Rheinland-Pfalz
Kommentar: Die FDP-Fraktion macht reinen Tisch
Beim sensiblen Thema Missbrauch in Schulen hat die Abgeordnete Helga Lerch den Bogen überspannt.
Das Verhältnis zwischen der streitbaren Helga Lerch und ihrer Fraktion war von Anfang an schwierig. Lerch wollte nach der Wahl 2016 Fraktionsvorsitzende werden. Es reichte nur zur Vize-Chefin. In der Folgezeit fiel die Rheinhessin immer mal wieder mit Äußerungen auf, die mehr oder weniger deutliche Kritik insbesondere an der Bildungspolitik der Ampel-Koalition bedeuteten. Für die auf unverbrüchliche Koalitionstreue bedachten Liberalen war dies ein zunehmend untragbarer Zustand. Als Lerch im Oktober im Plenum des Landtags durchblicken ließ, dass es bei der Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften durchaus noch Luft nach oben gebe, wurde sie von Parteichef Wissing am Rande des Plenums in den Senkel gestellt.
FDP-Fraktion fürchtet den Zorn von Lehrern
Vor eineinhalb Wochen hat Lerch angedeutet, bei der Verfolgung von sexuellen Übergriffen in Schulen arbeite die Schulaufsicht schludrig. Mit dem sensiblen Thema hat sie eine Lawine losgetreten. Bis zur Sondersitzung des Bildungsausschusses am Freitag stand der unausgesprochene Verdacht im Raum, es könnte unaufgeklärte Fälle geben. Dabei hat Lerch den Bogen wohl überspannt: Am Ende stellte selbst die Opposition fest, dass bei der Verfolgung des Missbrauchs ordentlich gearbeitet wird. Seither fürchtet die FDP-Fraktion den Zorn von Lehrern, die sich verunglimpft fühlen und will mit dem Ausschluss Lerchs reinen Tisch machen. Die Mehrheit der Ampel wird dünn, aus den Fugen wird das Bündnis nicht geraten.