Rheinland-Pfalz Muskelegel in der Vorderpfalz
«MAINZ.» In Rheinland-Pfalz breitet sich offenbar der Dunker’sche Muskelegel aus. Der Parasit kann auch Menschen befallen und in Einzelfällen zu sehr schweren oder gar tödlichen Erkrankungen führen.
Dies berichteten Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) und der Präsident des Landesuntersuchungsamts (LUA), Stefan Bent, gestern in Mainz bei der Vorlage der jährlichen Tierseuchenbilanz. Demnach wurde der Muskelegel im Fleisch von Wildschweinen nachgewiesen, die ausnahmslos in der Nähe von Gewässern im Gebiet zwischen Alzey und Germersheim erlegt worden waren. Der Parasit benötigt als Wirtstiere nacheinander Wasserschnecken, Frösche und Fleischfresser. Menschen können sich laut LUA bei der Zubereitung oder beim Verzehr von unzureichend erhitztem Wildschweinfleisch infizieren. Es könne danach zu milden, aber auch tödlichen Krankheitsverläufen kommen. Solche seien in Deutschland bisher allerdings noch nicht beschrieben worden. Vergangenes Jahr sei bei zwei Wildschweinen der Muskelegel erstmals in Rheinland-Pfalz amtlich nachgewiesen worden. Danach habe eine Untersuchung von landesweit 180 erlegten Schwarzkitteln sechs positive Befunde im Bereich der Vorderpfalz ergeben. Bei der Untersuchung von Wildschweinen aus bestimmten Revieren auf Trichinen würde inzwischen routinemäßig auch nach dem Muskelegel gesucht. Beim Erhitzen des Fleisches werde der Erreger abgetötet. Problematisch könnten Rohwürste mit kurzer Reifezeit sein. Die „beste Nachricht“ sei im vergangenen Jahr aus Brüssel gekommen, sagte Höfken. Nach 20 Jahren staatlichen Kampfs gegen die Rinderseuche BHV1 (Rinder-Herpes) sei auch Rheinland-Pfalz von der EU als frei von dieser Tierkrankheit anerkannt worden. Das vereinfache den Export von Rindfleisch. Bei Rindern verursacht BHV1 vor allem Erkrankungen der oberen Luftwege; für Menschen ist das Virus ungefährlich. Eine Herausforderung für die gesamte Veterinärverwaltung sei 2016 die Vogelgrippe (H5N8) gewesen, sagte Höfken . Der europaweite Ausbruch klinge ab. In Rheinland-Pfalz wurde das Virus in 22 Fällen bei Wildvögeln und einmal in einem Hausgeflügelbestand nachgewiesen. Acht Gänse wurden zur Seuchenbekämpfung getötet „Wir hatten Glück“, sagte Höfken. Der Landesverband der Rassegeflügelzüchter hatte die Lockerung von Vorschriften gefordert. Es dürfe keine Tötung von Tieren auf Verdacht geben. Höfken will bei einem „Runden Tisch“ Anfang Juli mit Betroffenen das Thema Bekämpfung der Vogelgrippe diskutieren. Erstmals im Land nachgewiesen wurde 2016 das für Menschen ungefährliche, aber für Hunde oft tödliche Staupevirus. Das LUA rät zur Impfung vor allem von Jagdhunden.