Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafener Eltern vor Gericht: Ärztin zeigt Bilder des verletzten Babys

Vor dem Frankenthaler Gericht muss sich ein Elternpaar aus Ludwigshafen verantworten.
Vor dem Frankenthaler Gericht muss sich ein Elternpaar aus Ludwigshafen verantworten. Foto: BOLTE

Eine Rechtsmedizinerin hat am Montag in einer Verhandlung vor dem Frankenthaler Landgericht die lange Liste der Verletzungen erläuterte, die einem sieben Wochen alten Baby im Herbst 2018 in Ludwigshafen zugefügt wurden. Angeklagt sind die 26 Jahre alte Mutter und der 24-jährige Vater, weil sie ihren kleinen Jungen massiv misshandelt haben sollen.

Das Baby kam am 15. Oktober 2018 in ein Krankenhaus. Doch einige seiner Verletzungen müssen dem Kind bis zu drei Wochen zuvor zugefügt worden sein, berichtete die Rechtsmedizinerin. Zur Verdeutlichung ihres Gutachtens wurden Fotos eines Teils der Verletzungen auf einen Bildschirm projiziert. Einblutungen an Mund und Augen des Babys waren zu sehen, eine Verletzung am Penis, ein Foto zeigte den Säugling, wie er an Schläuche angeschlossen nach einer Operation in einem Bettchen liegt.

Der Vater schaut weg, die Mutter betrachtet die Fotos

Sein 24-jähriger Vater schaute im Prozess lieber weg, verbarg seinen Kopf in den Händen und weinte zwischendurch. Die 26-jährige Mutter schaute sich hingegen die Bilder an, blätterte die vorliegenden Fotos immer wieder durch und inspizierte sie genau.

„Massive Schmerzen“ habe das Baby vor allem durch eine Bauchfellentzündung und Rippenbrüche gehabt, erläuterte die Medizinerin. Die Rippenfellentzündung sei Folge einer Perforation des Dickdarms, die durch einen „dünnen punktförmigen Gegenstand“ verursacht worden sei, der in den Anus des Babys eingeführt wurde.

Verletzungen durch „stumpfe Gewalt“

Mehrere Tage alte Brüche beider Schienbeine, Einblutungen in der Hirnrinde, eine frische Blutung zwischen Hirnhaut und Gehirn, der Bruch eines Knochens am Hinterkopf, eine Lungen- und eine Herzprellung, die Verletzung am Penis, ein Hämatom am linken Knie führte die Rechtsmedizinerin als weitere Verletzungen des Babys auf. Die Verletzungen seien überwiegend durch stumpfe Gewalt, also Schläge oder ähnliches, entstanden, sagte die Ärztin.

Ein missglückter Beschneidungsversuch?

Die 26-Jährige hat gesagt, ihr Partner habe dem Baby bei einem missglückten Beschneidungsversuch die Verletzung am Penis zugefügt. „Eher nein“, antwortete die Medizinerin auf die Frage von Daniel Heinlein, dem Anwalt der Mannes, ob das möglich sei. Immer wieder fragte vor allem der Vorsitzende Richter Uwe Gau, wie Verletzungen genau entstanden sind. Fragen, die auch die Ärztin nicht alle beantworten konnte. Der Prozess geht am Mittwoch, 13 Uhr, weiter.

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