Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Maskenpflicht: Mit oder ohne Gesichtsvisier?

An drei Seiten offen: Gesichtsvisier.
An drei Seiten offen: Gesichtsvisier.

Wie das Mainzer Gesundheitsministerium für immer neue Klarheiten sorgt.

Durchblick ist wichtig. Gerade auch im Dickicht der Corona-Verordnungen und Paragrafen. Wer nicht ständig auf der Hut ist und darauf achtet, ob gerade etwas gelockert oder aber wieder verboten wird, der hat schnell etwas verpasst. Seinem täglichen Überblick zum Stand der Corona-Infektionen hatte das Mainzer Gesundheitsministerium am Freitagnachmittag ganz am Ende einen kleinen, fast versteckten Hinweis beigefügt: „Ein Schutzvisier ist kein gleichwertiger Ersatz für eine Mund-Nasen-Bedeckung“, hieß es. Deshalb müsse immer dann, wenn eine Mund-Nasen-Bedeckung gefordert sei, eine Alltagsmaske getragen werden. Es habe in dieser Frage Unklarheiten gegeben, deshalb habe man diese Auflage jetzt konkretisiert.

Anlass für Irritationen

Zur Erfüllung der Maskenpflicht genügen zwar auch Tücher und Schals, aber plötzlich keine Visiere mehr. RHEINPFALZ-Leserin Anja Weiland aus Ludwigshafen war verblüfft, als sie dies las: „Was waren wir froh, als die Maskenpflicht eingeführt wurde und es nicht ausreichend Gesichtsmasken gab, dass es Personen und Geschäftsleute gab, die die Idee hatten, solche Gesichtsvisiere anzufertigen.“ Die Landesregierung sei ja selbst nicht in der Lage gewesen, ausreichend Gesichtsmasken zu besorgen und habe die Maskenpflicht auf Biegen und Brechen zum 27. April eingeführt. „Nach knapp sechs Wochen fällt es den Damen und Herren des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums ein, dass diese Visiere also keinen Ersatz für die Alltagsmasken seien“, zürnt Anja Weiland.

Die 3D-Drucker liefen auf Hochtouren

In der Tat hatte die rheinland-pfälzische Landesregierung die Maskenpflicht erst spät und auf Druck von außen eingeführt – seitdem gilt sie unter anderem in Einzelhandelsgeschäften und im Öffentlichen Nahverkehr. Damals war seitens des Mainzer Gesundheitsministeriums von einem Verbot der Plastikvisiere allerdings keine Rede.

Auch in der Pfalz wurden deshalb vielerorts 3D-Drucker in Gang gesetzt, um solche Gesichtsvisiere herzustellen. Inzwischen gibt es diesen Schutz aus Acrylglas auch preiswert im Handel. Etliche Unternehmen schafften Exemplare für ihre Beschäftigten an. Und vor allem in der Gastronomie, die in Rheinland-Pfalz seit 13. Mai wieder öffnen darf, tragen viele Mitarbeiter lieber Visiere statt Maske.

Erfahrungsaustausch mit dem DGB

Die vom Mainzer Gesundheitsministerium am Freitag verfügte Verbannung dieses speziellen Gesichtsschutzes blieb deshalb nicht ohne Widerspruch. Am Montag kam es zu einem „Erfahrungsaustausch“ zwischen dem rheinland-pfälzischen DGB-Vorsitzenden Dietmar Muscheid und der Mainzer Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Nach dem Gespräch gab es im Zickzack-Kurs des Ministeriums eine weitere Wendung. In Form einer „Klarstellung“: Das Tragen von Visieren bei Verkäuferinnen und Verkäufern im Einzelhandel und in der Gastronomie sei möglich, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, teilte das Ministerium jetzt mit.

Das sagte der Virologe

Um den neuerlichen Schwenk – der ja eher ein Zurückrudern war – zu rechtfertigen, wurde ein Experte bemüht. Das Ministerium zitierte den Virologen der Mainzer Universitätsmedizin Professor Bodo Plachter mit den Worten: „Mund-Nasen-Bedeckungen schützen andere zwar klar effektiver als Visiere; bei bestimmten Arbeitsbedingungen, wie dem Einräumen von Regalen im Supermarkt oder dem Service in der Gastronomie, ist ein dauerhaftes Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen nicht immer zumutbar.“

Hauptsache: Durchblick bewahren

Das Robert-Koch-Institut hatte bereits vor Wochen deutlich gemacht, dass seiner Meinung nach Visiere, die ja an den Seiten offen sind, für den Infektionsschutz eher ungeeignet sind: Sie könnten „maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen“. Was dann nun wiederum erst recht den Durchblick trüben würde. Und das wäre schlecht, denn der nächste Kurswechsel im Corona-Verordnungswirrwar kommt bestimmt.

Zum Faktencheck: Taugen Visiere als Ersatz für Masken geht es hier.

x