Rheinland-Pfalz Nicht nur Wohltaten für Ältere

Lässt an der Rentenpolitik der „Groko“ in Berlin kein gutes Haar: JU-Landeschef Jens Münster.
Lässt an der Rentenpolitik der »Groko« in Berlin kein gutes Haar: JU-Landeschef Jens Münster.

«MAINZ.» Junge Leute gehen für eine klimafreundliche Politik auf die Straße (Fridays for Future). Sie engagieren sich für Themen, die ihnen wichtig sind. Mit den etablierten Parteien hat die Jugend offenbar weniger am Hut. Nicht zuletzt bei der Europawahl im Juni ist es vor allem CDU und SPD kaum noch gelungen, junge Menschen für ihre Sache zu gewinnen. Den Draht zu ihnen sollen die Jugendorganisationen der Parteien spannen. Wir haben hingeschaut und berichten zum Auftakt über die Junge Union.

In den Parlamenten sitzen zu wenig junge Leute, beklagt Jens Münster. Er zielt auch auf seine CDU. Im rheinland-pfälzischen Landtag altern die Christdemokraten in der Opposition. Wer einmal ein Mandat ergattert hat, darf bei der nächsten Kandidatenaufstellung einen möglichst sicheren Listenplatz beanspruchen. So sind die Gepflogenheiten vor allem in den großen Parteien. Hinzu kommt: In der CDU durften sich vor der Landtagswahl 2016 angesichts damals guter Umfragewerte viele „alte Hasen“ Hoffnung machen, nach Jahren in der Opposition doch noch zu einem Amt im Regierungsapparat zu kommen. Daraus wurde nichts. Die CDU hat den Wahlsieg verpasst, und in der Opposition sind die Wege ganz nach oben versperrt. Eine der Folgen: Ellen Demuth aus Linz am Rhein schaffte den Sprung in den Landtag 2011 im Alter von 29 Jahren. Inzwischen ist sie 37 und damit die Jüngste in den Reihen der CDU-Fraktion. Auch im kommenden Wahlkampf werde die Junge Union (JU) wieder viel Knochenarbeit leisten, sagt Jens Münster. Das müsse sich in der künftigen Kandidatenliste widerspiegeln. Münster ist Landesvorsitzender der Jungen Union. Der 28-Jährige meint es ernst. Er weiß, dass die CDU Probleme hat, in seiner Generation Punkte zu sammeln. Aber Münster ist kein Revoluzzer. Er kennt die Regeln, ist selbst auf dem Weg nach oben. Münster wurde im 500-Einwohner-Dorf Altlay im Hunsrück geboren. Dort lebt er noch heute, pendelt jeden Tag nach Mainz, nennt sich ein „Landkind“. Seit mehr als einem Dutzend Jahren ist er in der CDU und in deren Nachwuchsorganisation. Längst zählt er zu den großen Talenten in der Landespartei. Seine Drähte reichen bis ganz nach oben. Jens Münster sitzt seit 2014 im Kreistag Cochem-Zell. Kreisvorsitzende der Partei ist dort die Landtagsabgeordnete Anke Beilstein. Sie war lange Jahre Vorsitzende der kommunalpolitischen Vereinigung auf Landesebene und ist inzwischen bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. Außerdem gehört Beilstein seit wenigen Wochen zum Kreis der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Jens Münster ist Beilsteins B-Kandidat im Landtagswahlkreis Cochem-Zell, würde in den Landtag nachrücken, schiede die 53-Jährige aus dem Parlament aus. Auch Münster hat es mit der Bildungspolitik. Seit 2014 sitzt er im Landesvorstand der Jungen Union, hat sich dort zunächst mit diesen Themen beschäftigt. Seit Herbst ist er als Nachfolger des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Steiniger Landesvorsitzender des CDU-Nachwuchses. Durchgesetzt hat er sich gegen einen Mitbewerber aus der Pfalz. Anfangs war Münster Kandidat einer Minderheit. Der Machtkampf um die Spitzenposition habe ihn gestärkt und reifer gemacht, sagt er. Der 28-Jährige aus dem Hunsrück hat Geschichte und Mathematik studiert. Die ursprünglich geplante Lehrerlaufbahn liegt auf Eis. Münster arbeitet unter den Fittichen von Andreas Rödder an seiner Doktorarbeit. Der Mainzer Geschichtsprofessor hegt selbst politische Ambitionen. Hätte CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner 2016 im Falle ihres Siegs bei der Landtagswahl einen Bildungsminister auszusuchen gehabt, wäre es wohl Rödder geworden. Jens Münster indes sitzt statt am Lehrerpult seit April hinter einem Schreibtisch in der CDU-Landtagsfraktion. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet er dem Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf und dessen Parlamentarischem Geschäftsführer Martin Brandl zu. Und wie will Münster, der das Ohr längst im Zentrum der Macht hat, mit seiner JU junge Leute für die Politik gewinnen? Die CDU müsse im weltweiten Netz anders auftreten, fordert Münster. Eine Homepage allein reiche längst nicht mehr. Die Partei müsse Diskussionen und Kritik in den sozialen Netzwerken ernstnehmen. Auch an der Rentenpolitik der Großen Koalition in Berlin – und damit der CDU – lässt der JU-Landeschef kein gutes Haar. Die 2014 von Schwarz-Rot beschlossene Erhöhung der Mütterrente und die gleichzeitige Einführung der abschlagsfreien Rente ab 63 für langjährig Beschäftigte seien langfristige Lasten, die sich Deutschland nicht leisten könne. Statt Politik allein für ältere Wähler sei eine Debatte um die weitere Anhebung der Lebensarbeitszeit notwendig. Von der Landespolitik fordert der CDU-Nachwuchs mehr Anstrengungen, das Leben auf dem Land attraktiver zu machen. Die JU sei ein „heterogener Haufen“, sagt Jens Münster. Wer zwischen 16 und 35 Jahre alt ist, kann Mitglied werden. Das CDU-Parteibuch ist nicht Voraussetzung. Die JU zählt in Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben rund 6000 Mitglieder. Die Anzahl ist leicht rückläufig. Jedes zweite Mitglied gehört nicht der CDU an (39.000 Mitglieder landesweit). Genau wie die Mutterpartei ist die JU in 36 Kreisverbänden organisiert. Sie alle seien aktiv, sagt der Landesvorsitzende.

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