Rheinland-Pfalz Oh Rieslingschorleeeeeee

Rieslingschorle.
Rieslingschorle.

Sapperlot: Wie der Pariser Pracht-Boulevard das Pfälzer Nationalgetränk beflügelt

In zweieinhalb Stunden kann man mit den ICE oder TGV von der Pfalz nach Paris düsen. Und Eiffelturm, Notre Dame, Montparnasse oder die Champs-Élysées sehen. Zweieinhalb Stunden braucht auch der Pfälzer, der von der Weinstraße hoch zur Kalmit wandert. Vom höchsten Berg im Pfälzerwald kann man ebenfalls viel sehen: die Rheinebene, den Speyerer Dom, mit etwas Glück den Schwarzwald. Der Neustadter Gymnasialprofessor Christian Mehlis (1850-1933), ein umtriebiger Tausendsassa der Pfälzer Heimatkunde, hatte vor hundert Jahren sogar berichtet, er habe an einem kalten Wintertag bis zu den Berner Alpen, also zu Jungfrau und Mönch, blicken können. Das haben Experten inzwischen widerlegt: Dieses Alpen-Panorama sei von der Kalmit nur zu erhaschen, wenn man den Schwarzwald 600 Meter tieferlegen würde. Oder auf der Kalmit einen 1200 Meter hohen Turm errichten würde.

Heimliche Achse Pfalz-Paris

Eines hatte freilich selbst Mehlis nicht behauptet: dass man am höchsten Pfälzerwald-Gipfel ein Stück Paris gewahr werden kann. Und doch gibt es eine heimliche Achse Pfalz-Paris. Heinz Illner, der frühere Präsident der Vereinigung Pfälzer Kletterer, hat sie entdeckt. Illner ist mit zwei Musikerfreunden regelmäßig im Pfälzerwald unterwegs – in den Hütten spielt das Trio gerne seine Pfälzer Lieder. Und vor allem bei einem Song singen die Gäste meist lautstark mit: „Oh Rieslingschorlé“. Bei Illner klingt dies stets wie „Rieslingschorleeeee“. Mit ganz langem „e“. Sapperlot! Das liegt daran, dass die Melodie von einem französischen Chanson stammt: „Aux Champs-Élysées“. Diese 1969 erschienene Liebeserklärung an Paris war einer der größten Hits von Joe Dassin (1938-1980) gewesen. Auch er dehnt das „e“ wie Kaugummi. Bei dem französischen Chansonsänger geht es im Text um eine unbekannte Schöne, mit der er durch die Pariser Nacht zieht und in die er sich bis zum Morgen Hals über Kopf verliebt hat. In Illners pfälzischer Version von „Aux Champs-Élysées wird ein völlig anderes Zusammentreffen besungen: „Ich bin allä im Pälzerwald, es war net häß un a net kalt; do kam ich uff die Kalmit nuff, dort sah ich ihn steh: Oh Rieslingschorlé, Oh Rieslingschorlé, ob Sonne scheint, ob Rege drobst, ganz egal, Du schmeckscht mer doch ...“

Hauptstadt oder Pfälzerwaldhütte

Das Wetter war auch Joe Dassin egal: „Au soleil, sous la pluie, à midi ou à minuit, il y a tout ce que vous voulez aux Champs-Elysées – In der Sonne oder im Regen, am Mittag oder um Mitternacht, gibt es alles, was das Herz begehrt, auf den Champs-Élysées“. Also fast alles: Denn ob entlang des Pariser Pracht-Boulevards auf einem Bistrotisch ein Schoppen Pfälzer Rieslingschorle anzutreffen ist, davon berichten weder Joe Dassin noch Heinz Illner etwas. Da hilft nur eines: selbst nachschauen. In zweieinhalb Stunden wäre man dort. Oder auf der Kalmit ... Info Heinz Illners „Oh Rieslingschorlé“ ist gerade auf einer CD („Hoinz immer debei“) zusammen mit fünf weiteren Liedern erschienen. Erhältlich ist sie unter anderem in mehreren Pfälzerwald-Hütten wie Hellerhütte, Weinbiethaus, Bärenbrunnerhof oder Jung-Pfalz-Hütte.

Champs-Élysées.
Champs-Élysées.
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