Rheinland-Pfalz
Pfälzer Forschungsprojekt: Kokosmark und Kompost als Ersatz für Torf?
In der Landwirtschaft spielt Torf beim Gemüseanbau eine wichtige Rolle. Aber die Ressource kann in Deutschland nicht unbegrenzt abgebaut werden. Am Queckbrunnerhof in Schifferstadt, einem Ableger des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, forschen Sebastian Weinheimer und Frieder Leo Lutz deshalb nach Ersatzstoffen.
Seit Anfang 2018 arbeiten Sebastian Weinheimer, promovierter Gartenbauingenieur, und Diplom-Agrarbiologe Frieder Leo Lutz an dem Forschungsprojekt, das auf drei Jahre angelegt ist. Ihr Ziel: den Torfverbrauch im Gemüseanbau reduzieren. Bislang spiele Torf für Jungpflanzenbetriebe und Gemüsebauern – auch in der Pfalz – eine wichtige Rolle, erklärt Lutz. „Die Jungpflanzenbetriebe stellen daraus sogenannte Erdpresstöpfe her. Der Schwarztorf wird mit Dünger versetzt und zu einer Art Blumentopf gepresst, in dem Jungpflanzen herangezogen werden.“ Diese würden anschließend an die Landwirte verkauft, die die Jungpflanzen mitsamt den „Töpfen“ auf ihren Äckern einpflanzen.
Kohl ist anspruchsvoller als Salat
„Ein Vorteil ist, dass dadurch keine Abfallprodukte entstehen“, berichtet Weinheimer. Schwarztorf sei in seiner Zusammensetzung zudem besonders beständig. „Das Produkt, das die Jungpflanzenbetriebe bekommen, ist immer gleich. Und da Torf nährstoffarm ist, können die Betriebe ihm die Nährstoffzusammensetzung als Dünger zufügen, die für die jeweiligen Kulturen gebraucht werden.“ Das sei wichtig, denn unterschiedliche Pflanzen hätten auch unterschiedliche Bedürfnisse. So habe Kohl zum Beispiel prinzipiell einen höheren Bedarf an Nährstoffen als Salat.
Reserven möglichst lange strecken
Neben den Vorteilen gibt es allerdings auch Schwierigkeiten. „Das Ende des Torfabbaus in Deutschland ist in Sicht“, sagt Weinheimer. Niedersachsen, bislang einer der größten Torflieferanten, habe den Abbau in den vergangenen Jahren bereits stark eingeschränkt. „Es geht nun darum, die Reserven, die es noch gibt, möglichst lange zu strecken“, erklärt Lutz. Deshalb sollen die Erdpresstöpfe künftig nicht mehr nur aus Torf bestehen, sondern mit Ersatzstoffen angereichert werden.
Stein der Weisen noch nicht gefunden
Um einen vollständigen Verzicht auf Torf geht es bei dem Projekt des DLR nicht. „Daran arbeiten andere Leute schon wesentlich länger als wir, und die haben den Stein der Weisen auch noch nicht gefunden“, sagt Weinheimer.
Und auch die Suche nach Ersatzstoffen gestaltet sich nicht ganz so einfach, denn die Möglichkeiten seien begrenzt. „Wir müssen den Gemüsebauern einen Topf anbieten, der von allein zusammenhält, in dem die Jungpflanze optimal wachsen kann und der maschinell auf einem Acker ausgepflanzt werden kann“, beschreibt Lutz die Anforderungen. Getestet haben er und sein Kollege bereits mehrere Stoffe – einige mit mehr, andere mit weniger Erfolg.
Verschiedene Mischungen ausprobiert
„Wir haben zum Beispiel Rohrkolbenhäcksel ausprobiert, die waren aber zu strohig und faserig“, berichtet Lutz. „Bei vielen Stoffen scheitert es dann auch am Preis und an der Verfügbarkeit.“ Mittlerweile arbeiten er und sein Kollege mit Kompost, Holzfaser, Kokosmark und Tonmehl. Diese werden in unterschiedlichen Konstellationen mit dem Torf gemischt.
Unberechenbarer Kompost
„Anfangs haben wir bei allen Varianten Kompost zugegeben, damit haben wir nicht nur gute Ergebnisse erzielt“, informiert Lutz. Kompost sei unberechenbar, da er sich im Laufe des Jahres verändere. „Im Winter ist mehr Holzanteil dabei, im Sommer dafür mehr Rasenschnitt“, erklärt Weinheimer. „Wenn sich der Kompost verändert, verändert sich auch das Wachstum der Jungpflanzen. Die Betriebe wollen aber immer das gleiche Ergebnis haben.“
Praxistauglichkeit ist entscheidend
Das Forschungsprojekt, das mit 300.000 Euro vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird, läuft noch bis Ende 2020. Bis dahin wollen Weinheimer und Lutz ein Mischverhältnis finden, das es möglich macht, den Torf zum Teil zu ersetzen und dabei trotzdem optimale Bedingungen für die Anzucht von Jungpflanzen bietet. Dabei sei den beiden vor allem eins wichtig: „Wir machen hier keine Grundlagenforschung, sondern brauchen Ergebnisse, die praxistauglich sind“, betont Weinheimer.