Rheinland-Pfalz
Kommentar zum CDU-Parteitag: Selbstzerstörungskräfte aktiviert
Wäre die rheinland-pfälzische CDU nicht die Partei, in der Männer wie Hans-Otto Wilhelm in den 1980er-Jahren oder Christoph Böhr in den 2000er-Jahren einst Gräben gegraben hätten tief wie ein Flussbett, dann wäre der Dämpfer für die Landeschefin Julia Klöckner nur ein Dämpfer. Dann wären die 69,2 Prozent für sie als Spitzenkandidatin wirklich nur die Nachwehen der krachend verlorenen Landtagswahl, der Maskenaffäre um Raffkes in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und des vermurksten Verfahrens in der Kanzlerkandidatenfrage.
So rächt sich vielleicht dieses digitale Format
Aber es ist die rheinland-pfälzische CDU. Und sie scheint gerade dabei zu sein, ihre Selbstzerstörungskräfte wieder zu aktivieren. Vor allem, weil das Ergebnis für sich steht. Der Parteitag bot kein Ventil für den Unmut vergangener Wochen. So rächt sich vielleicht das digitale Format, das in dieser Form nur zum Teil der Corona-Pandemie geschuldet ist.
Immerhin: Im Gegensatz zur FDP beherrscht die CDU an diesem Tag die Technik und kommt zu Ergebnissen. Aber es gibt keine Aussprache, niemand will zugeschaltet werden. Für die digitalen Teilnehmer bringt es keinen Mehrwert, dass die Kandidaten im Studio sind, um sich vorzustellen. Auch die Anwesenheit Laschets ist allenfalls symbolisch wertvoll.
Textnachrichten gehen hin und her
So gehen Textnachrichten hin und her. Hat Klöckner gerade die verlorene Landtagswahl dem Spitzenkandidaten Christian Baldauf in die Schuhe geschoben? Sie habe ihm die nötige Beinfreiheit gelassen, aber im Hintergrund geholfen und Spenden gesammelt. Das sagte sie in ihrer Rede.
Um Baldauf formiert sich schon länger ein Lager, das ihn an der Spitze der Landespartei sehen will. Der Frankenthaler hat vor zehn Jahren wichtige Vorarbeiten geleistet, dass die Partei die Gräben zuschüttet. Aber wirklich gelungen ist das erst Julia Klöckner. Und Baldauf hat die Wahl verloren. Es werden schwierige Monate bis zur Bundestagswahl.
Einer zumindest hat sich am Samstag nicht als Retter der CDU empfohlen: Der aufmüpfige Landrat aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis, Marlon Bröhr. Seine Vorstellung war kurz, sein Ergebnis für Platz 14: 70,6 Prozent.