Rheinland-Pfalz Pfälzer Unternehmer planen größtes Hai-Aquarium Europas

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Sandtigerhai im Ozeaneum von Stralsund.

20,5 Millionen Euro soll das Aquarium im südhessischen Pfungstadt kosten. Tierschützer organisieren den Widerstand gegen das Projekt.

Pfungstadt/Grünstadt. „Shark City“ soll das Riesenaquarium heißen: Stadt der Haie. Die Dimension des Vorhabens ist in der Tat großstadtmäßig: Die Becken von „Shark City“ in Pfungstadt werden nach den Planungen auf zwei Ebenen ein Volumen von 14,5 Millionen Liter haben – das ist 32 mal so viel wie die Bassins im 2005 eröffneten „Sea Life“ in Speyer fassen. Das größte Einzelbecken misst 38 x 23 x 12 Meter, etwa 150 Haie sollen in „Shark City“ zu sehen sein – die Initiatoren rechnen mit rund 550.000 Besuchern pro Jahr. Die Pfungstadter Kommunalpolitiker finden das Vorhaben, das Arbeitsplätze und Gewerbesteuer verspricht, über alle Fraktionen hinweg großartig. Im Juni befürwortete der Hauptausschuss einstimmig den Verkauf eines rund 21.000 Quadratmeter großen städtischen Grundstücks an die Investoren. Diese Woche beschloss der Stadtrat eine Bebauungsplanänderung – ebenfalls einstimmig –, die das Projekt auf diesem Areal rechtlich ermöglicht. Doch Tierschützer machen seit Wochen gegen „Shark City“ mobil, für sie ist das geplante Ozenarium ein „Hai-Gefängnis“. Die Gegner haben inzwischen über 3000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, die Anfang August Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch (SPD) übergeben wurden. Vermutlich im November könnte es zum Bürgerentscheid über das Projekt kommen. Hinter „Shark City“ steht die in Grünstadt ansässige „The Seven Seas Aquarium GmbH & Co. KG“, die von den Jungunternehmern Thomas Walter (36, Grünstadt) und Thiemo Walt (35, Offstein) gegründet wurde. Als Zoologischen Leiter haben sich die beiden inzwischen Alexander Dressel (32) ins Boot geholt, der zuvor unter anderem Teamleiter für das Aquarium im Ozeaneum Stralsund war. Walter und Walt selbst hatten in der Aquaristikbranche bereits acht Jahre lang mit einem Onlinehandel und einem Ladengeschäft in Grünstadt Erfahrungen gesammelt. „Wir haben damals mit Leidenschaft für Kunden Aquarien eingerichtet und auch die Pflege übernommen“, sagt Walter. Mitte 2014 reifte dann aber die Überlegung, geschäftlich in das maritime Thema größer einzusteigen: mit einem Schau-Aquarium. Nach Gesprächen mit Planern, Architekten, Biologen und Aquaristikern sei man zu der Überzeugung gekommen, dass eine solche Unternehmung, wenn sie richtig gemacht werde, wirtschaftlich erfolgreich sei, sagt Walter. Doch das Projekt hat für die Initiatoren auch eine ideelle Komponente: den Schutz der Haie. Jährlich würden mindestens 100 Millionen Haie getötet, rund 70 Millionen davon nur für das Hai-Finning – also das Abtrennen der Rückenflossen, die dann vor allem in China zu Haifischflossensuppe verarbeitet werden. „Shark City“ soll die Menschen deshalb für den Schutz der Haie und der Meere sensibilisieren. „Wir wollen mit den Tieren Wissenvermitteln und das bei den Besuchern nachhaltig verankern“, sagt Walter. Natürlich könne man für dieses Thema auch mit 3-D-Animationen, Vorträgen oder Dokumentationen werben; die Begegnung live mit den Haien sei jedoch „ein ganz anderes Kaliber“. Als Schirmherrn und Unterstützer für „Shark City“ konnten die Unternehmer den Schweizer Biologen Erich Ritter gewinnen, der einer der bekanntesten Hai-Verhaltensforscher ist. Seine Botschaft: „Stirbt der Hai, stirbt das Meer und stirbt das Meer, sterben wir.“ Als es an die Standortsuche für „Shark City“ ging, waren sich die Pfälzer Walter und Walt schnell über eines einig: „Wir wollen nicht umziehen, wir fühlen uns dort, wo wir wohnen, sehr wohl.“ So wurde eine Liste von A- und B-Standorten erstellt, die in erreichbarer Nähe waren. Umgeschaut habe man sich auch in Kaiserslautern, wo es Grundstücke gegeben hätte, und in Haßloch, wo von der Nähe des Holiday Parks Synergieeffekte zu erwarten gewesen wären. Doch die Flächen neben dem Freizeitpark seien eher für die Hotellerie vorgesehen, habe sich letztlich herausgestellt. Die erste Wahl fiel daher zunächst auf Sinsheim, eine Machbarkeitsstudie habe diesem Standort wegen seiner guten Erreichbarkeit und Bekanntheit ein gutes Potenzial bescheinigt, sagt Walter. Doch das Baugenehmigungsverfahren zog sich hin, die Stadt hielt schließlich die Ausweisung eines Sondergebiets für das Großaquarium für erforderlich – was weitere Verzögerungen bedeutet hätte. Walter: „Da haben wir gesagt, wir ziehen die Reißleine, wir brauchen Klarheiten und Verbindlichkeiten.“ Die glauben sie nun in Pfungstadt gefunden zu haben. Der dortige Bürgermeister ist entschlossen, das Projekt auch gegen Widerstände durchzufechten. Wenn Tierschützer argumentieren, artgerecht für Haie sei nur die Freiheit und nicht ein auch noch so großes Becken, in dem sie nur im Kreis schwimmen könnten, dann kontert Bürgermeister Koch dies so: „Genauso wenig, wie ein Haifisch in ein Aquarium gehört, gehören ein Wellensittich oder ein Meerschweinchen in einen Käfig. Das ist eine Ideologiefrage. Ich kann diese Meinung respektieren. Wenn ich so denke, dann darf ich weder Tiere halten, noch tierische Produkte zu mir nehmen.“ Doch es geht nicht nur um Grundsätzliches. Sondern auch darum, welche Haie in „Shark City“ präsentiert werden. Walter und Dressel beteuern: Nur zu einem geringen Teil sollen es sogenannte „Wildfänge“ sein – also Tiere, die aus dem Meer geholt werden. 85 Prozent der Haie würden vielmehr aus Nachzuchten oder aus anderen Aquarien stammen, für die sie zu groß geworden seien. Bei der Tierschutzorganisation „Sharkproject“ heißt es dagegen, es gebe „so gut wie keine erfolgreichen Zuchtprogramme von Großhaien“. Für Dressel ist diese Aussage ein Beispiel dafür, dass die Diskussion auf der Kritikerseite oft mehr von Emotionen als von Fakten bestimmt wird. „Für Leute, die sich auskennen, ist es nicht schwer, in professionellen Aquarien Haie zu züchten“, sagte der Ex-Teamleiter aus dem Ozeaneum Stralsund. Die meisten Haie seien aber erst in den vergangenen zehn Jahren in die Aquarien gekommen, da sie erst im Alter von sechs bis acht Jahren geschlechtsreif seien, käme es erst jetzt zu Nachzuchten. Das Finanzierungskonzept für „Shark City“ sieht Fremdkapital in Höhe von zwölf Millionen Euro vor, für die sich die Grünstadter „The Seven Seas Aquarium GmbH & Co. KG“ hessische Landesbürgschaften erhofft. Knapp 7,6 Millionen Euro wollen die Initiatoren und ihre Familien per Eigenkapital schultern, den Rest sollen die Betreiber der geplanten Erlebnisgastronomie beisteuern. Der Eintrittspreis für Erwachsene liegt laut Kalkulation bei 19.50 Euro – zum Vergleich: im Holiday-Park sind es 30.99 Euro, im Sea Life Speyer regulär 16,50 Euro. Auch die Kritiker gehen davon aus, dass die erwarteten 550.000 Besucher wohl im ersten Jahr zu erreichen sind, der Zuspruch dann aber rückläufig sein könnte, „weil immer mehr Menschen erkennen, dass man solche Tiere nicht in ein Gefängnis stecken kann.“ In Coburg hatte das Aquarium „Sea Star“ nach zehn Jahren aus finanziellen Gründen schließen müssen. Nur über den Eintritt sei eine solche Einrichtung nicht zu finanzieren, sagte damals Betreiberin Regine Bartsch mit Verweis auf die hohen Energiekosten. Den Coburger Fall könne man keineswegs auf das Projekt in Pfungstadt übertragen, meint dagegen Alexander Dressel, der „Sea Star“ aus eigener Anschauung kannte: „Das war nie ein Schau-Aquarium, sondern anfangs eine Eingewöhnungs- und Zuchtstation, die zudem mitten im Wohngebiet lag“. In der Tat hatte „Sea Star“ lediglich ein Wasservolumen von rund 200.000 Liter. „Das wird bei uns das kleinste Becken haben“, sagt Dressel. Ab Baubeginn rechnet Walter für „Shark City“ mit einer Realisierungszeit von zwölf bis 14 Monaten. Der mögliche Bürgerentscheid beeinflusse die Planungen nicht, die gingen weiter. Die lange Phase bis zur Eröffnung sei bei den Vorlaufkosten einkalkuliert. Walter: „Dass wir da Puffer drin haben, bewährt sich jetzt.“

Info

http://shark-city.de/

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Thomas Walter
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Alexander Dressel
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