Rheinland-Pfalz Langsame Schrumpfung

«MAINZ.» Die Einwohnerzahl des Landes wird mittelfristig bis 2040 auf knapp 3,97 Millionen sinken. Das entspricht dem Stand von 1995 und bedeutet im Vergleich zu 2017 einen Rückgang um 106.000 Personen oder ein Minus von 2,6 Prozent. Diese Zahlen gehen aus der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes hervor. Dessen Präsident Marcel Hürter hat gestern in Mainz die fünfte Auflage dieser Einschätzung der künftigen demografischen Entwicklung vorgestellt. Die vorangegangene Analyse stammt aus dem Jahr 2014. Damals hatte das Landesamt geschätzt, bis 2040 könnte die Bevölkerungszahl auf unter 3,8 Millionen sinken. Die neue Vorausberechnung reicht bis 2070. Bis dahin könnte die Bevölkerung nach Meinung der Statistiker um fast eine halbe Million auf 3,58 Millionen Personen abnehmen. Dieser Wert würde dann der Einwohnerzahl von 1965 entsprechen. Für ihre neue Vorausberechnung gehen die Experten des Landeamts von veränderten Annahmen aus. Das gilt zunächst für die Geburtenrate. Sie war bei der Analyse vor fünf Jahren mit 1,4 Kinder je Frau angenommen worden. Zwischen 2012 und 2017 ist dieser Wert jedoch auf 1,6 angestiegen. Zwar haben auch deutsche Frauen im Schnitt mehr Kinder zur Welt gebracht, größtenteils geht der Anstieg jedoch auf die vorübergehend sehr starke Zuwanderung von Familien aus Ländern mit hoher Geburtenrate zurück. Unter dem Strich erwarten die Statistiker eine Geburtenrate von künftig 1,5 pro Frau. Ebenso gehen die Experten von einer höheren Lebenserwartung aus: Bis 2070 könnten Frauen im Schnitt 5,8 Jahre länger leben (88,8 Jahre) und Männer 6,9 Jahre länger (85,5 Jahre). Drittens schließlich wird angenommen, dass unter dem Strich jährlich 9000 Menschen mehr aus dem Ausland nach Rheinland-Pfalz kommen als das Land in umgekehrter Richtung verlassen werden. Bei der Prognose vor fünf Jahren war dieser Wanderungssaldo mit 6000 Personen jährlich angesetzt worden. Gerechnet haben die Statistiker noch zwei andere Varianten: Würden jährlich 17.000 Menschen mehr ein- als auswandern, bliebe die Bevölkerungszahl bis 2070 nahezu konstant. Ohne Zuwanderung gäbe es in 50 Jahren nur noch drei Millionen Rheinland-Pfälzer (minus 25 Prozent). Die Analyse macht aber ebenso deutlich: Zuwanderung bremst zwar den Bevölkerungsrückgang, sie ändert aber nur wenig an der Alterszusammensetzung. Der sogenannte Altenquotient – das ist der Anteil der über 65 Jahre alten Menschen bezogen auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren – wird von 35,7 (2017) auf 56,8 (2040) und langfristig auf 61,4 (2070) steigen. Regional wird die Bevölkerungsentwicklung nach Einschätzung der Statistiker sehr unterschiedlich verlaufen. Zumindest bis 2040 werden die kreisfreien Städte vom Bevölkerungsrückgang noch weitgehend verschont bleiben (durchschnittlich minus 0,4 Prozent). In den Landkreisen hingegen wird ein Minus von durchschnittlich 3,4 Prozent erwartet – in der Westpfalz sind es aber Rückgänge um teils zehn Prozent (siehe Grafik). Nach den Worten von Präsident Marcel Hürter wird das Statistische Landesamt in naher Zukunft auch Bevölkerungsvorausberechnungen für die einzelnen Verbandsgemeinden veröffentlichen. Kommentar, Im Netz