Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Super-Start für die Landes-CDU mit Baldauf

Christian Baldauf ist Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Julia Klöckner klatscht.
Christian Baldauf ist Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Julia Klöckner klatscht. Foto: Linzmeier-Mehn

Mit Optimismus und einer Prise Demut will CDU-Spitzenkandidat Baldauf die SPD-Vorherrschaft im Land beenden. Der interne Gegenkandidat war dabei nicht mal ein Hürdlein.

Christian Baldauf hat gestern im Neustadter Saalbau vor seiner Kür zum CDU-Spitzenkandidaten die wichtigste Frage selbst gestellt: „Wie gewinnen wir die Landtagswahl ’21?“ Für ihn liegt der Schlüssel im Dreiklang „Sagen, was Sache ist. Probleme lösen. Entscheidungen umsetzen.“ Die Punkte zwei und drei werden schwer zu packen sein in der Opposition, die für seine Partei nun seit über 28 Jahren andauert. Was zeigt: Nicht alles an Baldaufs Bewerbungsrede vor gut 400 Delegierten war überzeugend.

Dass er trotzdem einen überaus erfolgreichen Start als Spitzenkandidat hinlegte, lag an Sätzen wie „Die SPD in Rheinland-Pfalz ist ein starker Gegner“ und „Bis heute kenne ich keinen so klugen Slogan, keinen Marketing-Satz, kein Framing, das besser wäre als Einigkeit und Recht und Freiheit.“ Eine Prise Demut vor der großen Aufgabe und der optimistische Ansatz, dass es ein großer Segen sei, „in diesem Land und in dieser Zeit zu leben“ – das kam gut an bei den Delegierten, die Baldauf trotz Gegenkandidat 80,25 Prozent Zustimmung bescherten. Loyal, teamfähig, selbstkritisch, aber auch angriffslustig gegen „rot-grün-gelbes Ampelgehampel“ – so hat sich der Fraktionsvorsitzende präsentiert.

Der Start konnte auch deshalb so glatt glücken, weil sich die groß inszenierte Gegenkandidatur von Marlon Bröhr, Landrat im Rhein-Hunsrück-Kreis, als Sturm im Wasserglas erwies. Man konnte den Eindruck gewinnen, Bröhr, bei der Vorstellung als Zweiter am Pult, hätte nach Baldaufs Rede seine Kandidatur am liebsten zurückgezogen. Der Landrat, bei einem Parteitag vor drei Jahren positiv aufgefallen, als er klug, klar und kämpferisch gegen den CDU-Regionalproporz und Hinterzimmergeschacher argumentierte, ergab sich gestern quasi kampflos. Stark war er nur in der Niederlage, als er Baldauf „von Herzen“ gratulierte und seine Mitarbeit im Team anbot.

Die CDU im Land weiß also, wem sie zutraut, nach nunmehr drei Jahrzehnten die Vorherrschaft der SPD im Land zu brechen. Und wenn Partei und Kandidat klug sind, wissen sie aus bitterer Erfahrung auch, dass man mit einem wieder einmal guten Start noch lange keinen Blumentopf gewonnen hat.

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