Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Wie auf Pilzsammler-Glück Pech folgen kann

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Kariaktur: Mercker

Ihre Liebhaber mögen sie auf verschiedenste Arten – zart gedünstet als Ragout, püriert für ein feines Süppchen, als delikate Füllung eines Omeletts oder leckere Soßenbeigabe zu gebratenem Fleisch: Nach Pilzen aus heimischen Wäldern schlecken sich viele die Finger. Wobei es nicht wenige Feinschmecker als Gipfel des Genusses empfinden, etwas verzehren zu können, das sie sich selbst aus dem Garten der Natur geholt haben. Doppeltes Genießer-Glück sozusagen. Gegönnt sei das jedem, der sich die Hauptzutaten für solch ein Gericht mit der gebotenen Rücksichtnahme im Forst besorgt hat. Unschön ist es jedoch, wenn Leute sich dort einfach ungeniert nehmen, so viel sie bekommen können – ohne sich um die vorgegebenen Grenzen zu scheren.

Saftige Bußgelder drohen

Dabei greifen Regelungen auf Bundes- und Landesebene ineinander. Gemäß Landeswaldgesetz dürfen Pilze, wie unter anderem auch Kräuter, „bis zur Menge eines Handstraußes“ nur „für den persönlichen Bedarf“ und „pfleglich“ entnommen werden. Dem Bundesnaturschutzgesetz zufolge jedoch nicht in Naturschutzgebieten – und auch nicht alle Pilzarten. Gewerbliches Sammeln von Walderzeugnissen ist lediglich mit Erlaubnis der Waldbesitzenden gestattet. Verstöße gegen diese Vorschriften können mit Geldbußen in Höhe von bis zu 2500 Euro, in besonders schweren Fällen bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Dennoch wird immer mal wieder jemand dabei erwischt, sich nicht daran gehalten zu haben.

84 Kilogramm Pilze im Kofferraum

Was wirklich zum „übermäßigen“ Pilzsammeln motiviert hat in jenen zwei Fällen, die im Oktober in Rheinland-Pfalz publik wurden, ist bisher nicht bekannt. Die vier Männer, die der Polizei bei Kontrollen aus ganz anderen Gründen aufgefallen sind, behaupteten, die von den Beamten in ihren Fahrzeugen entdeckten Waldpilze seien nur zum Eigenverzehr und für die nähere Verwandtschaft bestimmt. Doch das klingt angesichts der Mengen wenig glaubhaft: Im Auto eines Mannes in Wiebelsheim (Rhein-Hunsrück-Kreis) lagen rund 19 Kilogramm, vorwiegend Steinpilze. Und im Kofferraum des Wagens eines Trios aus dem Saarland, das bei Sembach (Kreis Kaiserslautern) von einer Streife gestoppt wurde, entdeckte diese gar 84 Kilogramm Pilze.

Gern hätten wir nun im Nachhinein über die weiteren Folgen dieser unverfrorenen Selbstbedienung berichtet. Doch in beiden Fällen sind dazu bisher keine Bescheide ergangen. Im Wiebelsheimer Fall ist noch nicht mal das Verfahren diesbezüglich in Gang gekommen. Wo die Sache liegt, war bei Nachfragen bei vier verschiedenen Behörden nicht herauszufinden. Die Recherchen dazu erwiesen sich als ähnlich mühsam und unergiebig wie die erfolglose Suche nach einem allzu verdeckt stehenden Pfifferling ...

Bald Anhörung Betroffener

Ein ganzes Stück weiter ist man im Sembacher Fall. Dazu werde man, wie es bei der Kreisverwaltung Kaiserslautern hieß, in Kürze ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten mit der schriftlichen Anhörung der Betroffenen zu den Vorwürfen gegen sie. Geklärt werden konnte immerhin schon, dass ein Verstoß gegen die Bundesartenschutzverordnung ausscheidet: Ein zurate gezogener Pilzexperte befand anhand eines Fotos der Sammlerbeute, dass es sich um Edel-Reizker handle – einen „sehr guten“ Speisepilz, der nicht unter besonderem Artenschutz steht. Wobei zur etwas verwirrenden Rechtslage erklärend anzumerken ist, dass auch von bestimmten geschützten Arten, wozu Steinpilze zählen, geringe Mengen der Natur entnommen werden dürfen.

Ein bisschen von den sichergestellten Ernten durften die „Hamsterer“ daher behalten, während alles andere – auch wegen des Risikos, dass doch giftige Funde darunter sein könnten – vernichtet wurde. Ob die Überbleibsel für die vier ein Trost sein konnten beim Pech nach ihrem Sammler-Glück, ist indes zu bezweifeln. Zumal, wenn sie vielleicht vom mahnenden Beispiel zweier Männer erfuhren, denen voriges Jahr solches Abgrasen im Südschwarzwald teuer zu stehen kam: Für 19 Kilo Steinpilze brockten sie sich Bußgeldforderungen von rund 1700 Euro ein – was ihnen wohl kaum geschmeckt hat ...

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