Rheinland-Pfalz Per Rundruf zur Radarfalle

RAMMELSBACH/MAINZ. An 122 Kontrollstellen in der Pfalz baut die Polizei heute Radarfallen auf. Wo sie beim Blitz-Marathon auf der Lauer liegen sollen, haben sich die Beamten von Bürgern vorschlagen lassen. Die konnten im Internet Standorte benennen. Am häufigsten nominiert wurde eine Straßenkreuzung in einem Dorf mit nur 1600 Einwohnern. Ihr Bürgermeister verrät, warum die Rammelsbacher beim Blitzer-Wünschen so eifrig waren.
Nachbars Katze hat es schon erwischt. Aber es hätte auch ein Kind sein können, sagt Anna Kalfas. Sie wohnt in Dannstadt-Schauernheim (Rhein-Pfalz-Kreis). Dort sind im Assenheimer Weg eigentlich nur 30 Stundenkilometer erlaubt. Aber kaum jemand hält sich daran, meint die Frau. Deshalb, findet sie, müsste dort unbedingt mal eine Radarfalle aufgestellt werden. Vielen Rheinland-Pfälzern geht es ähnlich. Übers Internet haben sie für den heutigen Blitz-Marathon rund 2500 Kontrollstellen vorgeschlagen. Gut 20 europäische Länder machen diesmal mit. In Rheinland-Pfalz werden gut 500 Polizisten von 6 Uhr bis Mitternacht an 345 Standorten ihre Messstellen aufbauen. 122 davon liegen in der Pfalz. Sämtliche Standorte hat die Polizei gestern Nachmittag im Internet bekanntgegeben. Denn zumindest an diesem Aktionstag geht es ihr weniger darum, Temposünder tatsächlich zu erwischen und zu bestrafen. Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagt: „Mit dem Blitz-Marathon wollen wir Autofahrer für eine angepasste Fahrweise sensibilisieren. Zeitgleich signalisieren wir, dass wir mit aller Härte gegen Raser vorgehen.“ Monika Gaß, die Sprecherin des ADAC Pfalz, findet diesen Ansatz gut: „Das ist fair so.“ Denn manchmal sähen Radarfallen schon nach Abzocke aus – zum Beispiel, wenn sie an Stellen aufgebaut werden, an denen kaum einmal ein Unfall passiert. Beim Blitz-Marathon dagegen sei klar, dass es nicht ums Geldmachen geht. Und der Aktionstag kommt an, zumindest bei Anwohnern, die sich über Raserei vor ihrer Haustür beklagen. „2450 Meldungen für potenzielle Kontrollpunkte gingen bei der Polizei ein“, berichtet Innenminister Lewentz. „Das sind knapp 1000 Hinweise mehr als im vergangenen Jahr.“ Darunter sind auch einige Stellen, die gleich mehrfach vorgeschlagen wurden. Spitzenreiter in der Pfalz sind laut Innenministerium die Neustadter Lincolnstraße und der Ostring in Weisenheim am Sand (Kreis Bad Dürkheim) mit je sechs Nominierungen, die Bahnhofstraße in Rülzheim (Kreis Germersheim) mit sieben Nominierungen und die Ortsmitte von Rammelsbach (Kreis Kusel), die sich mit 17 Nominierungen weit vor alle anderen Pfälzer Wunsch-Stellen geschoben hat. In dem Dorf trifft die Kreisstraße 21 auf die B 420. Ortsbürgermeister Thomas Danneck (SPD) beschreibt eine gefährliche und unübersichtliche Kreuzung – mit einem Tempo-30-Limit, an das sich kaum jemand halte, und mit einer Ampel, deren Rotlicht Autofahrer regelmäßig ignorierten. Doch dieser Umstand allein hätte wohl kaum dafür gereicht, dass sich ausgerechnet ein Ort mit nur 1600 Einwohnern an die Spitze der Pfälzer Blitzer-Wunschliste setzt. Tatsächlich hat der Ortsbürgermeister auch kräftig dafür getrommelt, dass Anwohner die Stelle im Internet melden: „Ich hab’ da einen Rundruf organisiert.“ Am liebsten wäre ihm sowieso ein fest installierter Blitzer. Damit allerdings hat er sich bislang nicht durchsetzen können. Auf die Liste der Kontrollstellen für den Blitz-Marathon hat es die Rammelsbacher Ortsmitte nun aber immerhin geschafft. Auch die besonders oft benannten Stellen in Neustadt, Weisenheim am Sand und Rülzheim werden berücksichtigt. Bei Anna Kalfas in Dannstadt-Schauernheim dagegen wird heute keine Radarfalle aufgestellt. Die Anwohnerin hatte allerdings auch keine Chance, im offiziellen Nominierungsverfahren für den Blitz-Marathon auf ihre Straße aufmerksam zu machen. Die Frau wird bald 80 Jahre alt – und hat kein Internet.