Rheinland-Pfalz Ministerin Hubig plant mehr Sozialkunde

«MAINZ.» Die rheinland-pfälzische Landesregierung will in den Schulen die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus stärken und den Schülern mehr über die Vorzüge der Demokratie vermitteln. Dafür soll unter anderem der Sozialkundeunterricht deutlich ausgeweitet werden.
Dies kündigte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in einer Regierungserklärung gestern im Landtag an. Demnach soll Sozialkunde ab dem kommenden Schuljahr um zwei Wochenstunden ausgebaut werden. In der Regel werde dieses Fach künftig ab der 8. Klasse unterrichtet, also ein Jahr früher als zurzeit. In der letzten Klassenstufe der Mittelstufe, also in der 9. oder 10. Klasse je nach Schulart, wird Sozialkunde dann zwei Stunden statt bisher eine Stunde auf dem Stundenplan stehen. Im Fach Gesellschaftslehre will Hubig den Anteil politischer Bildung erhöhen. Außerdem will sie sicherstellen, dass auch in der Oberstufe der Gymnasien alle Schülerinnen und Schüler Sozialkunde belegen. Laut Ministerin bedeuten die Reformpläne in der Mittelstufe ein Plus von 70 Sozialkundestunden pro Schüler. Landesweit seien 50 zusätzliche Planstellen für Sozialkunde-Lehrer vorgesehen. Die CDU-Opposition hatte in der Vergangenheit wiederholt Mängel beim Sozialkunde- und Geschichtsunterricht kritisiert. Fraktionsvorsitzender Christian Baldauf forderte gestern, den Unterricht in diesen beiden Fächern „auch tatsächlich zu erteilen“. Auch der Koalitionspartner FDP war mit Forderungen nach mehr Sozialkunde bei der SPD zunächst auf taube Ohren gestoßen. Die FDP-Abgeordnete Helga Lerch lobte „das Einsehen“ des Koalitionspartners. Demokratie sei nicht selbstverständlich. Jede Generation müsse sie neu erlernen, leben und verteidigen, sagte Ministerin Hubig. Für die Demokratiebildung werde das Land zusätzlich mehr als vier Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stellen. Wichtige Ziele aus dem Programm, das unter der Überschrift „Demokratie macht Schule“ steht: Alle jungen Leute in Rheinland-Pfalz sollen im Laufe ihrer Schulzeit mindestens einmal eine Gedenkstätte für die Gräuel der Nazis besuchen oder sich mit Zeitzeugen beschäftigen. Gedenkarbeit soll verpflichtender Bestandteil der Lehrerausbildung werden. Auch die Ausweitung des Sozialkundeunterrichts soll helfen, die jungen Leute gegen extremistische Beeinflussung von links und rechts zu wappnen. Ein neues Schulgesetz soll den Schülern mehr Mitwirkungsmöglichkeiten geben. Um den europäischen Gedanken zu stärken, will die Landesregierung unter anderem den Schüleraustausch insbesondere mit Frankreich intensivieren. Auch Christian Baldauf betonte die Bedeutung politischer Bildung in einer Zeit, „in der Fakten an Wert verlieren, Extremismus, Hass und Hetze“ sowie Antisemitismus zunehmen. Daniel Köbler (Grüne) nannte die Erziehung zur Demokratie eine zentrale Aufgabe für Schulen und Kitas. Joachim Paul (AfD) erklärte, seine Fraktion lege Wert darauf, dass in der Grundschule Lesen und Schreiben mit schöner Handschrift vermittelt werde. Der Regierung sei Haltung wichtiger als Wissen. Einwurf