Rheinland-Pfalz
Neuer Zehnjahresplan für den Pfälzerwald
Bildung, nachhaltiger Tourismus, Forschung: Das sind einige der Schwerpunkte, die im Biosphärenreservat bis zum Jahr 2028 angepackt werden sollen. Sechs Millionen Euro sind eingeplant. Gestern gab der pfälzische Bezirkstag dafür grünes Licht.
Im Biosphärenreservat Pfälzerwald wird in Zehn-Jahres-Schritten gedacht. Das neue „Handlungsprogramm“ soll dafür den Weg weisen. Trotz seines Umfanges von elf Seiten gebe das Papier aber nur „eine grobe Zielrichtung vor, damit wir flexibel sein können“, erläuterte Friedericke Weber, die Direktorin des Biosphärenreservates, gestern in der Bezirkstagssitzung in Frankenthal. Bewährtes wie die deutsch-französischen Bauernmärkte oder gerade Angefangenes wie das Sternenpark-Projekt werden laut dem Programm fortgeführt. Ein Schwerpunkt wird nach Webers Worten auf grenzüberschreitenden Projekten liegen. So soll nun auch im Pfälzerwald mit einem „fotografischen Landschaftsmonitoring“ begonnen werden. Dabei werden bestimmte Ansichten in größeren zeitlichen Abständen fotografiert. Ziel ist es, Veränderungen des Landschaftsbildes zu dokumentieren um festzustellen, „welche Entwicklungen was ausgelöst haben“, sagte die Direktorin. Ein solches Projekt läuft in den französischen Nordvogesen bereits seit etwa 20 Jahren.
5,1 Millionen Euro steuert das Land bei
Allein 750.000 Euro sollen laut dem Programm im kommenden Jahrzehnt für Beschilderung, Lehrpfade und Informationen ausgegeben werden. Im Bereich Bildung wird eine halbe Million Euro in die geplante Biosphärenakademie fließen, die in der Pfalzakademie in Lambrecht entstehen soll. 300.000 Euro sind für Vernetzung und Marketing-Aktivitäten des nachhaltigen Tourismus vorgesehen. Allein 5,1 Millionen Euro der insgesamt sechs Millionen Euro an Programm-Geldern wird das Land beisteuern. Der stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende Klaus Weichel (SPD) bescheinigte Friedericke Weber und ihrem Team, „Großartiges“ geleistet zu haben. An der Erarbeitung des Programmes seien interessierte Bürger beteiligt worden. Damit sei es gelungen, Akzeptanz zu schaffen. Es sollte mehr als bisher im Pfälzerwald mit Hilfe von Infotafeln beispielsweise über die besonders geschützten Kernzonen informiert werden, forderte Günter Eymael (FDP). Brigitte Freihold (Linke) kritisierte, dass mit den für das Handlungsprogramm vorgesehenen sechs Millionen Euro das Biosphärenreservat unterfinanziert sei. Deshalb enthielt sich Freihold bei der Abstimmung als einziges Bezirksmitglied. Seit der Bezirksverband vor fünf Jahren die Trägerschaft über das Biosphärenreservat übernommen hat, „ist mehr passiert als in den zehn Jahren davor“, lobte dagegen Ruth Ratter (Grüne). Mit dem neuen Programm stünden 20 Prozent mehr Finanzmittel zur Verfügung. „Wir haben keine Allzuständigkeit für den Pfälzerwald“, reagierte der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (CDU) auf Freihold. Zusätzlich zu den sechs Millionen Euro seien über das Hirtenwege-Programm des Bundes weitere bis zu 15 Millionen Euro zu erwarten. Bei diesem Projekt werden „Offenlandbiotope“ wie Wiesen etwa erhalten. Darüber hinaus hat der Bezirksverband seit Anfang vergangenen Jahres mit 150.000 Euro die Sanierung von Hütten des Pfälzerwald-Vereins (PWV) und der Naturfreunde unterstützt, fügte Wieder hinzu. Dabei seien Maßnahmen bezuschusst worden, die aufgrund verschärfter Vorschriften bei Brandschutz, Wasserver- und Abwasserentsorgung, Energie oder Hygiene notwendig wurden. So habe der Hahnberghütte der PWV-Ortsgruppe Zweibrücke eine „Nutzungsuntersagung“ gedroht. Für 68.000 Euro seien dort ein Feuerlöschtank, eine Fluchttreppe sowie ein Toilettenanbau geschaffen worden. Davon habe der Bezirksverband die Hälfte der Kosten übernommen. Bei der Keltenhütte der PWV-Ortsgruppe Kirchheimbolanden habe die Neuisolierung und Drainage des Kellers sowie die Thekensanierung angestanden. Dafür habe der Bezirksverband fast 21.000 Euro zugeschossen. Die Dachsanierung beim Naturfreundehaus Rahnenhof bei Carlsberg sei mit 30.000 Euro unterstützt worden. Das Förderprogramm für die Pfälzerwald-Hütten werde mit jährlich 100.000 Euro fortgesetzt, kündigt Wieder an.
Mitarbeiter beteiligen sich mit Ideen
Bei dem angelaufenen Projekt „Denkwerkstatt“ beteiligen sich die Mitarbeiter des Bezirksverbandes nach Wieders Worten rege mit Visionen und Ideen. Dieser Prozess diene der Zukunftsfähigkeit des Verbandes. Die Mitarbeiter wüssten besser als externe Beraterfirmen, „wo der Schuh drückt“, meinte SPD-Fraktionschef Günther Ramsauer. Im übrigen sei der Bezirksverband „unverzichtbar“. Brigitte Freihold (Linke) forderte in einem Antrag, in den Einrichtungen des Bezirksverbandes zu prüfen, ob sich dort noch von den Nazis geraubte Kunstwerke befinden. Der Bezirksverband habe bereits bei einigen Gemälden Wiedergutmachung geleistet, sagte der Bezirkstagsvorsitzende Wieder. Er sei auch unabhängig von Verjährungsfristen bereit, „faire und gerechte Lösungen herbeizuführen“. Er habe die Zentralverwaltung des Bezirksverbandes beauftragt, sich des Themas anzunehmen. Wie Wieder weiter informierte, wird es neun Monate bis ein Jahr dauern, bis das von einem Brand in Mitleidenschaft gezogene Gebäude des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern wieder funktionsfähig sein wird.