenexporte.
„Ich bin entsetzt“
Auch der Präsident des Deutschen Weinbauverbands, Klaus Schneider, äußert sich in einer Stellungnahme zu den US-Strafzöllen gegenüber der RHEINPFALZ. „Wir gehen davon aus, dass es zu einer erheblichen Verringerung der Geschäftstätigkeit und damit zu erheblichen Auswirkungen für den deutschen und europäischen Weinexport kommen wird.“ Laut Schneider gehen 23,3 Prozent des Gesamtwertes deutscher Weinexporte in die USA. „Ich bin entsetzt, dass landwirtschaftliche Produkte wie Wein in diesen Konflikt verwickelt werden, der von anderen Sektoren verursacht wurde und wir so die Leidtragenden von Vergeltungsmaßnahmen sind“, so Schneider weiter. Die Weinwirtschaft hofft nun darauf, dass die EU-Kommission eine Lösung des Handelsstreits findet und die Bundesregierung die negativen Auswirkungen der Strafzölle ausgleichen wird.